Universität Erfurt

Was ist westlich am Westen?

Dr. Sebastian Dorsch: Lateinamerikanische & Atlantische Geschichte

Allgemeines

Sebastian Dorsch beschäftigt sich als Lateinamerika-Historiker mit der raum-zeitlichen Positionierung lateinamerikanischer Akteure innerhalb der atlantischen Welt. Nach seiner Dissertation über Praktiken und Repräsentationen bei der Ausbildung einer eigensinnigen politischen Kultur in der west- mexikanischen Provinz Michoacán im Zeitalter der Atlantischen Revolutionen (ca. 1760er–1830er Jahre) arbeitet er seit 2011 insbesondere zu „Kulturellen ZeitRäumen“ im São Paulo der Jahrzehnte um 1900 (DFG gefördert bis 2015) sowie im Amazonasraum.

In diesem Rahmen setzte er sich beispielsweise aus umwelt- und bildhistorischen Perspektiven mit dem Topos der Neuen Welt und der Insel-Vorstellung von „Brasilien“ innerhalb Lateinamerikas auseinander sowie mit der Entwicklung des für das katholische Latein-Amerika zugrundeliegenden Konzepts der Latinité als raum-zeitliche Alternative zur angel- sächsisch-protestantischen Moderne. Er entwickelte an Hand der Untersuchung der im Norden (oder Westen?) „erfundenen“ Modernekrankheit Neurasthenie in der vermeintlichen „Yankee City São Paulo“ und in Auseinandersetzung mit philosophischen und politischen Welt-Ordnungspraktiken das Konzept der „Verzeitlichung des Atlantiks“. Raum-zeitliche Lokalisierungspraktiken Paulistaner Akteure stellten auch in seinen historiographie- und kartographiehistorischen Studien den Schwerpunkt dar. Zuletzt arbeitete er mit dem Ansatz der „Translokalen Wissensakteure“ an methodischen Grundlagen nicht nur für eine lokal verortete Globalgeschichtsschreibung.

2011 gründete Sebastian Dorsch zusammen mit Susanne Rau die Erfurter RaumZeit-Forschung (ERZ) und initiierte und koordinierte seitdem als Co- Vorstand zahlreiche einschlägige Workshops und Publikationen. Er ist Mit-Herausgeber der neuen Reihe „SpatioTemporality. Practices – Concepts – Media.“

Nach oben

Themenrelevante Publikationen

  • Verfassungskultur in Michoacán (Mexiko): Ringen um Ordnung und Souveränität im Zeitalter der Atlantischen Revolutionen (Lateinamerikanische Forschungen 37). Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag, 2010.

  • Mit-Herausgeber von Space/Time Practices and the Production of Space and Time. Special Issue "Space/Time Practices", Historical Social Research 3 (2013).

  • Translokale Wissensakteure: Ein Debattenvorschlag zu Wissens- und Globalgeschichtsschreibung, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 64 (2016), Heft 9, S. 778–795.

  • „Brasilien“ zwischen Insel-Topos und „Neuer Welt“: Ein raum-zeitlicher Versuch über Weltbilder und Welterfahrungen im frühen Anthropozän, in: Olaf Breidbach u.a. (Hrsg.): Welt-Anschauungen. Interdis- ziplinäre Perspektiven auf die Ordnungen des Globalen, Stuttgart 2015, S. 15–41.

  • Die "Yankee City" São Paulo im verzeitlichten Atlantik: Die Nerven- und Modernekrankheit Neuras- thenie, in: Georg Fischer u.a. (Hrsg.): Brasilien in der Welt. Region, Nation und Globalisierung 1870- 1945 (Globalgeschichte, Bd. 14), Frankfurt/M. / New York 2013, S. 296–319.

Nach oben

Navigation

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl