Universität Erfurt

Dr. Sergey David Sistiaga: Philosophie

Allgemeines

Sergey Sistiaga untersucht den Zusammenhang zwischen der nachmetaphysischen Epoche (zu deren rein philosophischer Legitimation bei Kant er promovierte) und ihren geschichtlich-kulturellen wie sozioökonomischen Entstehungsbedingungen im Ausgang der Wissenschaftlichen Revolution und der Genese des Kapitalismus.

Seiner Forschung zum Westlichen des „Westens“ liegt dabei die These zugrunde, dass es nicht die – sehr vereinfacht gesagt – „Vernunft der Metaphysik“, sondern das tendenziell antimetaphysische, instrumentell-klassifikatorische Methodendenken ist, welches es der als nachmetaphysisch so durchaus ortlos wie zeitlos gewordenen Vernunft des abstrahierenden Denkens – für das Wissender und Gewusstes, Maß und Gemessenes als vom reinen Denken Gesetzt- und Bestimmtes letztlich in eins fallen – überhaupt erst ermöglichte, seiner Logik inkommensurable und fremde Orte des Denkens und Lebens mittels einer aufbrechenden „Lokalisierung des Alokalen“ im Zuge einer dynamischen (oftmals auch befreienden), doch allgemeinen und uniformen Beherrschungslogik zu enteignen, indem die so aus symbolisch-moralischem Kontext befreite „reine Vernunft“ Wirtschaft von Kultur, Politik von Gesellschaft, Begriff vom Gegenstand, und in gewisser Hinsicht gar die Ethik vom Leben trennte.

Der Zwiespalt zwischen zwecksetzender und zweckloser Vernunft als Herrschafts- und Akkumulationsmittel – so eine weitere vorläufige Annahme – mag nicht nur die häufig augenfällige Hypokrisie des „Westens“ bedingen, sondern auch das notorische Problem einer Bestimmung oder Selbstbestimmung des Westens erheblich erschweren, dessen zwiespältiger Vernunftbegriff Ausdruck einer konstitutiven Schizophrenie zwischen Ideal und Realität, Denken und Tat darzustellen scheint, in deren endloser, entgleitender Dialektik sich das so nie konkret realisierbare Denken in der Leere der gegenstandslosen Selbstidentität des „Ich = Ich“ zu verlieren droht, in der Unbestimmbarkeit der bloßen Selbstaffirmation des reinen Denkens, das für sich nichts ist, wobei das ihm andere zugleich oft nur als fremd, äußerlich, allenfalls „als-ob“ oder „uneigentlich“, wenn nicht gar nichtig aufgefasst wird (weshalb als Fluchtpunkt die Erforschung des Nihilismus als durchaus „westlichem“ Phänomen auch zum Tragen kommen soll). 

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