Universität Erfurt

Polytropon

Polytropon

Polytropon - Erfurter Nachwuchsnetzwerk Antike

Nos rite coepturi ab Homero videmur – „in rechter Weise scheinen wir vorzugehen, wenn wir bei Homer unseren Anfang nehmen wollen“ (Quint. inst. 10, 1, 46). Diese Feststellung Quintilians, mit der er seine Lektüreempfehlungen für den tüchtigen Redner einleitet, gilt auch für das Erfurter Nachwuchsnetzwerk Antike, das sich den Namen Polytropon gegeben hat. Mit diesem Epitheton belegte einst Homer seinen Helden Odysseus, der gleichsam die Personifizierung dieser Eigenschaft darstellt: ἄνδρα μοὶ ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον – „den Mann, oh Muse, besinge mir, den vielgewandten“ (Hom. Od. 1, 1). Damit spielt Homer in einem Wort auf viele Eigenschaften des Odysseus an, auf seine Schlauheit, ebenso wie auf seine Irrfahrten und die Leiden, die er während ihrer erduldete. Die Rede vom „Vielgewandten“ wäre also selbst vielgewandt; was aber hat sie mit uns zu tun?

Die Universität Erfurt ist ein Ort, an dem in verschiedenen institutionellen Rahmen – in Erfurt bei den Professuren für Antike Kultur, Allgemeine Religionswissenschaft und weiteren Professuren an der Philosophischen Fakultät sowie am Max-Weber-Kolleg und am Forschungszentrum Gotha – eine lebendige Erforschung der Antike sowie ihrer Rezeption stattfindet. Insbesondere auf der Ebene des wissenschaftlichen Nachwuchses (Promovierende, Postdoktoranden und Postdoktorandinnen) zeigt sich dabei, dass sich hier eine Vielzahl von Personen versammelt findet, die durch ein gemeinsames Interesse an kultur- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen verbunden wird und über eine breite Vielfalt an methodischen und theoretischen Zugängen verfügt. Angesichts dieser Ausgangslage war es naheliegend, sich zu treffen, zu vernetzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und unsere jeweiligen Forschungen zu diskutieren, um so voneinander zu profitieren. Und was im Herbst 2016 als inoffizielle Gruppe begonnen hatte, konnte schließlich im Januar 2018 offiziell als Nachwuchsnetzwerk der Universität Erfurt konstituiert werden.

Dieses Netzwerk unter die Vorzeichen des homerischen Vielgewandten zu stellen, erscheint in mehrfacher Hinsicht sinnvoll: Auf intellektueller Ebene bewegen wir uns in einer Vielzahl von Forschungsfeldern und -thematiken, bearbeiten diese mit der bereits erwähnten Vielfalt von Methoden und Zugängen und machen es uns so zum Anliegen, jenseits essentialistischer Vorstellungen von ihr die Antike als in sich selbst bereits vielgestaltigen Gegenstand zu begreifen: Er schillert umso intensiver, je öfter er rezipiert und über ihn gesprochen wird. Doch nicht nur fachlich dürfen die Mitglieder des Netzwerks als bewandert gelten, sondern auch auf der wörtlichen Ebene: Jede und jeder hat bereits in anderen Teilen (nicht nur) der akademischen Welt Station gemacht und unterhält Beziehungen und Kontakte zu anderen Wissenschaftler*innen geographisch breit gestreuter Forschungseinrichtungen und Fächerkontexte, wodurch eine Vernetzung des Erfurter Netzwerkes über den lokalen Rahmen hinaus gegeben ist. Durch all dies schließlich wollen wir als im besten Sinne vielgewandte Menschen an der Gestaltung einer vielgewandten und vielgestaltigen, pluralistischen Gesellschaft teilnehmen.

Kern unserer Aktivitäten sind die etwa einmal monatlich stattfindenden Treffen, in denen Werkstattberichte und Teilaspekte der laufenden Forschungen präsentiert, ausgetauscht und diskutiert werden, um sich so gegenseitig zu unterstützen und zu neuen Perspektiven und Herangehensweisen an die jeweiligen Gegenstände zu inspirieren. Lesekreise dienen dazu, grundlegende ebenso  wie  jüngste Forschungsansätze  und -beiträge zu  diskutieren  und  so  an  aktuellen  Debatten  teilzuhaben,  das  eigene  Forschungsziel  zu  reflektieren,  zu  schärfen  und so neu gewonnene Erkenntnisse gewinnbringend in die eigenen Projekte einfließen zu lassen. Ebenso veranstaltet das Netzwerk jedes Semester das „Kolloquium zur antiken Kultur- und Religionsgeschichte“ und war zuletzt verantwortlich für die Konzeption und Durchführung des Mitteldeutschen Althistorikertages am 20.1.2018 in der Kleinen Synagoge in Erfurt.

Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen. Bei Interesse melden Sie sich bitte über die allgemeine E-Mail-Adresse oder direkt bei den einzelnen Mitgliedern.
 

Lucas Rischkau, letzte Änderung: 20.02.2019

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