Universität Erfurt

Interdisciplinary Center of E-Humanities in History and Social Sciences

Projekte

DFG-Antrag 13-10-20: „Magische Verfluchungen als Durchsetzung von Recht. Trans-kulturelle Entwicklung und individuelle Prägung der antiken Fluchtafeln“.

In der bisherigen Forschung hat man die antiken Fluchtafeln als Reaktion entweder auf ein Konkurrenzverhältnis oder auf ein gesellschaftliches Risiko interpretiert. Zusätzlich zu diesen beiden berechtigten Gesichtspunkten will das vorliegende Projekt eine neue Perspektive eröffnen, welche die innere Einstellung der handelnden Akteure in den Vordergrund stellt: Die Verfasserinnen und Verfasser versuchten, durch die Flüche ihr subjektiv empfundenes, persönliches Recht zur Geltung zu bringen. Sie waren bereit, ihre Interessen und Ansprüche auch neben der und gegebenenfalls gegen die gültige Rechtsordnung zu verfolgen und dazu die Hilfe überirdischer Mächte in Anspruch zu nehmen. Dieses Beharren auf dem Recht der individuellen Interessensdurchsetzung ist ein Kennzeichen der antiken Bürgergesellschaft, die sich aus individuellen Rechtssubjekten zusammensetzte. Die Analyse der Fluchtafeln aus dieser Perspektive verdeutlicht daher die Komplementarität von rationaler offizieller Gesellschaftsordnung und irrationaler individueller Interessensdurchsetzung, welche auch in späteren (auch heutigen) Bürgergesellschaften zu finden ist.

Die Untersuchung der Fluchtafeln soll, die traditionellen Kategorien (Gerichtsflüche, Liebesflüche, Wettkampfflüche, Verbrechensflüche, Wirtschaftsflüche) übergreifend, entlang den in den Texten enthaltenen Grundelementen, den Formeln, verlaufen, in welchen die subjektive Rechtsdurchsetzung zum Ausdruck kommt. Die Formeln  sollen in Grund- und Feinformeln unterschieden werden. Dabei ist darauf zu achten, inwiefern die Menschen (mit genderspezifischer Differenzierung) einerseits auf tradierte, besonders transkulturelle magische Praktiken zurückgriffen und inwiefern andererseits ihre Individualität und Subjektivität ins Spiel kam. Unter Berücksichtigung der zeitlichen und örtlichen Veränderungen ergibt sich so auch ein ungefähres Bild von der historischen Entwicklung der Fluchtafeln als Mittel der Durchsetzung subjektiven Rechts.

Zur sprachlichen und inhaltlichen Analyse der Texte ist in einer ersten Projektphase die Vervollständigung der technisch fertiggestellten relationalen Fluchtafel-Datenbank erforderlich (Thesaurus Defixionum Magdeburgensis: TheDeMa), dessen Rubriken die äußeren und inhaltlichen Merkmale der Tafeln erfassen und deren Verknüpfung ermöglichen.

 

Projektleiter: Prof. Dr. Martin Dreher

Nach oben

Datenbankentwicklung für sozial- und wirtschaftsgeschichtliche  Untersuchungen und Zukunftssicherung eines Datenbestandes zum Kontraktsystem im Indienhandel

 

Mit der Entwicklung der historischen semantischen Datenbank histcross wurde ein nützliches Werkzeug zur schrittweisen Erfassung geschichtlicher Informationen erstellt. Neben der Datenaggregation erlaubt es die Datenbank, Netzwerke zu visualisieren, Daten zu durchsuchen und geographisch zu verorten. Am Beispiel des sog. Kontraktsystems der spanisch-portugiesischen Krone (Pfefferimporte aus Indien) des späten 16. Jh. konnten mit diesem Instrument detailliert die Verflechtungen von Unternehmern, Faktoren und Kommissionären untersucht werden. Bislang fehlen allerdings automatisierbare, strukturierte Analyse- und Auswertungsmöglichkeiten. Drei mittelfristige Ziele ergeben sich für eine Weiterentwicklung der Software und der dazugehörigen Methodik:

Zum einen gilt es, die technische Basis der Datenbank zu erneuern. Die Entwicklungen der letzten Jahre haben insbesondere in den Bereichen nichtrelationale Datenbanken (NoSQL), semantische Technik-Standards (RDF, OWL) große Fortschritte erzielt. Die Datenbank müsste in dieser Hinsicht weiterentwickelt werden, auch um Schnittstellen für andere Systeme schaffen zu können und die Zukunftsfähigkeit der Software zu sichern. Damit zusammenhängend soll ein Versionierungs- und Informationsaustauschsystem für die Datenbank erstellt werden, die einfaches kollaboratives Arbeiten zwischen Forschern erlaubt.

 

Projektleiter: Professor Dr. Wolfgang Spickermann

Nach oben

Anwendung fächerübergreifender Forschungsergebnisse zum Thema Armut und Armenfürsorge im Sektor Schule

 

Ziel des Projektes soll sein, interdisziplinär gewonnenes Wissen zum Thema “Armut und Armenfürsorge” für den Schulbereich nutzbar zu machen und über den Forschungszeitraum hinaus in der Gesellschaft zu verankern. Angesichts der hohen Nutzerzahlen von Lehrmedien und der Intensität der inhaltlichen Auseinandersetzung scheint der Weg über die Schule deutlich effektiver als etwa der über Fernsehproduktionen für Spartensender wie Phönix. Daher soll im Rahmen einer Prinzipstudie erforscht werden, wie effektiv komplexe, epochenübergreifende sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Forschungsergebnisse für den Schuleinsatz aufbereitet werden können.

Mit einem kompetenten Partner aus dem Bereich der neuen Medien soll im vorwettbewerblichen Bereich zusammen gearbeitet werden, um den Prototyp für eine didaktische DVD zum angesprochenen Themenbereich zu produzieren. In enger Zusammenarbeit mit Didaktikern aus dem Bereich der Schulmedien und Lehrkräften aus zwei Partnerschulen sollen aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema “Armut” epochenübergreifend für unterschiedliche Altersstufen schülergerecht aufbereitet werden.

 

Projektleiter: Professor Dr. Wolfgang Spickermann

Nach oben

Kooperationsprojekt: eAQUA „Extraktion von strukturiertem Wissen aus antiken Quellen für die Altertumswissenschaft“

 

Ziel des BMBF geförderten Projektes eAQUA (2008-2013) ist die Anpassung und Nutzung von Verfahren des Text Mining für altgriechische und lateinische Texte. Algorithmenbasierte Verfahren der Textauswertung werden seit einigen Jahren erfolgreich auch für die Analyse altertumswissenschaftlicher Textcorpora angewendet, aber besonders die Anwendung auf griechische Texte stellt dabei - wegen der Eigenart der altgriechischen Sprache (Abbildung von Akzenten, morphologische Wortbildung, Satzstruktur etc.) - eine Neuheit und auch spezielle Herausforderung dar. Im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen altertumswissenschaftlichen Fächern und der Informatik war das Ziel die Gewinnung von neuem strukturierten Wissen aus antiken bzw. frühneuzeitlichen Quellen und die Weiterentwicklung von Werkzeugen aus dem Bereich des Text Mining. Die hier verwendeten Suchmöglichkeiten (Kookkurrenzsuche, Zitationssuche) gehen über die üblichen Suchmöglichkeiten im Rahmen digitaler Bibliotheken hinaus und ermöglichen die Erschließung von Abhängigkeiten, Einflüssen und Transferwegen des Wissens in großem Umfang.

 

Projektleiter: Professor Dr. Charlotte Schubert    

Weitere Informationen 

Nach oben

DFG-Projekt eComparatio

 

Das Ziel des Projektes ist es, eine modular aufgebaute Anwendung zu entwickeln ("eComparatio" genannt), die es ermöglicht, verschiedene Versionen eines Textes (aus Handschriften, gedruckten oder digitalen Texteditionen) miteinander zu vergleichen. Das Kernstück der Anwendung ist ein Modul zum Vergleich von Editionen, das auch die Erstellung eines kritischen Apparates für digitale Editionen antiker Autoren ermöglicht. Die Zahl der Vergleichstexte ist beliebig, das Eingabeformat flexibel. Die Anwendung wird frei skalierbar sein, so daß der Umfang der zu vergleichenden Texte nicht beschränkt ist, das Ergebnis (Kollationierung) soll in Form von Listen als kritischer Apparat (positiver oder negativer Apparat) oder auch in beliebiger anderer Form ausgegeben werden können. In einem weiteren Modul soll für Autorenreferenzen bei der Abfrage von online-Datenbanken die Anbindung an das Notationssystem CTS (Canonical Text Services) und die Referenzierung auf Images von Handschriften (über das Image Citation Tool der CITE Collection Services) ermöglicht werden. Die Ansprechbarkeit für weitere Adreßschemata wird ebenfalls implementiert (z.B. für HTTP und den im Aufbau befindlichen PID-Service von CLARIN-D).

The project eComparatio aims to develop a modular application that allows to compare multiple versions of a text (from manuscripts, printed or digital text editions) with each other with the possibility to create a critical apparatus for digital editions of ancient authors. The number of texts is not limited, the input format is flexible. The application will be scalable, the result can be exported as a list to create a critical apparatus.

As a further module we plan to connect the application with the CITE architecture (a framework for scholarly reference) and especially the CTS (Canonical Text Services, a network service for identifying texts and for retrieving fragments of texts by canonical reference expressed as CTS URNs), also with HTTP and the PID-service of CLARIN-D.

 

Projektleiter: Professor Dr. Charlotte Schubert  

Nach oben

Navigation

Untermenü

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl