Universität Erfurt

Klang - Sprache - Schrift

Phonemähnlichkeitseffekte im Arbeitsgedächtnis

Projektleiter: Judith Schweppe, Ralf Rummer, Gerd Mannhaupt

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Franziska Machleb

 

Einer der zentralen Befunde der Forschung zum (verbalen) Arbeitsgedächtnis ist der phonologische Ähnlichkeitseffekt, der sich in schlechteren Behaltensleistungen für Listen aus phonologisch ähnlichen Stimuli (z.B. B-D-T-G-W-C oder Kuh-Hut-Stuhl-…) im Vergleich zu phonologisch unähnlichen (z.B. K-V-X-L-J-Q oder Haus-Topf-Ball-…) zeigt (Conrad & Hull, 1964). Der phonologische Ähnlichkeitseffekt gilt als Indikator dafür, dass verbales Behalten v.a. auf der Basis von Phonemen erfolgt (z. B. Baddeley & Hitch, 1974). Die Ähnlichkeit einzelner Laute erschwert aber auch das kurzfristige Behalten (Phonemähnlichkeitseffekt): Wenn Wörter oder Silben Phoneme teilen, die ähnlich klingen und/oder auf ähnliche Weise artikuliert werden (z. B. das /p/ und /t/ in ‚pa‘ und ‚ta‘), werden diese häufiger vertauscht als unähnliche Laute (z. B. ‚fa‘ und ‚na‘, Schweppe, Grice & Rummer, 2011; Wickelgren, 1966). Im Rahmen unseres Projekts wollen wir den vielfach replizierten phonologischen Ähnlichkeitseffekt sowie den noch vergleichsweise wenig untersuchten Phonemähnlichkeitseffekt anhand von computerbasierten Experimenten untersuchen. Hier steht vor allem die Frage im Vordergrund, welche Rolle abstrakten Phonemen auf der einen Seite und artikulatorischen und akustischen Merkmalen von Phonemen auf der anderen Seite beim kurzfristigen verbalen Behalten zukommt und wie die Befundmuster im Rahmen verschiedener Modelle des verbalen Arbeitsgedächtnisses erklärt werden können.

 

Literatur

Baddeley, A. D., & Hitch, G. J. (1974). Working memory. In G. A. Bower (Ed.). Recent advances in learning and motivation (Vol. 8, pp. 47–90). New York: Academic Press.

Conrad, R., & Hull, A. J. (1964). Information, acoustic confusion and memory span. British Journal of Psychology, 55, 429–432.

Schweppe, J., Grice, M., & Rummer, R. (2011). What models of verbal working memory can learn from phonological theory: Decomposing the phonological similarity effect. Journal of Memory and Language, 64, 256-269.

Wickelgren, W. A. (1966). Distinctive features and errors in short-term memory for English consonants. Journal of the Acoustical Society of America, 39, 388–398.

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