Universität Erfurt

Klang - Sprache - Schrift

Das visuelle Arbeitsgedächtnis beim Behalten geschriebener Sprache

Projektleiter: Ralf Rummer, Judith Schweppe

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Franziska Machleb

 

In kognitiven Modellen zum Lernen mit Multimedia (z. B. Mayer, 2009) wird angenommen, dass sich geschriebene Texte und Bilder, anders als gesprochene Texte und Bilder, im visuell-räumlichen Teilsystem des Arbeitsgedächtnisses wechselseitig stören. Alternativ ließe sich jedoch die Hypothese aufstellen, dass geschriebene Sprache basierend auf wahrnehmungsnahen Repräsentationen direkt phonologisch rekodiert wird, ohne im visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnis zwischengespeichert zu werden.

Während ältere Versionen des Mehrkomponentenmodells (z. B. Baddeley, 1986) eine Beteiligung des visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnisses am Behalten schriftlicher Sprache nicht vorsehen, wird in neueren Versionen (z. B. Baddeley, 2010) eine Beteiligung angenommen. Letztere Hypothese basiert allerdings nur auf wenigen Befunden zum visuellen Ähnlichkeitseffekt (Logie, Della Sala, Wynn & Baddeley, 2000). Bei der Wiedergabe von Buchstabenlisten (z. B. „w-s-P-K“ oder „R-L-h-d“) traten mehr Fehler hinsichtlich der Groß- und Kleinschreibung auf, wenn sich Groß- und Kleinbuchstaben ähnelten (z. B. W statt w) als wenn sie sich unterschieden (z. B. r statt R). Im Deutschen stellt sich die Situation anders dar als in diesen englischsprachigen Experimenten: Fürstenberg, Rummer und Schweppe. (2013) fanden bei der Buchstabenwiedergabe nur dann einen visuellen Ähnlichkeitseffekt, wenn das Behalten in einem phonologischen Format nicht möglich war. Eine Ursache könnten die Eigenschaften des Schriftsystems der Untersuchungssprache sein, so ist etwa die Zuordnung von Graphemen und Phonemen im Deutschen deutlich transparenter als im Englischen.

In unserem Projekt wollen wir die Annahme prüfen, dass sich die unterschiedlichen Befunde im Deutschen und Englischen mit der orthographischen Transparenz der Einzelsprachen erklären lassen. Konkret nehmen wir an, dass visuelle Arbeitsgedächtnisrepräsentationen in Sprachen mit (eher) transparenter Orthographie (z. B. Deutsch, Italienisch, Niederländisch) keine wichtige Rolle spielen, wohl aber in Sprachen mit (eher) opaker Orthographie (z. B. Englisch, Französisch).

 

Literatur

Baddeley, A. D. (1986). Working memory. Oxford, UK: Oxford University Press.

Baddeley, A. D. (2010). Working memory. Current Biology, 20, R136-R140.

Fürstenberg, A., Rummer, R. & Schweppe, J. (2013). Does visuo-spatial working memory generally contribute to immediate serial letter recall? Memory, 21, 722-731.

Logie, R. H., Della Sala, S., Wynn, V., & Baddeley, A. D. (2000). Visual similarity effects in immediate verbal serial recall. The Quarterly Journal of Experimental Psychology A: Human Experimental Psychology, 53A, 626–646.

Mayer, R. E. (2009). Multimedia learning. Cambridge, UK: Cambridge University Press.

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