Universität Erfurt

Klang - Sprache - Schrift

Sound Symbolism

Projektleiter: Ralf Rummer, David Buttelmann

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Susann Ullrich

 

Bereits seit der Antike wird darüber diskutiert, ob Wörter und ihre Bedeutung in einer rein arbiträren Relation zueinanderstehen oder ob es eine natürliche (z.B. lautmalerische) Beziehung zwischen Wörtern und ihrer Bedeutung gibt. Obwohl diese Frage in der Linguistik seit vielen Jahren als abschließend geklärt galt (z.B. mit der Arbitraritätshypothese von de Saussure, 1916), haben sich in jüngerer Zeit Zweifel an der Hypothese ergeben. In der Psychologie bestehen seit den Experimenten von Wolfgang Köhler Zweifel an dieser Arbitraritshypothese. Köhler bat seine Versuchspersonen die Pseudonamen „Takete“ und „Maluma“ einem zackigen und einem rundlicheren Objekt (ähnlich wie in Abb. 1) zuzuweisen. Dabei zeigte sich, dass mehr als 90 % der Personen das zackige Objekt mit „Takete“ und das rundlichere Objekt mit „Maluma“ benannten (Köhler, 1929). In ähnlichen Experimenten wurde gezeigt, dass die Vokale /i:/ und /e:/ besonders für kleine Objekte prädestiniert sind, während die Vokale /o:/, /u:/ und /a:/ eher auf große Objekte verweisen (Sapir, 1929; Thompson & Estes, 2011).

Abbildung 1. Beispielhafte geometrische Figuren zur Untersuchung des Kiki/Bouba-Effekts.

 

Als Erklärungsansatz hierfür eignet sich z.B. eine „partielle Synästhesie-Hypothese“, welche davon ausgeht, dass die kortikalen Bereiche, in denen die Wahrnehmungen aus den verschiedenen Sinnesmodalitäten verarbeitet werden, neuronal miteinander verbunden sind. Demnach tendieren Menschen dazu, klangliche mit visuellen Eigenschaften zu verknüpfen (auch wenn dies eher unbewusst geschieht). Diese Verknüpfung könnte eine (wenn nicht die) grundlegende Voraussetzung für die symbolische Verwendung von Lautgebilden sein (Ramachandran & Hubbard, 2001) und bei der Entstehung von Sprache eine bedeutende Rolle gespielt haben.

In unserem Projekt wollen wir zum einen zeigen, dass diese nichtarbiträre Relation zwischen Lauten und Form bzw. Größe auch bei Kleinkindern existiert (erste Evidenzen für den Formaspekt wurden bereits publiziert). Zum anderen wollen wir untersuchen, ob Tierarten, die fähig sind, Relationen zwischen Objekten und gesprochenen Wörtern zu interpretieren (etwa Hunde oder Papageien) ebenfalls soundsymbolische Präferenzen der beschriebenen Art zeigen. Für die Tests soll ein Object-Choice-Paradigma eingesetzt werden.

 

Literatur

de Saussure, F. (1916). Cours de Linguistique General. Publie par Charles Bally et Albert Schehaye avec la collaboration de Albert Riedlinge. Lausanne et Paris: Payot.

Köhler, W. (1929). Gestalt Psychology. New York, NY: Liveright. Ramachandran, V.S., and Hubbard, E.M. (2001). Synaesthesia – a window into perception, thought and language. J. Consciousness Stud., 8, 3–34.

Sapir, E. (1929). A Study in Phonetic Symbolism. J. Exp. Psychol., 12, 225–239.

Thompson, P. D., & Estes, Z. (2011). Sound symbolic naming of novel objects is a graded function. The Quarterly Journal of Experimental Psychology, 64(12), 2392-2404.

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