Universität Erfurt

Klang - Sprache - Schrift

Theory of Mind bei Kindern mit grammatischen Störungen

Projektleiter: Stephan Sallat, David Buttelmann

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Nadin Helbing

 

Sprachentwicklungsstörungen ohne erkennbare Primärbeeinträchtigung werden als umschriebene Sprachentwicklungsstörungen USES – engl. Specific language impairment SLI bezeichnet. Sie finden sich bei 5-7% der Kinder und sind damit die häufigsten Entwicklungsstörungen im Kindesalter. Die Hauptsymptome dieser Störung finden sich auf der morphologisch-syntaktischen Sprachebene (z.B. Probleme mit Wortkombinationen, fehlende Konjugation des Verbs, fehlende Einsicht in Subjekt-Verb-Kongruenz, Auslassung grammatikalischer Funktionswörter), verbunden mit Sprachverständnisproblemen. Im Vergleich dazu ist der Grundgrammatikerwerb bei typisch entwickelten Kindern mit ca. 3;6 Jahren abgeschlossen, Sätze werden vollständiger, der Erwerb der Verbflexion wird abgeschlossen, die Verbstellung im Hauptsatz (Verbzweitstellung) entspricht der Zielsprache, Vergangenheitsformen und Partizipien sowie Pluralformen werden beachtet. Unklar ist bislang, wie stark sich die geringen grammatischen Fähigkeiten der Kinder auch auf nichtsprachliche kognitive Prozesse auswirken.

Einen bedeutenden nicht-sprachlichen kognitiven Prozess stellt die Theory of Mind (ToM) dar. Damit wird die Fähigkeit, Bewusstseinsvorgänge (Gefühle, Bedürfnisse, Ideen, Absichten, Erwartungen und Meinungen) anderer Personen zu erfassen und diese in die eigene Handlungsplanung einfließen zu lassen, bezeichnet. Sie ist eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren in zwischenmenschlichen Interaktionen und speziell den Erwerb von sozial-kommunikativen Kompetenzen. Bisherige Studien zeigen starke Zusammenhänge zwischen den sprachlichen Fähigkeiten von Kindern und ihrer ToM. Der Blick auf Probanden mit beeinträchtigter Sprachentwicklung führt zur Fragestellung dieses Projektes. Wir möchten untersuchen, inwiefern durch die dysgrammatische Sprachverarbeitung das Verständnis von sprachlichen und sprachfreien Theory-of-Mind Aufgaben beeinflusst wird.

Das Projekt kann damit einerseits wichtige Hinweise auf die Denkentwicklung bei Kindern mit USES geben und andererseits zugleich helfen, die in manchen Modellen postulierte Sprachabhängigkeit der ToM zu spezifizieren.

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