Universität Erfurt

Studienschwerpunkt europäische Polytheismen

Studienschwerpunkt europäische Polytheismen

Profil des Studienschwerpunktes

Die Vorherrschaft monotheistischer Religionen in der europäischen Religionsgeschichte ist sowohl im weltweiten Vergleich als auch historisch ungewöhnlich. Häufiger treten religiöse Systeme auf, die Kulte unterschiedlicher Gottheiten vereinen. Damit stellen sich für solche Sinn- und Orientierungssysteme ganz andere Fragen der Identität und der Aussengrenzen, der Organisation und der Verbindlichkeit ihrer Deutungen. Nicht die Organisation in Kirchen, sondern die Einbettung in die politische und kulturelle Organisation antiker Städte, das Überleben als Brauchtum oder die Pflege in kleinen Zirkeln von Intellektuellen ist charakteristisch für solche Religionen, Kunst und Literatur können zu Medien ihrer Verbreitung werden. Untersucht werden diese Fragen an den Polytheismen der griechisch-römischen Antike, an ihrer bleibenden Wirkung als gedankliche Alternativen in der Folgezeit, aber auch an neu entstandenen oder aus Asien wie Amerika eingeführten polytheistischen oder nicht-theistischen Sinnsystemen der Gegenwart (religiöse Neubildungen, Esoterik). Die Wechselwirkung vor allem mit dem Christentum bleibt dabei jeweils im Blick. Im Lehrangebot sind neben geschichtlichen Überblicken die Bereiche "Ritual"; "Systematisierungsformen religiösen Denkens"; "Religiöse Neubildungen der Gegenwart" sowie "Religiöse Identität und organisierte Religion" ständig präsent.
Im Hinblick auf die europäische Geschichte sind Kenntnisse des Lateinischen oder Altgriechischen wünschenswert.

Die vier Themenschwerpunkte sind inhaltlich folgendermaßen gewichtet:

  • Der Schwerpunkt Rituale beschäftigt sich mit einem dem außenstehenden Betrachter besonders auffälligen Charakteristikum polytheistischer Religionen, nämlich deren "Haushalt" an rituellen Handlungen. Wie wird religiöses, insbesondere rituelles Handeln in polytheistischen Gesellschaften, deren Identitäten durch theologische Orthodoxien nicht oder nur schwach überformt sind, strukturiert? Inwieweit läßt es sich durch - antike wie moderne, soziologische wie ethnologische - Ritualtheorien verständlich machen?
  • Ein zweiter Themenschwerpunkt behandelt die Systematisierungsformen religiösen Denkens in polytheistischen Religionen: Diese bestehen nicht nur aus rituellen Handlungen; daneben differenzieren sich auch Reflexionsformen über Religion in Mythos, Theologie oder Philosophie aus und erreichen durch die Verschriftlichung ein neues, eigenes Publikum. Das Verhältnis dieser Reflexionsformen zur religiösen Praxis gilt es zu bestimmen.
  • Zumal im 20. Jahrhundert treten den traditionellen Formen religiöser Ausübung neue und nichteuropäische religiöse Weltbilder an die Seite. Der Themenschwerpunkt Ausdifferenzierung religiöser Optionen will sich mit dieser Entwicklung und insbesondere mit den religiösen Neubildungen der Gegenwart beschäftigen.
  • Schließlich untersucht der Schwerpunkt Religiöse Identität und organisierte Religion das Funktionieren (oder auch Nicht-Funktionieren) von Polytheismen im kulturgeschichtlichen Kontext. Wie sind diese organisiert und strukturiert? Wo liegt ihre "religiöse Identität"?

Die Einführungsveranstaltung für den Studienschwerpunkt wird jeweils in der Orientierungsphase stattfinden und exemplarisch ein antik-mediterranes polytheistisches System zum Thema haben. In der sich anschließenden Qualifizierungsphase werden die vier Themenschwerpunkte, begleitet von Veranstaltungen zur nachantiken Religionsgeschichte (Religion und Religionen von der byzantinischen Epoche bis zur Gegenwart), im Wechsel angeboten. In diesen und weiteren Veranstaltungen können die 30 von Hauptfachstudent(inn)en für den Studienschwerpunkt benötigten Leistungspunkte erworben werden.

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