Universität Erfurt

Lehrstuhl Judaistik

Promotionsprojekte

Gustav Landauer als jüdischer Intellektueller

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann

Kurzbeschreibung des Projektes: Das Promotionsprojekt versucht, Gustav Landauer (1870-1919) in der jüdischen Geistes- und Kulturgeschichte zu situieren. An Hand von beispielsweise Selbst- und Fremdzuschreiben sowie seiner Wirkungsgeschichte soll dies geschehen. Ziel der Arbeit ist es, die Spuren von Landauers Werken und Wirken zu verfolgen (frei nach Gadamer) und somit eine vorhandene, aber bisher kaum beachtete und nicht konzise beschriebene, Linie seines Lebens und Wirkens innerhalb der jüdischen Geistes- und Kulturgeschichte, freizulegen.  

 

Professur: Judaistik

Projektmitarbeiter: Sebastian Kunze M.A.

Projektbeginn: 10/2016

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Sepulkralkunst als Zeichen kultureller (Selbst)verortung. Der Jüdische Friedhof Königstraße 1611 - 1869

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann

Kurzbeschreibung des Projektes: Das Projekt untersucht die Grabsteinsymbole und damit verbundenen spezifischen regionalen Eigenheiten auf dem Jüdischen Friedhof Altona in der Königstraße. Auf diesem Gelände befinden sich heute die ursprünglich getrennten Friedhöfe der aschkenasischen und der sefardischen Gemeinde. Von den 8.475 Grabsteien sind ca. 7.600 komplett oder in Fragmenten erhalten. Die unterschiedliche Grabsteinkultur der zwischen 1611 und 1869 entstandenen Gräber weist - bei aller Distanz - auch auf die Nähe dieser jüdischen Gemeinden zueinander und zur christlichen Majorität hin. Keren Manor fragt in ihrer Arbeit nach der Selbstverortung der Juden innerhalb ihres kulturellen und gesellschaftlichen christlichen Umfelds im Spiegel der Sepulkralkunst. Anhand der Entwicklung der Symbole vom 17. bis ins 19. Jahrhundert will sie weiter der Frage nachgehen, ob in dieser Zeit ein Wandel im Selbstverständnis der Juden stattgefunden hat und welchen Ausdruck dieser gefunden hat. So zeugt zwar die Darstellung biblischer Szenen, die in Altona ausschließlich auf sefardischen Grabsteinen zu finden sind, vom Bedürfnis der Hinterbliebenen, das jüdische Erbe der Verstorbenen zu betonen. Die vor Generationen ins normative Judentum zurückgekehrten Marranen haben jedoch auch weniger „Berührungsängste“ als Aschkenasen, dieses Erbe mit üppigen Bildern von wahrscheinlich christlichen Steinmetzen nach christlichen Vorlagen illustrieren zu lassen.

Bisher wurden in einer Datenbank die erhaltenen ca. 700 Grabsteine des aschkenasischen und ca. 500 des sefardischen Teils des Friedhofs in der Königstrasse erfasst, die Symbole tragen. Dieses Vorgehen ermöglicht den Vergleich vor allem mit anderen sefardischen zeitgenössischen Friedhöfen, wie etwa dem Friedhof in Glückstadt und denen in Surinam, die auch in der Datenbank aufgenommen wurden. Erste Erkenntnisse, etwa wann bestimmte Symbole besonders häufig vorkamen, konnten bereits gewonnen werden. Die Verschlagwortung der Symbole ermöglicht weitere Vergleiche hinsichtlich regionaler Eigenheiten.

 

Professur: Judaistik

Projektmitarbeiterin: Keren Manor

Projektbeginn: 01/2013

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Structure and Function of Jewish Family Networks from Early Modern to Modern Time (The Frankfurt Community).

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann

Kurzbeschreibung des Projektes: The role that family relationships have played over the centuries in the development of Jewish Life and Livelihood.   The immigration to Frankfurt, the years of Staettigkeit there, and the emigration in the 19th century from Frankfurt.  What were the reasons for exiting the cities?   Why was Frankfurt chosen as a destination?  What caused them to stay there for a number of centuries?  How did they flourish, develop or merely survive?  How did the interrelationship of families demonstrate itself in business, local government, marriages, and place of abode?   What were the external influences of Town and State, and how did the families absorb and react to these influences?  What was the role of religion in bonding, isolating   or assimilating the families? How did the families expand their activities within, beyond the borders of, Frankfurt both before and after the coming of Napoleon?  How did the families establish themselves in foreign countries and how did this affect the relationships of the families themselves?

Professur: Judaistik
Projektmitarbeiter/-innen: Thomas Leo Schuster  B.Comm, M.B.A.
Projektbeginn: 12/2007
Projektende: 12/2012

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Entwicklung jüdischer Gemeinden in Hessen nach 1945

Projektleitung: Andreas Gotzmann

Kurzbeschreibung des Projektes: In Hessen – einschließlich des dazugehörigen linksrheinischen Teils des heutigen Bundeslandes Rheinland - Pfalz - lebten vor 1933 75.000 Juden, die sich in jüdischen Gemeinden organisiert hatten. Die überwiegende Mehrheit dieser insgesamt etwa 400 Gemeinden befand sich auf dem Land. Dieses Bild änderte sich nach 1945 grundlegend. Gemeindegründungen nach 1945, die dauerhaft Bestand hatten, fanden in hessischen Städten statt. Hier vor allem im Rhein- Main- Gebiet. Nicht nur von der Zahl der in den Gemeinden registrierten Juden her ergibt sich heute ein anderes Bild als vor 70 Jahren. Auch die Zusammensetzung und die Struktur der Gemeinden haben sich verändert. Die Gruppe der an der Neugründung der Gemeinden Beteiligten war keineswegs homogen, sondern engagierte sich aus ganz unterschiedlichen Beweggründen beim Aufbau der Gemeinden.
Da waren zum einen diejenigen, die deshalb der Vernichtung entronnen waren, weil sie - in der NS-Terminologie gesprochen - mit einem nichtjüdischen Ehepartner in „privilegierter Mischehe“ verheiratet oder „Halbjuden“ waren. Andere hatten in der Illegalität den Tag der Befreiung überlebt. Nicht zuletzt kehrten nach der Befreiung auch Überlebende der Konzentrations- und Vernichtungslager in die Gemeinden zurück.  Zu diesen Überlebenden kamen schon sehr bald die jüdischen Displaced Persons, die in der Folge des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben oder verschleppt wurden und sich bei der Befreiung in den von Alliierten besetzten Gebieten befanden. Schließlich kamen in der darauffolgenden Zeit Flüchtlinge hinzu, die vor Pogromen in ihren Heimatländern geflohen waren.
Zu diesem Spektrum von Menschen, das die erste Phase des Aufbaus, vielfach tatkräftig unterstützt von Angehörigen der US – Streitkräfte, maßgeblich prägte, stießen im Verlauf der folgenden Jahre immer neue Gruppen, die den bereits bestehenden Gemeinden beitraten und fortan Einfluss auf die Gestaltung der Gemeinden nahmen. In den frühen 50er Jahren waren dies die deutsch – jüdischen Remigranten, in den 60er Jahren Flüchtlinge aus Polen und der damaligen Tschechoslowakei, in den 70er Jahren und vor allem nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems in den 90er Jahren die sogenannten „Kontingentflüchtlinge“ aus der ehemaligen Sowjetunion

Professur: Judaistik
Projektmitarbeiter/ -innen: Christian Hestermann M.A.
Projektbeginn: 05/2003
Projektende: 00/2007

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Jüdisch-christliche Mischehen in Deutschland nach 1945

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann

Kurzbeschreibung des Projektes:
Thema: Gegenstand des Vorhabens ist die Aushandlung kultureller und religiöser Wertvorstellungen in jüdisch-christlichen Mischehen bzw. Partnerschaften. Mit Einführung der Zivilehe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland auch Ehen zwischen Juden und Christen möglich. Ihre Zahl stieg ab den 1920er Jahren sprunghaft an, nach Ende des Dritten Reiches setzte diese Entwicklung dann erneut wieder ein. Für die Gegenwart stehen keine offiziellen Zahlen zur Verfügung, Schätzungen gehen jedoch von 50-70 % der deutschen Juden aus, die mit einem nicht-jüdischen Partner verheiratet sind oder in eheähnlicher Gemeinschaft leben. Die schwierige Datenlage spiegelt die historisch belasteten Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden in Deutschland ebenso wie die religiöse Problematik des biblisch-rabbinischen Verbots der Exogamie sowie die Schwierigkeit, die in der Definition und Abgrenzung von (jüdischer) „Identität“ liegt.

Professur: Judaistik
Projektmitarbeiter/ -innen: Brigitta Scherhans, M.A.
Projektbeginn: 01/2004
Projektende: 05/2009

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Jüdische Konvertiten in der Frühen Neuzeit

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann
Kurzbeschreibung des Projektes:

Das Promotionsprojekt befasst sich im Rahmen der historischen Konversionsforschung mit der Sozial- und Kulturgeschichte jüdischer Konvertiten, die im Herzogtum Gotha (Thüringen) getauft wurden oder nach ihrer Taufe dort Aufnahme und Unterstützung fanden. Hierfür sollen vor allem handschriftliche Quellen von und über jüdische Konvertiten ausgewertet werden. Damit wird das Bild, das die Forschung bisher von den (Auto-)Biographien vorzugsweise gelehrter Konvertiten gezeichnet hat, nicht bloß um einige weitere Facetten ergänzt, sondern grundlegend verändert. An die Stelle der von theologischen Projektionen bestimmten literarischen Konstruktion tritt die Rekonstruktion des Spielraums (und dessen Grenzen), der dem Konvertiten im sozialen und kulturellen Kräftefeld der Frühen Neuzeit als handelndem Individuum offen stand. Hierfür werden jüdische Konvertiten mit und ohne akademischen Hintergrund untersucht.

Die Konversionen von Juden zum Christentum werden nicht als Einzelerscheinung betrachtet, sondern in den Kontext des frühneuzeitlichen Massenphänomens der Konversion, als Resultat gesellschaftlicher und religiöser Veränderungen und konfessioneller Konkurrenzgedanken, gestellt. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass die aus dem Herzogtum Gotha stammenden Pietisten August Hermann Francke (1663-1727) und Johann Heinrich Callenberg (1694-1760) in Halle die erste lutherische Heiden-, Moslem- und Judenmission, die so genannte Ostindienmission und das Institutum Judaicum et Muhammedicum (1728-1792), konzipierten und gründeten. Sie erhielten bereits in Gotha Impulse zur Mission von Andersgläubigen, insbesondere von Juden und zum Umgang mit jüdischen Konvertiten. Nach der Gründung des Institutum Judaicum wurden taufwillige Juden von Halle vereinzelt nach Gotha vermittelt, um sie dort auf die Taufe vorzubereiten. Aber auch unabhängig davon kam es zu weiteren Konversionen im Herzogtum, zudem gab es Kontakte zu anderen Vertretern der Mission von Juden im Heiligen Römischen Reich. Den zeitlichen Rahmen bilden die Gründung des Herzogtums Gotha 1640 und die Schließung des Institutum Judaicum in Halle im Jahr 1792.

 
Professur: Judaistik
Projektmitarbeiter/-innen: Anke Költsch (M.A.)
Projektbeginn: 05/2007
Projektende: 12/2011

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Modernisierungsdiskurse in der Publizistik der Wissenschaft des Judentums

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann

Kurzbeschreibung des Projektes: Mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert setzte für die west- und mitteleuropäischen und im Besonderen für die deutschen Juden in Folge der Säkularisierung der sie umgebenden Gesellschaften ein umfassender Modernisierungsprozess ein, dem das Aufbrechen traditioneller Strukturen folgte. Der Wille der deutschen Juden zur Emanzipation erforderte die Re-Definition jüdischer Identität. Dies führte zu einem Wandel des traditionellen Verständnisses des Judentums als Nation hin zu einem bürgerlichen Verständnis des Judentums als Religion.
Innerhalb der tief greifenden Modernisierungsdiskurse kam den Vertretern der Wissenschaft des Judentums eine zentrale Bedeutung zu. Diese geistige Bewegung entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Umfeld junger jüdischer Intellektueller, die, geschult in den Methoden der modernen Wissenschaft, einen Weg suchten, die Bedeutung des Judentums in Vergangenheit und Gegenwart zu beleuchten und zugleich aktiv die Veränderungsprozessen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft voranzutreiben. Mit Hilfe des objektiven Maßstabes der Wissenschaft versuchte man, zum einen gegen die innerhalb der deutschen Gesellschaft bestehenden Vorurteile vorzugehen und zum anderen jene Kräften innerhalb des Judentums zu überzeugen, die sich gegen die Modernisierungsbestrebungen stellten.
Ein Instrument der Propagierung der jeweiligen Positionen innerhalb dieser Diskurse war die wachsende deutsch-jüdische Presse, die im Laufe ihrer Geschichte eine Vielzahl von Publikationen mit wissenschaftlicher Ausrichtung hervorbrachte. Die Presse entwickelte sich zur Plattform für eine „diskursive Öffentlichkeit“, als Informations-, Kommunikations- und Diskussionsforum. Durch die Schaffung dieser Öffentlichkeit wurden die Diskurse selbst medialisiert. Wie sich dies im Einzelnen innerhalb der wissenschaftlichen Publizistik der deutschen Juden gestaltete, soll anhand der Betrachtung der Diskurse zu den innerjüdischen Modernisierungsprozessen untersucht werden. Zweierlei wird von diesem Promotionsvorhaben erwartet: Einerseits soll die „inhaltliche Transformation“ der Diskurse nachvollzogen werden, andererseits die in diesem Rahmen geschaffenen „kommunikativen Strukturen“ aufgezeigt werden.

Professur: Judaistik
Projektmitarbeiter/-innen: Kerstin von der Krone M.A.
Projektbeginn: 08/2006
Projektende: 01/2011

 

Weitere Information:

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