Universität Erfurt

Lehrstuhl Judaistik

Forschungsprojekte

DAAD-ISAP-Stipendien Israel

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann

Kurzbeschreibung des Projektes:
Kooperationsstipendien für Studierende der Judaistik im Rahmen des Poolantrags der von der Universität Erfurt, Lehrstuhl für Judaistik geleisteten und verwalteten für die judaistischen Einrichtungen der Universitäten FU Berlin, Univ. Göttingen, Univ. Düsseldorf, Univ. Köln, Univ. Halle, Univ. Erfurt, Univ. Frankfurt a.M., Univ. Freiburg i.Br.
 
Kooperationspartner: Hebrew University Jerusalem und Rothberg School Jerusalem, Israel
Projektbeginn: 03/2006
Projektende: 08/2007
Förderinstitutionen: Deutscher Akademischer Austauschdienst der BRD

 

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Das aschkenasische Rabbinat im Deutschland der Frühen Neuzeit (1648-1806): Rabbinische Gerichtsbarkeit

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann, Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum

Kurzbeschreibung des Projektes:
Der Antrag widmet sich der Bedeutung des Rabbinats als innerjüdisches Rechtsforum und strebt erstmals auch auf einer rechtshistorischen Datenerhebung ein klares Verständnis der unterschiedlichen Aspekte von Rechtsausübung in einer über religiöses Recht definierten Kultur an. Diese Grundlagenforschung verfolgt eine auf lokalspezifischen Analysen beruhende breite Aufarbeitung der Bedeutung und des Einflusses des deutschen Rabbinats als Rechtsforum, das über die zeremoniell-rituellen Belange im engeren Sinne hinaus tätig war. Hierbei interessieren insbesondere die aufgrund mangelnder Forschungen und Datenerschließungen letztlich immer noch unbeantworteten Fragen nach Art und Umfang jüdischer Rechtsautonomie, nach der internen Organisation der Rechtsprechung sowie spezifische rechtshistorische Fragen zu dieser, etwa zur Verhandlungsführung oder der Durchsetzungsfähigkeit rabbinischer Entscheidungen. Daneben steht der Aspekt der Stabilität eines autonomen jüdischen Rechtsraums sowie jener des Verhältnisses zur christlichen Umwelt im Rahmen gegenseitiger Rechtskonkurrenz. Die notwendigerweise mikrohistorisch angelegte und an der kulturellen Praxis orientierte vergleichende Zugangsweise bezieht sich auch im Sinne der Vergleichbarkeit mit den besonderen Forschungsschwerpunkten der Gemeinden Hamburg-Altona-Wandsbek, Würzburg-Heidingsfeld und Mannheim auf drei regional und strukturell unterschiedlich typische Bezugspunkte, was zudem ein Verallgemeinern der Forschungsergebnisse erlauben.

Projektmitarbeiter/ -innen: Dr. Monika Preuß
Kooperationspartner: Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum (Direktorin des Instituts zur Erforschung der Geschichte der deutschen Juden, Hamburg)
Projektbeginn: 10/2008
Projektende: 09/2010
Förderinstitutionen: Gerda-Henkel Stiftung

http://www.wallstein-verlag.de/9783835315327-monika-preuss-sie-koenten-klagen-wo-sie-wollten.html

 

 

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Im Gelobten Land? Die Integrationsmuster jüdischer Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion im Prozess der Eingliederung in die jüdischen Gemeinden in Deutschland (1990-2000)

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann, Prof. Dr. Doron Kiesel

Kurzbeschreibung des Projektes:
Das interdisziplinär zwischen Migrationssoziologie und jüdischer Zeitgeschichte angesiedelte Forschungsprojekt untersucht die jüdische Migration aus der ehemaligen Sowjetunion zwischen den Jahren 1990-2000, deren individuelle und gesellschaftliche Auswirkungen für die Immigranten und die sie aufnehmenden jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland.


Damit werden erstmals die spezifischen Strukturen und Konflikte der Integration jüdischer Immigranten in die jüdische Gemeinschaft der Bundesrepublik Deutschland in konzeptioneller Weise sowohl aus Sicht der Gemeinden, als auch aus der Perspektive der Zuwanderer vergleichend erfasst. Die forschungsstrategischen Überlegungen dieses Projekts liegen in dem erweiterten, präzisen Wissen um die Bedürfnisse und Erwartungen von Gemeinden und Zuwanderern.


Die Intention des Projekts ist, den jüdischen Gemeinden in Deutschland grundlegende Informationen und Handlungsanleitungen für die Bewältigung der vielfältigen Integrationsprobleme an die Hand zu geben, so dass diese Integrationsstrategien und Muster entwickeln können, die die Partizipation der Immigranten ermöglichen. Im Unterschied zu den in Deutschland bisher bekannten und ausführlich beschriebenen Migranten¬gemeinschaften sind die jüdischen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion schon bei ihrer Ankunft in der Regel beruflich qualifiziert und verfügen über ein hohes Orientierungswissen im Umgang mit den Anforderungen von Industriegesellschaften. Während die Auswanderer die Ansiedelung in der Bundesrepublik vor allem mit der Hoffnung der existenziellen Sicherung – sowohl im Hinblick auf die gesellschaftliche Anerkennung als auch in wirtschaftlicher Hinsicht – verbinden, stellen diese für die bestehenden, demographisch instabilen Gemeinden in ganz existenzieller Weise einen unverzichtbaren Zukunftsfaktor dar.


Die besondere Problematik ihrer zwar in hohem Masse säkularen und modernisierten Identität, die jedoch religiös-kulturell wenig ausgeprägt ist, erschwert die Anschlussfähigkeit im Hinblick auf die von der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland entwickelten Identitätsmuster und die daraus resultierenden Erwartungen an jüdische Zuwanderer. Die Gemeinden begrüßen und unterstützen die Zuwanderung, da diese zu ihrer Stabilisierung beiträgt. Zusätzlich bedeutet der Zuwachs an Mitgliedern sowohl innerdeutsch als auch im internationalen Rahmen eine Legitimation jüdischen Lebens in Deutschland. Ihr Interesse bleibt dabei jedoch nicht auf die quantitative Erweiterung begrenzt; vielmehr sollte die Zuwanderung auch in religiösem und kulturellem Sinn eine deutliche Stärkung der Gemeinschaft nach sich ziehen. Das Projekt dient dazu, die unterschiedlichen Erwartungen und Perspektiven beider Gruppen zu klären und herauszuarbeiten, um Wege aufzuzeigen wie im Rahmen von Eingliederungsprojekten Reibungsverluste vermindert und Identifikationsangebote bestehender jüdischer Einrichtungen und ihrer Deutungen jüdischer Existenz und Geschichte jenseits existierender Deutungsmonopole gemeinsam überdacht und möglicherweise neu formuliert werden können.


Die Antragsteller sind mit bestehenden Integrationsprojekten jüdischer Gemeinden und der ‚Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland’ eng vertraut und in diesem Rahmen bereits an der Entwicklung neuer Integrationskonzepte beteiligt.

Projektmitarbeiter/ -innen: Dr. Karen Körber, Marina Czerniwski
Kooperationspartner: Prof. Dr. Doron Kiesel (Migrationssoziologie und Interkulturelle Erziehung) Fachhochschule Erfurt
Projektbeginn: 04/2005
Projektende: 04/2007
Förderinstitutionen: Zentralrat der Juden in Deutschland

 

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Die jüdische Bevölkerung von Frankfurt am Main. Wechselwirkungen von ökonomischem und sozialem Handeln im 16.-18. Jahrhundert

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann; Prof. Dr. Michael Stolleis

Kurzbeschreibung des Projektes:
Die jüdische Gemeinde zu Frankfurt am Main besaß während der gesamten Frühneuzeit eine herausragende und prägende Stellung für das aschkenasische Judentum. Mit diesem außer Frage stehenden Befund korrespondiert dennoch bisher kaum ein entsprechendes Forschungsinteresse. Nach wie vor sind die meisten Fragen zur historischen Lebenswirklichkeit der jüdischen Bevölkerung unbeantwortet, Defizite, die mit dem geplanten Forschungsvorhaben ein Stück weit ausgeglichen werden sollen. Das Forschungsvorhaben klärt dabei erstmalig die Aspekte des engen Ineinandergreifens von wirtschaftlichem, gemeindlich-sozialem und familiärem Handeln und beschreibt damit zentrale Faktoren jüdischen kulturellen Handelns, die bislang unbeachtet blieben. Damit werden grundlegende Fragen nach der Konstitution jüdischer Gemeinden in der Frühen Neuzeit ebenso beantwortet, wie nach den Wechselwirkungen ihrer sozialen und ökonomischen Position mit den spezifischen Charakteristika jüdischer Kultur.

Projektmitarbeiter/ -innen: Dr. Cilly Kasper-Holtkotte
Kooperationspartner: Max Planck Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt a.M.; Institut für Jüdische Studien der Universität Düsseldorf; Simon Dubnow Institut Leipzig; Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main
Projektbeginn: 01/2004
Förderinstitutionen: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Weitere Information:
Kasper-Holtkotte, Cilli, Die jüdische Gemeinde von Frankfurt/Main in der Frühen Neuzeit

 

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Gelehrsamkeit und Frömmigkeit. Das aschkenasische Rabbinat in der Frühen Neuzeit

Projektleitung:  Prof. Dr. Andreas Gotzmann; Dr. Stefanie Schüler-Springorum

Kurzbeschreibung des Projektes:
Das Projekt zur deutsch-jüdischen Geschichte der Frühen Neuzeit (17.-18. Jahrhundert) befasst sich mit zentralen Fragestellungen zur kulturell-religiösen Bedeutung und zum sozialen Status der Rabbiner in den jüdischen Gemeinden der deutschen Staaten. Im Zentrum stehen grundlegende Charakteristika rabbinischer Tätigkeit im weiteren Sinne, also jenseits der spezifischen Amtsfunktionen eines Gemeinderabbinats. Mit zwei zentralen Aspekten - der Gelehrsamkeit und dem kulturellen Ideal des Talmid Chacham, des ‚gelehrten Lernenden‘, werden die breiten Tätigkeitsfelder der Mehrheit der Rabbiner, ihre Verortung und Akzeptanz in den Gemeinden untersucht.

Die geringe Forschung zum aschkenasischen Rabbinat der Frühen Neuzeit konzentrierte sich vor allem auf das Gemeinderabbinat, ohne hier auch nur wesentliche Aspekte seines Amts als Träger der internen Gerichtsbarkeit und als ein unparteiisches Gremium der Gemeinde und seiner Autorität wirklich zu klären. Hier wird in einem größeren Forschungszusammenhang zur unterschiedlichen Aspekten des Rabbinats, der Organisations- und Wahrnehmungsmuster des deutschen Judentums nach dem ‚Normalfall’ des Rabbiners gefragt, der bislang nahezu unbeachtet blieb. Diese überfälligen Korrekturen des Forschungsstandes und das Formulieren grundlegender Neuansätze zum Verständnis der Bedeutung dieser Tradenten wird hier aus der Perspektive der Jüdischen Geschichte im binnenjüdischen Vergleich angestrebt, ohne Verbindungen und Wechselwirkungen mit externen Entwicklungen zu vernachlässigen. Jenseits der an Krisenmodellen ausgerichteten Betrachtungsweisen der deutsch-jüdischen Geschichte der Frühen Neuzeit geschieht dies erstmals über eine auf lokalspezifischen Analysen beruhende Aufarbeitung der Bedeutung und des Einflusses von Rabbinern in ihrem sozialen Umfeld. Die mikrohistorisch angelegten und an der kulturellen Praxis orientierten vergleichenden Einzelstudien beziehen sich mit den Gemeinden Hamburg-Altona-Wandsbek, Würzburg-Heidingsfeld und Mannheim auf drei regional und strukturell spezifische Bezugspunkte.

Projektmitarbeiter/ -innen: Dr. Monika Preuß
Kooperationspartner: Projekt in Kooperation mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden Hamburg (Direktion: Dr. Stefanie Schüler-Springorum)
Projektbeginn: 12/2003
Projektende: 05/2006
Förderinstitutionen: Gerda Henkel Stiftung

http://www.wallstein-verlag.de/9783835301832-monika-preuss-gelehrte-juden.html

 

 

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History in a Multi-Ethnic Network: The German-Jewish-Czech Triangle (1880 - 1938)

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann; Prof. Dr. Michael Brenner; Prof. Dr. Yfaat Weiss

Kurzbeschreibung des Projektes:
Dieses interdisziplinäre Forschungsprogramm untersucht aus einer innovativen thematischen Perspektive die Wechselbeziehungen zwischen Juden und ihrer Umwelt in Zentraleuropa in einem neuen geographischen Rahmen. Während die Mehrzahl der Studien bisher Aspekte von Abgrenzung und Distanz zwischen Bevölkerungsmehrheit und Minderheit betonten, konzentriert sich dieses Forschungsprojekt auf solche des Austauschs und der Interaktion in einem multi-ethnischen Umfeld. Die Situation der Juden in den tschechischen Gebieten zwischen 1880 und 1938 dient als Fallstudie, um auf unterschiedlichen Ebenen die politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Verbindungen und Netzwerke im Kontext eines multi-ethnischen Staates zu untersuchen. Das gemeinsame Forschungsanliegen verweist auf den sich wandelnden, interaktiven Charakter ethnischer Definitionen und den Prozess des Aushandelns zwischen den politischen und sozialen Gruppen im ethnischen Dreieck von Juden, Deutschen und Tschechen und hinterfragt diese damit.

Projektmitarbeiter/ -innen:
Projektmitarbeiter (Haifa): Dimitry Schumski M.A.;
Projektmitarbeiterinnen (München): Miriam Trindl M.A., Ivana Soukalova;
Projektmitarbeiterin (Erfurt): Dr. Gabriele Zürn

Kooperationspartner: Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur, Universität München (Prof. Dr. Michael Brenner); Bucerius Institute for European History, University Haifa (Prof. Dr. Yfaat Weiss)

Projektbeginn: 01/2002
Projektende: 12/2004 – Verlängerung
Titel des Oberprogramms: Jewish History in a Multi-Ethnic Network: Förderinstitutionen: Finanziert von der German-Israeli Foundation (GIF)

 

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Von den Rechtsnormen zur Rechtspraxis. Ein neuer Zugang zur Rechtsgeschichte der Juden im Heiligen Römischen Reich?

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann, Dr. Stefan Ehrenpreis und Dr. Stephan Wendehorst

Kurzbeschreibung des Projektes:
Im Zusammenhang damit steht die internationale Forschungskonferenz "Zwischen Rechtsnorm und Rechtspraxis - Juden im Recht im Heiligen Römischen Reich" vom 15.-18. März in Leipzig (in Kooperation des Max-Plank-Instituts in Frankfurt am Main, dem Simon Dubnow-Institut an der Universität Leipzig, dem Lehrstuhl für Judaistik der Universität Erfurt)

Projektmitarbeiter/ -innen: Kooperationspartner: Projektbeginn: 01/2000
Projektende: 12/2001
Förderinstitutionen: Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte (Frankfurt/Main), dem Lehrstuhl für Judaistik an der Universität Erfurt und dem Simon-Dubnow-Institut

 

Die jüdische Gemeinde Friedberg in der Wetterau, 16. bis 18. Jahrhundert. Politisch-rechtliche, wirtschaftliche, soziale, kulturelle Stellung und Selbstverständnis von Juden in der Frühneuzeit

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Gotzmann

Kurzbeschreibung des Projektes:
Mit der Jüdischen Gemeinde Friedberg liegt der Ausnahmefall einer der wenigen nach den spätmittelalterlichen Vertreibungswellen verbliebenen urbanen Gemeinden des Heiligen Römischen Reiches der Frühneuzeit vor. Um 1600 verzeichnete sie einen  Bevölkerungsumfang von immerhin rund 500 Personen und war damit eine der größten des Reiches.


Als Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit besaß die Gemeinde Friedberg denselben Rang und Einfluss wie Prag, Frankfurt, Worms und Günzburg, was auch darin seinen Ausdruck fand, dass Friedberg 1603 zum Sitz eines der fünf zentralen rabbinischen Appellationsgerichte des Reiches bestimmt wurde. Rabbinat und Jeschiwa Friedbergs sind in ihrer Bedeutung jenen von Prag, Frankfurt, Worms gleichzusetzen, die nach wie vor als die einflussreichsten der Frühneuzeit verstandenen werden; dies gilt nicht nur im Hinblick auf ihren Einfluss auf die interne Gestaltung der Rechtsautonomie jüdischer Gemeinden, sondern auch bezüglich ihres Einflusses auf die Judenpolitik' des Reiches. Inhalte, Ausrichtungen und Auswirkungen solcher politischen Aktivitäten von Gemeinde bzw. jüdischer Bevölkerung Friedbergs sind bislang ebenso unbekannt und unerforscht, wie deren inner-gemeindliche Organisation oder ihre Gestaltungskraft in Kooperation mit den andern maßgeblichen Gemeinden des Reiches.

Die Klärung dieser grundlegenden Fragen nach der internen Verfasstheit der jüdischen Gemeinde, ihren Strukturen im Zusammenspiel unterschiedlicher Machtfaktoren der nicht-jüdischen Umwelt, aber eben auch des internen Bereichs - etwa einer herrschenden jüdischen Oberschicht im Verhältnis zur übrigen Gemeinde, im Verhältnis gegenüber anderen städtischen bzw. ländlichen Gemeinden oder des Verhältnisses der internen Machtfaktoren wie Gemeindevorstand, Rabbinat und Bruderschaften zueinander - bildet den ersten wesentlichen Schwerpunkt dieses Forschungsvorhabens. Friedberg war zudem spätestens seit Beginn des 16. Jahrhunderts für Juden offenbar ein überaus attraktiver Niederlassungsort, und zwar gleichermaßen für Handel- und Gewerbetreibende der näheren und weiteren Umgebung wie für Rabbiner und Gelehrte. Im zweiten Schwerpunkt der Untersuchung wird daher der Frage nachgegangen, welche politisch-rechtlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturell-religiösen Faktoren dazu beitrugen, dass die Friedberger Judenschaft diese Bedeutung erringen und über den Dreißigjährigen Krieg hinaus zu erhalten vermochte. Ins Blickfeld rückt damit auch die Modellwirkung, die Friedberg und seine Judenschaft innerhalb des Reiches erlangte. Es wird dabei in besonderem Maß die Analyse des Selbstverständnisses dieser Gemeinde, ihrer internen rechtlichen Verfassung und der von ihr gepflegten Beziehungsnetze innerhalb des Reiches - möglicherweise sogar darüber hinaus - sein, die das politische Agieren, letztlich aber auch die Gründe für den Bedeutungsverlust, den die Gemeinde vom späten 17. Jahrhundert an erlebte, beantworten kann.


Exemplarisch für die Geschichte frühneuzeitlicher jüdischer Gemeinden des deutschen Reiches sollen innergemeindliche Wandlungsprozesse und deren Rezeption seitens anderer Gemeinden der näheren (Gießen, Marburg, Frankfurt u.a.) und weiteren Umgebung (Wien, Prag, Worms, Burgau, Günzburg u.a.) thematisiert werden, die einen detaillierten Einblick in die Versuche bieten, innerhalb einer politisch und rechtlich weitgehend zersplitterten jüdischen Diaspora der eigenen Gemeinde, aber eben auch der Gesamtheit der deutschen Juden eigene politische und kulturelle Zusammenhänge zu schaffen.
Die hier angestrebte parallele Auswertung innerjüdischer Archivalien im Zusammenhang mit solchen behördlicher Provenienz wurde für diesen Zeitabschnitt bisher überhaupt nicht und selbst auch im weiteren zeitlichen Rahmen nur in vereinzelten Studien vorgenommen.


Die Erschließung, die Edition und die Auswertung der beiden hebräisch und jüdisch-deutschen Protokollbücher der Gemeindeleitung in Zusammenarbeit mit dem Rabbinat im Zusammenhang mit den Archivalien nicht-jüdischer Provenienz steht beispielhaft für eine bisher nicht geleistete, unverzichtbare Herangehensweise. Nicht nur hinsichtlich des grundlegenden breiten Forschungsansatzes der die Verbindung von externer und interner Perspektive sucht, sonder auch hinsichtlich der Erschließung und Edition der seltenen inner-jüdischen Dokumente soll hier ein neuer Standard für künftige Forschungen gelegt werden.

Projektmitarbeiter/ -innen: Dr. Cilli Kasper-Holtkotte, Stefan Litt M. A.
Kooperationspartner: Jewish Theological Seminary; Central Archives for the History of the Jewish People
Projektbeginn/ -ende: 2000 - 2002
Förderinstitutionen: Gerda-Henkel-Stiftung

 

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