University of Erfurt

Forschungsbibliothek Gotha

Die Schlossbibliothek von Friedrichswerth

Schloss Friedrichswerth und seine Bibliothek

Schloss Friedrichswerth in einer zeitgenössischen Abbildung (FB Gotha, Hist. 2° 2313/3, Foto Sergej Tan)

Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg ließ zwischen 1677 und 1689, 15 km nordwestlich von Gotha entfernt, eine Sommerresidenz mit Park anstelle einer alten Wasserburg errichten. Seit wann die Bibliothek bestand und wo sie im Schloss aufbewahrt wurde, ist bislang nicht bekannt. Der überlieferte Katalog legt nahe, dass sie während der Regierungszeit Herzog Augusts von Sachsen-Gotha-Altenburg (reg. von 1804-1822) verzeichnet wurde. Sie war in neun Schränken aufgestellt, die vom Buchstaben A bis Buchstaben K (außer H, I) nummeriert waren. Die Bibliothek war repräsentativ, zum großen Teil in braunes Kalbsleder, „mit gold“, gebunden. Die Bücher tragen die im Katalog verzeichneten Signaturen.

Charakter und Gliederung der Schlossbibliothek

Die Sammlung umfasste 639 Titel. Sie enthielt politische, historiographische und topographische Werke, Reiseberichte sowie Tragödien und Komödien in überwiegend französischer Sprache – Werke, die typisch sind für eine adlige Bibliothek des 18. Jahrhunderts. Ob die Bibliothek tatsächlich genutzt wurde oder als repräsentatives höfisches Attribut eines Lustschlosses einfach zur Einrichtung gehörte, ist bislang noch nicht untersucht. Immerhin war Friedrichswerth Haupttreffpunkt des zwischen 1739 und 1759 am Gothaer Hof existierenden „Ordre des Hermites de bonne humeur“, einer „profanen Variante freimaurerischer Vereinigung“ (Raschke) um Herzogin Luise Dorothea und ihre Hofdame Franziska von Buchwald.

Der Katalog der Schlossbibliothek

Typische Signatur auf einem Buchrücken der Schlossbibliothek (FB Gotha, Foto Tan)

Der Katalog der Bibliothek (FB Gotha, Chart. B 1545) gliedert sich in zwei Teile, in einen Standortkatalog und einen alphabetischen. Er wurde wahrscheinlich bei Übergabe der Bibliothek am 27. Mai 1808 von Heinrich Friedrich Christian Bertuch angefertigt. Jede Katalogseite hat zwei Spalten, die erste Spalte enthält den Titel, dessen erstes grammatisches Ordnungswort unterstrichen ist, den Verfasser des Buches sowie Druckort und –jahr. In der zweiten Spalte ist die Nummer innerhalb jedes Schrankes notiert, dessen Buchstabe von A bis K über jeder Katalogseite steht.

Verwendete Literatur

Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben, dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.

Osten, Jenny von der: Luise Dorothee. Herzogin von Sachsen-Gotha. 1732-1767. Leipzig 1893.

Patze, Hans (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 9. Stuttgart 1989.

Raschke, Bärbel: Französische Aufklärung bei Hofe: Luise Dorothea von Sachsen-Gotha (1710-1767). In: Espagne, Michel; Greiling, Werner (Hrsg.): Frankreichfreunde. Mittler des französisch-deutschen Kulturtransfers (1750-1850). Leipzig 1996, S. 23-38.

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