Universität Erfurt

Sammlung Perthes Gotha

Kartenreinigung

Ausgangssituation

Die Kartensammlung befand sich infolge unsachgemäßer Lagerung und fehlender konservatorischer Betreuung in einem Stadium fortgeschrittener Schädigung. In großem Umfang waren die Karten mit einer Schmutzschicht überzogen; hinzu kam eine gesundheitsgefährdende Feinstaubbelastung.
Um die Sammlung der Wissenschaft und Öffentlichkeit wieder verfügbar zu machen, mussten völlig neue Wege gegangen werden. Denn es war ein Massenpapierbestand zu reinigen und zu entstauben, dessen manuelle Behandlung sich als zu personal- und kostenintensiv und damit als nicht realisierbar erwies.

Lösung

In einer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Initialphase des Projektes wurde von 2006 bis 2008 in Kooperation zwischen der Universität Erfurt und den Entwicklern, Prof. Dr. Gerhard Banik (Stuttgart/Wien), Dipl.-Ing. Ernst Becker (Becker Systems GmbH Berglen) und Dipl.-Rest. Manuela Reikow-Räuchle (Remshalden), ein Modellverfahren zur Trockenreinigung eines in Papiersorten und Beschreibstoffen heterogenen Massenpapierbestandes entwickelt. Das Verfahren basiert auf der Konstruktion einer Maschine, die mit Hilfe elektrostatischer Effekte eine effektive und schonende Reinigung der mechanisch wenig belastbaren Kartenblätter gewährleistet.
Verknüpft mit der Entwicklung des Reinigungsverfahrens war die Konzeption eines Dokumentationssystems in Form einer rechnergestützten Datenbank. Das System steuert den Workflow des in mehreren Arbeitsstationen gegliederten Reinigungsganges, erfasst die Karten in den vorgefundenen Ordnungszusammenhängen sowie der wiederhergestellten historischen Ordnungssystematik und dokumentiert den Erhaltungszustand der Einzelkarte und die vorgenommenen konservatorischen Maßnahmen. Auf der Grundlage der Datenbank können der Kartenbestand verwaltet und weitere Maßnahmen der Bestandserhaltung und Erschließung, wie die Einzelblattkatalogisierung, vorbereitet werden.

Ergebnisse

Nach der Erprobungsphase des Verfahrens wurde im Juli 2008 der reguläre Reinigungsbetrieb an der Anlage aufgenommen. Das entwickelte Verfahren gewährleistet eine vollkommen fehlerfreie und schädigungslose Reinigung und Entstaubung des Kartenbestandes. Kontrollmessungen ergaben, dass die gesundheitsgefährdende Feinstaubbelastung der Karten unter die zulässigen Normen abgesenkt und die Verschmutzungen der Karten deutlich reduziert werden konnten, ohne dass optisch erkennbare Veränderungen und mechanische Schädigungen der Karten auftraten. Das Projekt wird spätestens in der ersten Jahreshälfte 2012 abgeschlossen sein. Kartenbestände, die den Reinigungsprozess durchlaufen und in das Kartenmagazin eingelagert sind, können auf Anfrage genutzt werden.

Das konservatorische Verfahren einschließlich der Kartenreinigungsanlage sind am 8. Juni 2010 der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Weiterführende Informationen zum Projekt, insbesondere zu seinem Innovationspotential und seinen Ergebnissen, bieten Ihnen

Ansprechpartner

Petra Weigel, Christian Kreienbrink

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