Universität Erfurt

Sammlung Perthes Gotha

Globalisierung und lokales Wissen

Globalisierung und lokales Wissen: Sammlungsbezogene Forschungen zum Verlag Justus Perthes

„Globalisierung und lokales Wissen: Sammlungsbezogene Forschungen zum Verlag Justus Perthes“ ist der Titel eines Pilotprojekts am Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt, das vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit Mitteln in Höhe von 300.000 Euro gefördert wird. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und soll die Forschungspotenziale der 2003 vom Freistaat Thüringen erworbenen kartografisch-geografischen „Sammlung Perthes Gotha“ erstmals umfassend aufzeigen. Darüber hinaus soll es dazu beitragen, die Bestände der Sammlung weiter zu erschließen und der Etablierung eines sogenannten eines virtuellen Kartenlabors „GlobMapLaboratory“ dienen.


Von Wissenschaft und Öffentlichkeit wird die Sammlung Perthes bisher vor allem als Kartensammlung wahrgenommen. Karten bildeten auch zweifellos das Zentrum der Produktion des Perthes Verlages, doch machte die Kartenherstellung nur einen kleinen Teil der Verlagsaktivitäten aus. Von Gotha aus wurde geografisches Wissen nicht nur kartiert, popularisiert und verkauft, Perthes war zugleich eine Institution, in der Wissen aus allen Bereichen der Geografie und Naturforschung gesammelt und in verschiedensten Medien weiterverarbeitet wurde. Schon für Zeitgenossen war Perthes kein passiver Vertriebskanal für geografische Produkte, sondern – vergleichbar mit einer Universität oder wissenschaftlichen Forschungseinrichtung – einer der wichtigsten und lebendigsten Knotenpunkte der „geografischen Gelehrtenrepublik“, vor allem des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die zentrale Stellung des Verlages in der damaligen Wissenschaftslandschaft spiegelt sich noch heute in der Sammlung Perthes wider. Als Arbeitsinstrument des Verlages finden sich in ihr neben der Kartensammlung auch bislang weniger beachtete Materialgruppen, die wie eine Kette zwischen den ersten Feldbeobachtungen und den kartografischen Endprodukten liegen: Vermessungsaufzeichnungen, Feldnotizen, Kartenskizzen, Reisetagebücher und Korrespondenzen, Arbeitstagebücher von Kartografen, Kupferplatten, Archivalien des Unternehmens wie beispielsweise Rechnungsbücher, eine umfangreiche geografische Spezialbibliothek und meterweise Loseblattsammlungen mit Detailinformationen. Jedoch wurde das in dieser Überlieferungsdichte einzigartige Zusammenspiel verschiedenster Materialgruppen von der kulturhistorischen Forschung bislang kaum wahrgenommen. Die Sammlung Perthes ist auch im internationalen Vergleich eines der wenigen Archive, das nicht universitär oder als Bibliothek, sondern betriebswirtschaftlich organisiert war und gleichzeitig als maßgeblicher Motor wissenschaftlicher Forschung wirkte. Es existiert kaum eine Vergleichssammlung, anhand derer sich Ökonomien des Wissens in einer solchen Überlieferungsdichte und -komplexität nachvollziehen lassen wie in der Gothaer Sammlung.

Das am Forschungszentrum Gotha etablierte Vorhaben soll an Fallbeispielen die einzigartig miteinander verzahnten Materialgruppen der Sammlung in ihrem Zusammenhang untersuchen und darauf aufbauend längerfristige Strategien einer innovativen sammlungsbezogenen und drittmittelbasierten Forschung entwickeln. Eng damit verknüpft wird das GlobalMapLap aufgebaut, durch das ausgewählte Materialien und Ergebnisse der Fallstudien präsentiert und Kartenbestände der Sammlung Perthes digital bereitgestellt werden. Im Ergebnis sollen das Profil des Forschungszentrums Gotha um den Schwerpunkt „Sammlungsbezogene Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Globalisierung in der Neuzeit“ erweitert, die vorhandene Infrastruktur gestärkt sowie das Kartenlabor in eine virtuelle Forschungsumgebung für netzbasiertes wissenschaftliches Arbeiten in Forschung und Lehre überführt werden. Das Projekt soll einen wichtigen Beitrag zu dem vom Freistaat Thüringen energisch vorangetriebenen Ausbau Gothas zum Barocken Universium als dem neben Kosmos Weimar zweiten kulturellen Herzstück Thüringens und zu einer überregionalen und internationalen Profilierung der wissenschaftlichen Sammlungs- und Forschungslandschaft Thüringens leisten.

 

Laufzeit
2012-2016

Projektleitung

  • Prof. Dr. Susanne Rau, Professur für die Geschichte und Kulturen der Räume in der Neuzeit
  • Dr. Petra Weigel, wissenschaftliche Referentin Sammlung Perthes

Projektförderung


Projektpartner


Projektmitarbeiter

Norman Henniges, M.A.

Dipl.-Inf. René Smolarski B.A. (für das GlobMapLap)

Präsenz des virtuellen Kartenlabors (GlobMapLab)

Ehemalige Mitarbeiter

Dr. Nils Güttler

Oliver Gondring


Workshop zum Projekt

Workshop „Sammlungsökonomien. Vom Wert wissenschaftlicher Dinge, Teil 1: Sammeln und Markt seit dem späten 18. Jahrhundert“

Der gemeinsam von Dr. Ina Heumann (Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin) und Dr. des. Nils Güttler (Forschungszentrum Gotha) organisierte Workshop fand am 21. und 22. November 2013 statt. Ziel war es, die sich in Sammlungen vermischenden epistemischen und ökonomischen Kreisläufe zu untersuchen und an Fallbeispielen aufzuzeigen, dass der Kultur- und Erkenntniswert wissenschaftlicher Dinge untrennbar mit ökonomischen Infrastrukturen verknüpft ist.


Workshop Economies of Collections and the Value of Scientific Things

Scientific collecting is a process that mobilizes and generates social, economic, political, and scientific capital. The workshop focuses on economies of collections and the value systems associated with them. As such, it draws attention to questions concerning the management, house-keeping and ordering of knowledge within collections from the late 18th century to the present.

Historically, the objects of scientific study and sciences have always been connected through marketplaces and economies. Prior to public display, scientific things used to circulate between collectors, traders, owners, and institutions. Indeed, things acquire their unique value by means of circulation. How have cultural and epistemic values of objects been linked with economic infrastructures? How did the circulation of objects shape scientific debates and what was its impact on new disciplines and institutions? How can historians come to an integrative view on processes of ordering, presenting, and marketing?

Programm | Program (pdf)

 

Tagungsbericht

Tagungsbericht Sammlungsökonomien. Vom Wert wissenschaftlicher Dinge / Economies of Collections and the Value of Scientific Thing. 21.11.2013–22.11.2013, Gotha, in: H-Soz-Kult, 09.05.2014.

Presseartikel

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