Universität Erfurt

Wissenschaft

1.1 Wissenschaft und wissenschaftliches Arbeiten

Wissenschaft ist

  • zum einen die Gesamtheit des begründeten und überprüfbaren Wissens, das zu einer bestimmten Zeit in der Menschengemeinschaft als gesichert und irrtumsfrei gilt,
  • zum anderen die Tätigkeit des Menschen, begründetes, überprüfbares, irrtumsfreies, nachvollziehbares Wissen zu erarbeiten und wieder infrage zu stellen (Forschung), dieses Wissen einschließlich seiner Grundlagen sowie den Weg zu diesem festzuhalten (Dokumentation) und es an Studierende zu vermitteln (Lehre).

Forschung, Dokumentation und Lehre erfolgen geplant, zielgerichtet und systematisch.

Wenn Du beginnst, wissenschaftlich zu arbeiten; anfängst, Dich mit dem von Dir gewählten Thema zu beschäftigen, solltest Du versuchen, zu ermitteln, welches Wissen bereits von anderen zum Thema erarbeitet worden ist. Setze Dich mit diesem vorhandenen Wissen kritisch auseinander, wähle aus, was davon für Dein Projekt das Fundament werden kann.

Der wissenschaftliche Arbeitsprozess kann in fünf Teilschritte gegliedert werden:

  1. Themenfindung,
  2. Projektplanung und Verfassen des Exposés,
  3. Durchführung (einschließlich Literaturbeschaffung und  auswertung),
  4. Anfertigung der schriftlichen Arbeit,
  5. mündliche Präsentation und Diskussion.

Da die Art und Weise, wie wir handeln, stark davon abhängig ist, welche Vorstellung wir von dem, was wir tun wollen, haben; welche Haltung wir zu dem, was wir tun wollen, einnehmen; welchen Standpunkt wir wählen, während wir agieren; welche Zielstellung wir verfolgen usw., sollten wir uns wiederholt die Fragen stellen: Was ist für uns Wissenschaft? Wie denken wir sie? Wie tun wir sie? Und diese Fragen sollten wir uns auch mehrfach selbst beantworten.

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Die W[issenschaft] befriedigt ein menschliches Grundbedürfnis: Ordnung in die Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit der Erscheinungen zu bringen. W[issenschaft] besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher, aber miteinander verbundener Praktiken oder Tätigkeitsformen, die alle dem gemeinsamen Ziel dienen, allgemeine Merkmale und gesetzmäßige Beziehungen  in einer Welt zu benennen und zu erklären, die durch Veränderung, Entwicklung und Evolution gekennzeichnet ist." (1)

(1) Jensen, Uffe Juul: Wissenschaft, in: Sandkühler, Hans Jörg (Hrsg.): Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften, Bd. 4, R – Z, Hamburg, Meiner, 1990, S. 911 – 921, dort S. 911

Wissenschaft als Forschung ist eine menschliche Tätigkeit mit dem Ziel, begründetes, überprüfbares, irrtumsfreies, nachvollziehbares Wissen zu produzieren und auch infrage zu stellen. – Doch was bedeutet das eigentlich, begründetes, überprüfbares, irrtumsfreies, nachvollziehbares Wissen?

W[issen] ist das erstrebte Resultat der Erkenntnisprozesse der Menschen [...]. W[issen] unterscheidet sich von subjektiver Meinung, Illusion und Glauben durch [...] den Gehalt adäquater Widerspiegelung der Erkenntnisobjekte in ihrer Beschaffenheit. Wenn von W[issen] die Rede ist, wird also ein Gewissheitsgrad beansprucht, der nicht nur auf subjektiver Überzeugtheit, sondern auf Nachvollziehbarkeit und Verifizierbarkeit der Behauptungen beruhen muß." (2)

(2) Thom, Martina: Wissen, in: Sandkühler, Hans Jörg (Hrsg.): Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften, Bd. 4, R – Z, Hamburg, Meiner, 1990, S. 903 – 911, dort S. 903

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"Begründet" meint, "dass der Nachweis für die Richtigkeit der Aussage[n] erbracht wird" (3). "Begründet" bedeutet auch nicht beliebig, nicht willkürlich, nicht rein subjektiv.

(3) Prechtl, Peter: Begründung, in: Prechtl, Peter (Hrsg.); Burkard, Franz-Peter (Hrsg.): Metzler-Lexikon Philosophie, Begriffe und Definitionen, 3., erweiterte und aktualisierte Aufl., Stuttgart, Metzler, 2008, S. 67 – 69, dort S. 67

"Überprüfbar" meint: Aussagen werden belegt, das verwendete Material wird im Quellenverzeichnis aufgeführt, das Forschungsprojekt einschließlich der Ergebnisse und Voraussetzungen wird dokumentiert, offengelegt und erläutert, das Projekt wird nicht verschleiert, sondern klar dargestellt.

"Irrtumsfrei" meint: Das Abbild ist dem Sosein des Untersuchten adäquat. Die Aussagen/Formulierungen enthalten zulässige Verallgemeinerungen, sind also nicht falsch. Das geschaffene Abbild hat eine bestimmte Zeit Gültigkeit, ohne dass es dabei in irgendeiner Weise manipuliert ist.

"Nachvollziehbar" meint: Das Forschungsprojekt einschließlich der Ergebnisse und Voraussetzungen wird schriftlich und/oder mündlich so dargestellt, dass es von den Mitgliedern der Wissenschaftsgemeinschaft verstanden, somit geistig und auch praktisch wiederholt werden kann. Die gängige Terminologie der jeweiligen Wissenschaft muss dabei verwendet und kann dabei weiterentwickelt werden.

Wissenschaft ist eine Erkenntnisziele verfolgende bzw. Problemstellungen lösende Tätigkeit der Menschen, bei der durch geeignete Untersuchungsmethoden irrtumsfreie Abbilder vom Untersuchungsgegenstand erarbeitet werden sollen. Die entstehenden Abbilder sollen der Tatsächlichkeit des Untersuchten nahekommen oder diese sogar exakt widerspiegeln.

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Zum Weiterdenken: Wissenschaft ist ...

Wissenschaft, Bezeichnung für eine Lebens- und Weltorientierung, die auf eine spezielle, meist berufsmäßig ausgeübte Begründungspraxis angewiesen ist und insofern über das jedermann verfügbare Alltagswissen hinausgeht, ferner die Tätigkeit, die das wissenschaftliche Wissen produziert. W[issenschaft] heißt auch jede aus der W[issenschaft] im genannten Sinne ausdifferenzierbare Teilpraxis, sofern diese durch einen bestimmten Phänomen- oder Problembereich definiert ist." (4)

(4) Kambartel, Friedrich: Wissenschaft, in: Mittelstraß, Jürgen (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 4, Sp – Z, Stuttgart, Metzler, 1996, S. 719 – 721, dort S. 719

In der Antike wurde die Wissenschaft/Kenntnis/Einsicht (scientia) von der Meinung/Vermutung (opinio) und von der Technik/dem Handwerk/der Kunst(fertigkeit)/Geschicklichkeit (ars) unterschieden. (5)

(5) Vgl. Kambartel, Friedrich: Wissenschaft, in: Mittelstraß, Jürgen (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 4, Sp – Z, Stuttgart, Metzler, 1996, S. 719 – 721, dort S. 719

Wissenschaft ist jede method[isch] geleitete, auf intersubjektive Verständigung gerichtete Untersuchung von Gegenständen, die diese Gegenstände – bezogen auf die gegebene oder mögl[iche] log[ische] Ordnung sie betreffender Aussagen – systemat[isch] beschreibt und, wenn mögl[ich], umfassend erklärt oder versteht (Erkennen). W[issenschaft] ist heute Gegenstand bes[onders] intensiver Diskussionen. Einmal erscheint der Einfluß der Naturw[issenschaft]en auf die anderen W[issenschaft]en und die Lebenswelt problematisch, zum anderen ist das method[ische] Selbstverständnis von W[issenschaft] vor allem durch die krit[ische] Thematisierung ihrer Praxis und Geschichte fragl[ich] geworden." (6)

(6) Göbel, Wolfgang: Wissenschaft, in: Drehsen, Volker (Hrsg.); Häring, Hermann (Hrsg.); Kuschel, Karl-Josef (Hrsg.); Siemers, Helge (Hrsg.): Wörterbuch des Christentums, Gütersloh, Gütersloher Verl.-Haus Mohn, 1988, Sp. 1368 – 1369, dort Sp. 1368

Wissenschaft, das Vordringen zu den Begründungszusammenhängen eines zu erkennenden  Gegenstandes, das 1. im vorhinein diesen Gegenstand einem bestimmten Sachgebiet zuordnet u[nd] damit zugleich nicht nur  ihn als diesen einzelnen, sondern die Begründungszusammenhänge dieses ganzen Sachgebietes an ihm erkennen will, 2. sich über die Art u[nd] Weise seines Vorgehens in diesem Sachgebiet selbst Rechenschaft gibt u[nd] diese Art u[nd] Weise an der Eigenart des jeweiligen Sachgebietes ausrichtet. (7)

(7) Halder, Alois; Müller, Max: Wissenschaft, in: Halder, Alois; Müller, Max: Philosophisches Wörterbuch, erweiterte Neuausgabe, Neubearbeitung des unter Mitarbeit von Hans Brockard, Severin Müller und Wolfgang Welsch hrsg. "Kleinen philosophischen Wörterbuchs", 3. Aufl., Freiburg, Herder, 1997 (Herder Spektrum, Bd. 4151), S. 348 - 352, dort S. 348

Wissenschaft, die rationale, operable und lehrbare Gesamtdarstellung aller Einzelerkenntnisse eines definierbaren Gegenstandsbereichs mit dem Ziel steter Wissensvermehrung, -erweiterung und -korrektur. Einzelwissenschaften werden durch ihren Gegenstandsbereich definiert. Dementsprechend muss man Natur- und Geisteswissenschaften unterscheiden. W[issenschaft] wird abgegrenzt von Mythos, Kunst und Religion, Meinen und Glauben. Neben der theoretischen Erklärung von Wirklichkeitszusammenhängen gelten die empirische Bestätigung einer wissenschaftlichen Theorie und die prinzipielle Reproduzierbarkeit der Ergebnisse als grundlegende Kriterien für strenge Wissenschaftlichkeit. (8)

(8) Hardy, Jörg: Wissenschaft, in: Prechtl, Peter (Hrsg.); Burkard, Franz-Peter (Hrsg.): Metzler-Lexikon Philosophie, Begriffe und Definitionen, 3., erweiterte und aktualisierte Aufl., Stuttgart, Metzler, 2008, S. 684 – 686, dort S. 684

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1.2 Merkmale wissenschaftlicher Texte

  • Das wissenschaftliche Thema wird genannt.
  • Der Untersuchungsgegenstand wird genannt, definiert und erläutert.
  • Das Erkenntnisziel wird offengelegt.
  • Die Forschungsmethoden werden genannt und beschrieben.
  • Das Vorwissen und die Projektausgangslage werden skizziert.
  • Die aus dem Thema erwachsenden Hauptbegriffe werden definiert.
  • Die Konzepte, Ideen, Modelle, Theorien usw., die für das Thema eine zentrale Rolle spielen, werden erläutert.
  • Die durch das wissenschaftliche Vorgehen gewonnenen Arbeitsergebnisse werden sachlich dargestellt.
  • Die Textabschnitte folgen logisch aufeinander.
  • Die eigene wissenschaftliche Denkweise und die Basis für diese wird offengelegt.
  • Aussagen anderer werden korrekt zitiert. Die Zitate sind gekennzeichnet und belegt.
  • Das verwendete Material wird angegeben. Ein Literatur-/Quellenverzeichnis ist vorhanden.
  • Der Autor bzw. die Autorin gibt sich zu erkennen. Er/Sie nennt seinen/ihren Vor- und Nachnamen.
  • Die Herkunft der Abbildungen und das auf den Abbildungen zu Sehende wird genannt.

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1.3 Wie entsteht irrtumsfreies Wissen?

Irrtumsfreies Wissen entsteht unter anderem dadurch, dass wir

  • vorhandenes Wissen kritisch prüfen und hinterfragen,
  • vorhandenes Wissen unter einem bestimmten neuen Gesichtspunkt zusammenfassen,
  • ein wissenschaftliches Problem erkennen und lösen wollen,
  • einen Untersuchungsgegenstand wählen, etwas über diesen herausbekommen wollen (somit ein Erkenntnisziel formulieren) und geeignete Untersuchungsmethoden anwenden,
  • Primärquellen auswählen und untersuchen,
  • empirisch forschen (beobachten, befragen, experimentieren), also zielgerichtet Daten mit einem oder mehreren unserer fünf Sinne erheben (hören, sehen, schmecken, tasten, riechen),
  • aus unserer Lebenspraxis erwachsende Probleme lösen und den Lösungsweg und seine Grundlagen sowie die Lösung selbst dokumentieren und kritisch hinterfragen,
  • philosophieren und theoretisieren,
  • schlussfolgern und abstrahieren,
  • Zusammenhänge erklären,
  • Untersuchungsgegenstände miteinander vergleichen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten,
  • Erscheinungen zeitlich ordnen und Chronologien erarbeiten,
  • zunächst sachlich beschreiben und nicht sofort interpretieren,
  • in mehreren wissenschaftlichen Texten über unser Thema nachlesen und nicht nur einen einzigen Fachtext nutzen,
  • wissenschaftliche Veröffentlichungen für unser Projekt nutzen.

Welche Verfahren würdest Du ergänzen? Welche Verfahren sind Dir aus dem wissenschaftlichen Unterricht am Gymnasium bekannt?

Beachte: Irrtumsfreies Wissen wird auf der Grundlage von Vorwissen erarbeitet. Das Vorwissen ist das zum Thema bereits vorhandene Wissen. Du setzt Dich mit diesem Vorwissen auseinander, eignest es Dir an, prüfst es kritisch und wählst aus diesem das aus, was für die Bearbeitung Deiner wissenschaftlichen Problemstellung notwendig ist.

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1.4 Wissenschaftliche Einrichtungen

Forschungsstätten
Tätigkeit: Forschen
Beispiele: Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsabteilungen von Unternehmen
Konkret: Universität Erfurt

Lehrstätten
Tätigkeit: Lehren (Die Studentinnen und Studenten, die an diesen Einrichtungen eingeschrieben sind, studieren.)
Beispiele: Universitäten, Fachhochschulen
Konkret: Universität Erfurt

Dokumentationseinrichtungen
Tätigkeit: Dokumentieren (Sammeln, Verzeichnen, Erschließen), um Forschung und Lehre zu unterstützen
Beispiele: Bibliotheken, Archive, Museen, Informations-/Dokumentationsstellen
Konkret: UFB Erfurt/Gotha, Stadtarchiv Erfurt, Angermuseum Erfurt, Statistisches Bundesamt

Wissenschaftsverlage
Tätigkeiten: Publizieren; wissenschaftliche Arbeitsergebnisse veröffentlichen
Beispiele: Verlage
Konkret: Springer-Verlag, Heidelberg; Walter de Gruyter, Berlin

Einrichtungen der Wissenschaftsförderung
Tätigkeit: Zuweisen von Forschungsgeldern, Stipendien, Preisen; Entwickeln der Wissenschaftsinfrastruktur; Organisieren von wissenschaftlichen Kongressen und Tagungen; Anregen von Forschungsvorhaben
Beispiele: Stiftungen, Akademien, Vereinigungen
Konkret: Deutsche Forschungsgemeinschaft, Jugend forscht

Einrichtungen der Wissenschaftsanwendung
Tätigkeiten: Anwenden wissenschaftlicher Erkenntnisse und Verfahren in täglichen Arbeitssituationen (in der Praxis)
Beispiele: Schulen, Krankenhäuser, Unternehmen, Ingenieurbüros, Beratungsstellen
Konkret: Salzmannschule Schnepfenthal, Helios Klinikum Erfurt, Pro Familia, Caritasverband für das Bistum Erfurt e. V., Diakonie Mitteldeutschland, Jenoptik Jena

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An den Lehr- und Forschungsstätten findest Du Personen, mit denen Du über Dein Seminarfachprojekt fachlich diskutieren könntest. Bei diesen Einrichtungen könntest Du auch erfragen, ob jemand bereit ist, Dein Projekt als Außenbetreuer_in zu begleiten.

Die Dokumentationseinrichtungen sind für Dich besonders wichtig, sammeln, verzeichnen, erschließen und vermitteln sie doch Informationen und Materialien, auf deren Grundlage bzw. mit deren Hilfe Du das Erkenntnisziel Deines Forschungsprojekts erreichen könntest. Insbesondere die wissenschaftliche Sekundärliteratur über das von Dir gewählte Thema solltest Du Dir in Bibliotheken beschaffen. Werte die Literatur gründlich aus. – Wenn Du eine Quellen untersuchende Arbeit schreibst, benötigst Du die entsprechenden Primärquellen. Diese kannst Du u. a. in Bibliotheken, Archiven und/oder Museen finden. – Informations- und Dokumentationsstellen speichern und vermitteln Daten; das können statistische, Produkt-, biographische und noch andere Daten sein.

Solltest Du eine angewandte wissenschaftliche Arbeit schreiben, so nimm unbedingt Kontakt mit einer oder mehreren Einrichtungen auf, die wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis umsetzen. Wenn Du Dich z. B. mit Fragen der Präsentation Bildender Kunst in Kunstmuseen beschäftigst (dies ist eine kunstwissenschaftliche und museologische Frage), könntest Du Dich z. B. an ein Kunstmuseum wenden. Wenn Dich hingegen die Konstruktion von Brücken interessiert, könntest Du Kontakt mit einem Ingenieurbüro aufnehmen. Wenn Dich die Frage interessiert, wie man schwerstkranke Menschen begleiten sollte, könntest Du z. B. mit einem Krankenhaus, mit einem palliativmedizinischen Zentrum und/oder einer Organisation/Gesellschaft, die Schwerstkranke begleitet, Kontakt aufnehmen.

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1.5 Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden als Kurz- und als Langtexte veröffentlicht.

Oft werden sehr spezielle Themen zuerst in Kurztexten veröffentlicht: Kurztexte sind Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften und in wissenschaftlichen Büchern (sogenannten Sammelwerken) oder Texte auf HTML-Seiten. Die wissenschaftlichen Zeitschriften und Bücher können gedruckt oder elektronisch veröffentlicht worden sein.

Spezielle Erkenntnisse werden später in Langtexten zusammengeführt. Breitere Themen werden als Langtexte veröffentlicht. Langtexte sind von einzelnen Wissenschaftlern bzw. Wissenschaftlerinnen geschriebene Bücher (sogenannte Monographien). Diese können gedruckt oder elektronisch veröffentlicht worden sein.

Zumeist werden wissenschaftliche Erkenntnisse nach einer gewissen Zeit in einem Referenz- bzw. Nachschlagewerk zusammengefasst, um Lehrenden, Studierenden und Forschenden einen Überblick über den derzeitigen Wissensstand zu geben. Derartige Werke sind z. B. Lexika, Handbücher und Enzyklopädien.

Eine spezielle Gruppe der wissenschaftlichen Veröffentlichungen bilden die Lehrbücher und Einführungen. Hier handelt es sich um Zusammenfassungen zu Lehr- und Studienzwecken.

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Die Wissenschaften haben zahlreiche unterschiedliche Publikationsarten hervorgebracht, so gibt es z. B.:

  • Fachbücher,
  • wissenschaftliche Zeitschriften,
  • Lexika,
  • Wörterbücher,
  • Reader,
  • Lehrbücher,
  • Werkausgaben,
  • Werkverzeichnisse,
  • Biographien,
  • Bibliographien,
  • Briefausgaben,
  • Übersetzungen,
  • Dissertationen,
  • Statistiken,
  • Atlanten,
  • Formelsammlungen,
  • Zeittafeln,
  • Ausstellungskataloge,
  • Kongressbände,
  • Opernführer.

Wollte man die wissenschaftlichen Publikationen gliedern, könnte man zu folgender Übersicht kommen:

  1. Wissenschaftliche Erkenntnisse (erstmals) veröffentlichende, darstellende Werke
    Beispiele: Fachbücher, Fachaufsätze, Kongressbände, Ausstellungskataloge, Dissertationen
  2. Zusammenfassende Werke
    1. Wissenschaftliche Erkenntnisse bündelnde Werke
      Beispiele: Lexika, Handbücher, Enzyklopädien, Lehrbücher, Einführungen
    2. Primärquellen zusammenstellende Werke
      Beispiele: Briefausgaben, Werkausgaben
    3. Sekundärquellen (wissenschaftliche Haupttexte) zusammenstellende Werke
      Beispiel: Reader
    4. Für Forschungs-, Lehr- und Studienzwecke Daten zusammenstellende Werke
      Beispiele: Bibliographien, Konkordanzen, Adressverzeichnisse, Formelsammlungen

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Auch wird zwischen  bibliographisch selbstständigen und bibliographisch unselbstständigen Veröffentlichungen unterschieden. Es ist wichtig, von dieser Unterscheidung zu wissen, weil die Art der Veröffentlichung (nämlich, ob sie bibliographisch selbständig oder unselbständig ist), Auswirkungen darauf hat, wie diese Veröffentlichungen verzeichnet und recherchiert werden.

Als bibliographisch selbstständig werden alle Publikationen bezeichnet, die separat publiziert wurden, somit nicht innerhalb einer anderen Veröffentlichung erschienen sind. Bibliographisch selbstständig erscheinen z. B. Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Video-DVDs, Notendrucke.

Als bibliographisch unselbstständig werden alle Veröffentlichungen bezeichnet, die nicht separat existieren, sondern die innerhalb einer bibliographisch selbstständigen Publikation erschienen sind. Bibliographisch unselbstständig erscheinen somit Aufsätze, Artikel und andere Veröffentlichungen innerhalb von Büchern, Zeitschriften, Zeitungen, Video-DVDs, Notendrucken usw.

Wenn Du bibliographisch unselbstständig erschienene Werke zitierst bzw. im Literatur-/Quellenverzeichnis anführst, ist es erforderlich, dass Du auch angibst, worin das Unselbstständige erschienen ist. Somit würde die bibliographische Beschreibung wie folgt aussehen („in:“ meint dabei „erschienen in“):

Daten des bibliographisch unselbstständigen Werkes, in: Daten des bibliographisch selbstständigen Werkes

Beispiel (ein Aufsatz aus einem Buch, und zwar ein Artikel aus einem Lexikon):

Wolz-Gottwald, Eckard: Mystik, in: Prechtl, Peter (Hrsg.); Burkard, Franz-Peter (Hrsg.): Metzler-Lexikon Philosophie, Begriffe und Definitionen, 3., erweiterte und aktualisierte Aufl., Stuttgart, Metzler, 2008, S. 396 – 397

Nur wenige Bibliothekskataloge zeigen auch bibliographisch unselbstständige Werke an. Insofern ist es erforderlich, dass Du in Bibliothekskatalogen nicht nach dem Autor bzw. Titel des Aufsatzes/Artikels suchst, sondern dass Du mit den Daten des bibliographisch selbstständigen Werkes suchst.

Stell Dir vor, Du findest in einem Literaturverzeichnis einer wissenschaftlichen Veröffentlichung folgenden Eintrag. Du entscheidest Dich dafür, genau das zu lesen:

Wolz-Gottwald, Eckard: Mystik, in: Prechtl, Peter (Hrsg.); Burkard, Franz-Peter (Hrsg.): Metzler-Lexikon Philosophie, Begriffe und Definitionen, 3., erweiterte und aktualisierte Aufl., Stuttgart, Metzler, 2008, S. 396 – 397

Im Online-Katalog der UFB Erfurt/Gotha würdest Du diese Veröffentlichung finden, indem Du das bibiographisch selbstständige Werk suchst. Geeignete Suchwörter sind somit: Prechtl, Peter, Burkard, Franz-Peter, Metzler, Lexikon, Philosophie, Begriffe, Definitionen, Stuttgart.

Würdest Du hingegen nach dem Aufsatzautor und dem Aufsatztitel (also: Wolz-Gottwald, Eckard, Mystik) suchen, würdest Du nicht fündig.

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Impulse

  1. Schlage in drei Lexika nach, was Wissenschaft ist! Schreibe die Merkmale auf, die dort jeweils genannt werden. Zitiere die drei verwendeten Lexikoneinträge korrekt. Welche der dort genannten Merkmale erachtest Du als die wichtigsten? Schreibe eine Definition: "Wissenschaft ist ..."
  2. Wähle einen wissenschaftlichen Text und begründe, warum Du ihn zu den wissenschaftlichen zählst!
  3. Frage fünf Menschen, die Du kennst, danach, wie sie es anstellen, irrtumsfreies Wissen zu erarbeiten. Vergleiche ihre Antworten mit Deinen Antworten!
  4. Warum ist die Tageszeitung keine wissenschaftliche Sekundärquelle, wohl aber eine Primärquelle? Für welche Fragestellungen könnte man sie als Primärquelle heranziehen?
  5. Ermittle im World Wide Web die Internetadresse einer Universität, einer Bibliothek, eines Archivs und eines Museums! Welche Informationen und Services bietet die jeweilige Internetseite?
  6. Suche zwei gedruckte und zwei elektronische wissenschaftliche Veröffentlichungen heraus! Beschreibe eine jede! Welche Art von Veröffentlichung liegt jeweils vor?
  7. In einem Literaturverzeichnis findest Du folgenden Eintrag:

    Wolz-Gottwald, Eckard: Mystik, in: Prechtl, Peter (Hrsg.); Burkard, Franz-Peter (Hrsg.): Metzler-Lexikon Philosophie, Begriffe und Definitionen, 3., erweiterte und aktualisierte Aufl., Stuttgart, Metzler, 2008, S. 396 – 397

    Du möchtest den Aufsatz lesen. Ermittle, ob Du den Aufsatz in der UB Erfurt bekommen kannst! Unter welcher Signatur steht das Buch, in welchem der Aufsatz erschienen ist?

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