Universität Erfurt

Definieren

Verständigung ermöglichen: Den Untersuchungsgegenstand und weitere Hauptbegriffe definieren

Wenn Du Deine erste thematische Idee für die Seminarfacharbeit notierst, operierst Du bereits mit Begriffen. Vielleicht wird Dir das nicht gleich bewusst sein, doch spätestens dann, wenn Deine Mitschülerinnen und Mitschüler oder Deine Lehrerinnen und Lehrer Dich fragen, was Du mit "X" meinst oder unter "Y" verstehst, wirst Du auf Begriffe hingewiesen, die Du verwendet, jedoch noch nicht klar genug umrissen hast.

Wenn Du z. B. eine Arbeit über "Schönheitsideale" schreiben möchtest, wirst Du mitteilen müssen, was Du unter einem "Schönheitsideal" verstehst. Hier wäre auch zu klären: Was ist „Schönheit“ und was ist ein „Ideal“?

Definiere in Deiner Seminarfacharbeit den Untersuchungsgegenstand und alle weiteren in Deinem Thema enthaltenen bzw. mit diesem unmittelbar im Zusammenhang stehenden Begriffe. Auf diese Weise schaffst Du eine Verständigungsbasis. Die Leserinnen und Leser Deiner Arbeit erfahren, was Du worunter verstehst, und können ihre eigenen begrifflichen Vorstellungen mit Deinen abgleichen, um sich nun auf Deine Ausführungen einzulassen und diesen gedanklich nachzufolgen.

Wenn Du definierst, solltest Du zuerst das, was Du definieren möchtest, nennen. Als zweites folgt die Erläuterung.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Definition zu formulieren:

  1. Du drückst durch ein anderes Wort das Begriffene aus.
    Definition 1: "Membranophone (Fellklinger)". [Membranophone sind Fellklinger.]
  2. Du teilst mit, welche Elemente zum Begriff gehören. Du nennst Unterbegriffe.
    Definition 2: "Membranophone (Fellklinger): Trommeln und Pauken." [Membranophone sind Trommeln und Pauken. Oder: Zu den Membranophonen gehören die Trommeln und Pauken.]
  3. Du teilst mit, was etwas ist, führst die Merkmale auf, die für den Begriff wesentlich sind.
    Definition 3a: "Membranophone (griech. membrana, Haut) benutzen zur Tonerzeugung eine gespannte Membran aus Pergament, (Kalb-)Fell oder Kunststoff, die durch Schlagen (Schlagtrommeln), Reiben (Reibtrommeln) oder Luftstrom (Mirlitons [Blastrommeln]) zum Schwingen gebracht wird.“
    Bei dieser Art, zu definieren, kannst Du auf einen Oberbegriff verweisen, dann die einschränkenden, abgrenzenden Merkmale nennen.
    Definition 3b: Membranophone sind Instrumente, die der Ton- (bzw. physikalisch gesprochen) Klangerzeugung dienen. Diese Musikinstrumente sind so konstruiert, dass eine gespannte Membran (ein Stück Pergament, ein Fell oder ein anderes "Haut"-Material) durch Schlagen, Reiben oder Blasen zum Schwingen gebracht wird.

Definition 3b vgl. Michels, Ulrich: DTV-Atlas zur Musik, Tafeln und Texte, Bd. 1, Systematischer Teil, Historischer Teil: Von den Anfängen bis zur Renaissance, Originalausgabe, 16. Aufl., 391. bis 405. Tausend, gemeinschaftliche Ausgabe, München, Deutscher Taschenbuch-Verl., 1995 (DTV, 3022), S. 25 und 33. Definitionen 1 und 2 a. a. O., S. 25. Definition 3a a. a. O., S. 33

Du könntest auch nach dem ausschließenden Prinzip definieren. In diesem Falle würdest Du sagen, was etwas nicht ist.

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Was in der Seminarfacharbeit unbedingt definiert werden sollte (Beispielthema "Salsa - eine Kommunikationsform")

Du entscheidest Dich für das Thema "Salsa – eine Kommunikationsform". Dein Untersuchungsgegenstand ist der Gesellschaftstanz "Salsa" als "Kommunikationsform". Du definierst, was "Salsa" ist und was Du unter "Kommunikation" sowie einer "Kommunikationsform" verstehst. Neben "Salsa", "Kommunikation" und "Kommunikationsform" könnten  "nonverbale Kommunikation", "Tanz", "Gesellschaftstanz", "lateinamerikanische Tänze", "Charakteristik eines Gesellschaftstanzes", "Monolog", "Dialog", "Sender", "Empfänger", "Bewegung", "Tanzschritt", "Schrittmuster" und "Bewegungsmuster" weitere Hauptbegriffe sein, welche sich aus dem Thema ergeben.

Der Untersuchungsgegenstand muss immer definiert werden.

Die Hauptbegriffe sollten immer dann definiert werden, wenn ein Offenlassen des Begriffes (meint, dass der Begriff nicht definiert wird) zu einer enormen Deutungsvielfalt des Geschriebenen, zu inhaltlichen Ungenauigkeiten, zu Irrtümern im Text und auch zu Missverständnissen bei den Lesenden führen würde. Gerade solche Ungenauigkeiten und Irrtümer soll ja ein wissenschaftlicher Text umgehen, weshalb alle Begriffe, die die zentralen Konstrukte des wissenschaftlichen Textes ausmachen und das logische Fortschreiten des Textes garantieren, definiert werden müssen. Entweder definierst Du explizit, d. h., Du schreibst die Definitionen in Deiner Seminarfacharbeit nieder. Oder Du definierst implizit, d. h., Du machst Dir den Begriff vor dem Verfassen des Textes klar und deutlich, schreibst jedoch die Definition nicht direkt in der Seminarfacharbeit nieder. So erschließt sich die Definition, die Du zugrunde gelegt hast, aus dem, was Du ansonsten in Deiner Seminarfacharbeit schreibst. Auf jeden Fall bist Du Dir auch beim "impliziten Definieren" über die Begriffsdefinition und Verwendung des Begriffs selbst im Klaren.

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Impulse

  1. Schlag nach, was man in der Medizin unter "Arterie", "Vene", "Embryo" und "Ätiologie" versteht! Notiere die Merkmale, die jeweils in den Definitionen genannt werden und das jeweilige ausmachen!
  2. Wenn Du die wissenschaftliche Literatur, die zu einem Thema erschienen ist, aufmerksam liest, wirst Du rasch bemerken, dass die Autorinnen und Autoren zahlreiche Fachbegriffe benutzen. Würdest Du Dich z. B. mit dem Leben und Werk des Künstlers Henri Matisse (1869 – 1954) auseinandersetzen, könntest Du auf folgende Begriffe stoßen: "Realismus", "Impressionismus", "Fauvismus", "Stil", "Orientalismus".  Wähle einen der Begriffe und kläre mit Hilfe mehrerer geeigneter Nachschlagewerke seine Bedeutung! Schreibe eine kurze Definition!
  3. Definiere den Untersuchungsgegenstand Deiner Seminarfacharbeit!
  4. Nenne die Hauptbegriffe Deines Seminarfachthemas! Definiere sie!
  5. Lies einige grundlegende wissenschaftliche Texte zu Deinem Thema, u. a. auch Artikel aus Lexika. Welche zentralen Begriffe fallen Dir auf, die mit Deinem Thema verbunden sind?

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