Universität Erfurt

Planen/Organisieren/Vorbereiten

"Noch zu erledigen!"

Ein Beispiel zuerst:

Stell Dir vor, Du möchtest Dich mit dem Thema "'Gutes' Benehmen" beschäftigen. Du entscheidest Dich für eine Quellen untersuchende Arbeit. Du möchtest deutschsprachige Benimmbücher (Regelbücher) auswerten, die in diesem oder im vergangenen Jahr erschienen, also ganz aktuell sind. Es sind nur noch zwei Wochen bis zur Abgabe der Seminarfacharbeit Zeit. Du gehst in die UB Erfurt, damit Dir die Leute von der Informationstheke beim Heraussuchen der Benimmbücher helfen sollen. An der Informationstheke sagst Du, dass Du Benimmbücher bräuchtest. Der Bibliothekar oder die Bibliothekarin fragen Dich, wann die Ratgeber zum Thema "Umgangsformen/Etikette" erschienen, ob sie in deutscher Sprache geschrieben, ob sie allgemein gehalten oder auf einen bestimmten Lebensbereich (z. B. tägliche Arbeit) oder auf ein bestimmtes Geschlecht (z. B. für Frauen) spezialisiert sein sollen. Du sagst genau, was Du brauchst. Bei der Recherche  stellt sich heraus, dass in der UFB Erfurt/Gotha nur ganz wenige Ratgeber vorhanden sind, die exakt so zu Deinem Projekt passen, wie Du sie erwartet hast. Die Suche im Katalog der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt ergibt, dass dort keine weiteren passenden Werke existieren. Somit müsste nun geschaut werden, welche anderen Bibliotheken in Deutschland passendes Material besitzen. Dieses könnte dann via Fernleihe bestellt werden. Es dauert jedoch ca. 2 bis 3 Wochen, bis ein via Fernleihe angefordertes Buch in der UB Erfurt eintrifft. Da Du Deine Seminarfacharbeit aber in genau zwei Wochen abzugeben hast, kommen Fernleihbestellungen nicht mehr in Frage, obwohl im Fernleihkatalog passendes Material angezeigt worden ist.

Es ergibt sich jetzt das Problem, in aller Schnelle das Thema so zu verändern, dass es sich in der Kürze der verbleibenden Zeit mit Hilfe der in Erfurt vorhandenen Literatur einigermaßen ordentlich bearbeiten lässt.

Wo lag der Fehler im soeben vorgetragenen Beispiel?

Die Schülerin bzw. der Schüler hat viel zu spät mit der Projektumsetzung begonnen. Zu Projektbeginn wurde die Literaturlage nicht geprüft, das Thema nicht ins Verhältnis zur Literaturlage gesetzt und literaturabhängig entwickelt, man hat sich über die Literaturbeschaffungswege und -zeiten nicht frühzeitig kundig gemacht. Vermutlich hat die Schülerin oder der Schüler weder eine Arbeitsbibliographie angefertigt noch ein Exposé geschrieben, denn dann wäre bereits zu Projektbeginn aufgefallen, welche Literatur vorhanden ist, welche sofort benutzt werden kann und welche langfristig beschafft werden muss.

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Frühzeitig beginnen und nichts auf die lange Bank schieben

Notiere alle Projekttermine, welche die Schule Dir vorgibt, in einem Kalender, am besten in einem Mehrjahresplaner, damit Du den Projektgesamtzeitraum im Blick haben kannst. Trage folgende Termine ein: Projektstart, Präsentation des angestrebten Themas, Abgabe des Projektantrags, Konsultationen, Abgabe der Seminarfacharbeit, Verteidigung der Seminarfacharbeit, Projektende.

Erstelle einen Zeitplan. Dies ist ein Grobplan. Du gliederst die Projektgesamtdauer in große Arbeitsphasen. Folgende Phasen könntest Du terminieren:

  1. Thema wählen. Ergebnis: Thematische Idee, die es weiterzuentwickeln gilt.
    Wähle ein Thema, das in der zur Verfügung stehenden Zeit zu bewältigen ist. Achte auch darauf, dass Du Dich für das Thema auch wirklich interessierst. Plane genug Zeit für diese Arbeitsphase ein, denn Du wirst das Thema in einer Gruppe bearbeiten. Ihr werdet Euch in der Gruppe über das Thema abstimmen wollen.
  2. Thema verwissenschaftlichen, Thema gliedern und die Durchführung des Projekts (Umsetzung des Themas) planen. Ergebnisse: Exposé mit Anhang 1 "Arbeitsbibliographie" und Anhang 2 "Vorläufiges Inhaltsverzeichnis der schriftlichen Arbeit"; Arbeitsplan.
    Plane für diese Arbeitsphase sehr viel Zeit ein, denn es ist nicht leicht, ein stimmiges Forschungssetting zu entwickeln. Diese Arbeitsphase findet ihren Abschluss mit der Abgabe des Projektantrages. Der Projektantrag umfasst das Exposé mit den Anhängen "Arbeitsbibliographie" und "Vorläufiges Inhaltsverzeichnis der schriftlichen Arbeit" sowie den Arbeitsplan.
  3. Projekt durchführen (Thema umsetzen). Ergebnis: Daten, Fakten, Antworten auf Fragen, wissenschaftliche Arbeitsergebnisse, Erkenntnisse, Wissen.
    Sobald das Thema zugelassen wurde, der Projektantrag also von der Prüfungskommission bestätigt worden ist, beginnst Du mit der Projektdurchführung.
  4. Arbeit schreiben. Ergebnis: Seminarfacharbeit.
    Alle Abschnitte und Kapitel Deiner Seminarfacharbeit, zu denen Du noch keine Projektergebnisse benötigst, kannst Du bereits in der Phase 3, der Phase der Projektdurchführung, schreiben. Alle Abschnitte und Kapitel, zu deren Erstellung Du die Projektergebnisse benötigst, schreibst Du, sobald diese Ergebnisse vorliegen. Da ein wissenschaftlicher Text in der Regel nicht auf die Weise entsteht, dass man ihn niederschreibt und sofort fertig ist, sondern mehrfach überarbeitet und präzisiert wird, solltest Du eine ausreichend lange Zeit für das Erstellen der schriftlichen Arbeit einplanen. Lass den Text, wenn Du denkst, dass er fertig ist, einmal eine Woche ungelesen liegen. Nimm ihn dann noch einmal vor und lies ihn nochmals mehrfach durch. Überarbeite den Text jetzt noch einmal gründlich. Ganz zum Schluss musst Du den Text Korrektur lesen, also von allen  orthographischen Mängeln befreien. Auch das kostet noch einmal Zeit. Konzentriere Dich dabei nicht mehr auf den Inhalt, sondern nur noch auf die Rechtschreibung. Das beschleunigt das Korrekturlesen. Lies dreimal Korrektur, damit Du keinen Fehler übersiehst. Auch dafür musst Du Zeit einplanen. Falls die Arbeit noch vervielfältigt und gebunden werden soll, kostet auch dies noch einmal Zeit.
  5. Arbeitsergebnisse mündlich vorstellen (wissenschaftlichen Vortrag halten), Arbeitsergebnisse verteidigen. Thesenpapier als Grundlage für die Diskussion erstellen.
    Plane eine Zeitspanne ein, in der Du den wissenschaftlichen Vortrag und das Thesenpapier vorbereitest. Übe unbedingt Deinen Vortrag ein, sprich ihn also mehrmals laut Probe!

Erstelle nun anhand des Zeitplans einen Arbeitsplan. Der Arbeitsplan ist ein Feinplan.

Den Zeitplan verfeinerst Du zu einem Arbeitsplan, indem Du pro Arbeitsphase alle wichtigen Tätigkeiten notierst, evtl. auch Erläuterungen zu den Tätigkeiten und erwartete Arbeitsergebnisse aufschreibst. Dem Arbeitsplan kannst Du somit entnehmen, was Du bis wann erledigt haben musst. Bis wann ist die Arbeitsbibliographie zu erstellen? Bis wann müssen die Fragebögen erabeitet sein, wenn Du eine Befragung durchführen willst? Bis wann sollen die Fragebögen auf Tauglichkeit getestet sein? Und so weiter.

Damit Du den Überblick nicht verlierst, solltest Du einen Aktenordner für Dein Forschungsprojekt anlegen. Im Ordner heftest Du alles ab, was mit Deinem Projekt zu tun hat. Gib dem Projektordner eine Gliederung, damit Du die Dokumente nicht willkürlich verstreust, sondern für Dich leicht auffindbar im Ordner ablegst.

Führe ein Forschungstagebuch. Spontane Projektideen kannst Du aber auch auf Zetteln notieren. Auch Karteikarten sind für das Organisieren des Forschungsprojekts geeignet. Sie sind stabil und grifffest und können in einem Karteikasten schnell umsortiert werden. Forschungstagebuch, Zettel und Karteikarten kannst Du auch voll elektronisch und virutell in Deinem Computer realisieren und verwalten. Habe in jedem Falle immer etwas zum Schreiben bei Dir. Gute Ideen kommen einem manchmal an ungewöhnlichen Orten. Wenn Du dann nichts zum Schreiben dabei hättest, würden die Ideen undokumentiert bleiben und Du würdest Dich evtl. einige Minuten später schon nicht mehr an die Geistesblitze erinnern können. Zum schnellen und sofortigen Aufzeichnen Deiner Ideen wäre auch ein Diktiergerät geeignet.

Fertige Exzerpte an. Fertige – falls Du eine Quellen untersuchende Arbeit schreibst – auch Konspekte an.

Diskutiere Dein Thema und die Arbeitsergebnisse, sooft es Dir möglich ist, mit interessierten Leuten.

Reflektiere Dein Thema mehrfach.

Welche Literatur benötigst Du, um Dein Projekt zu bewältigen? Lässt sich das Material im Projektzeitraum beschaffen? Wenn nicht, wie müsstest Du das Thema verändern?

Bereite die einzelnen Arbeitsphasen vor. Stelle Dich auf die jeweilige Arbeitsphase ein! Was ist zu erledigen? Bis wann musst Du es erledigt haben? Welche wissenschaftlichen Arbeitstechniken musst Du jetzt realisieren? Wie sind die wissenschaftlichen Inhalte Deines Projekts weiterzuentwickeln?

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Wissenschaftliche Arbeitstechniken

Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten und zu den damit verbundenen Arbeitstechniken findest Du in den "Schubladen" AK 39500 bis AK 39950 der Regensburger Verbundklassifikation (RVK).

Übersicht der "Schubladen":

Wenn Du auf den jeweiligen Link klickst, öffnet sich die "Schublade" und Du erfährst, welche Werke in der UB Erfurt vorhanden sind. Angezeigt werden die Treffer im Katalog der UFB Erfurt/Gotha.

AK 39500 Technik der wissenschaftlichen Arbeit: Allgemeines
AK 39540 Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten
AK 39580 Abfassen schriftlicher Arbeiten
AK 39620 Editionstechnik
AK 39660 Lesetechnik
AK 39700 Rede- und Vortragstechnik
AK 39740 Leitung von Sitzungen und Versammlungen
AK 39780 Prüfungstechnik
AK 39820 Durchführung von Studienreisen [am 10.08.2011 Schublade ohne Inhalt]
AK 39860 Einzelfragen der Forschungstechnik
AK 39900 Hilfsmittel zur wissenschaftlichen Arbeit
AK 39940 Rationalisierung der wissenschaftlichen Arbeit
AK 39950 Arbeit mit elektronischen Medien

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Impulse

  1. Erstelle für Dein Projekt einen Zeitplan!
  2. Verfeinere den Zeitplan zu einem Arbeitsplan!
  3. Welche Organisationsformen wirst Du wählen, wenn Du Dein Projekt realisierst? Wirst Du ein Forschungstagebuch führen? Wirst Du Deine Ideen eher auf Zetteln notieren? Willst Du evtl. alles elektronisch umsetzen – also auch ein Literaturverwaltungsprogramm (z. B. Citavi) einsetzen, das sogar die Option bietet, Exzerpte abzuspeichern?
  4. Diskutiere mit Deinen Mitschülerinnen und Mitschülern die Fragen:
    Warum bereitet man ein Forschungsprojekt vor? Warum wird es geplant und organisiert? Und warum arbeitet man nicht vollkommen spontan, willkürlich, rein zufällig drauflos?
    Hat Spontaneität im wissenschaftlichen Arbeitsprozess generell keine Berechtigung? Oder gibt es Gründe, auch mal spontan zu sein?

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