Universität Erfurt

Schlusswort

Weiterdenken und weiter denken

Alles Wissen, das wir Menschen erarbeiten, auch das begründete, überprüfbare, nachvollziehbare und irrtumsfreie, ist und bleibt zeithistorisch gebundenes Wissen. Es entsteht in einer stets konkreten Zeit.

Das wissenschaftlich erarbeitete Wissen gilt uns schlüssig aufgrund der Forschungsmethoden, die wir angewendet haben und die uns zielführend scheinen. Die Forschungsmethoden sehen wir in der Zeit, zu der wir leben und arbeiten, als geeignet an, um begründetes, überprüfbares, nachvollziehbares und irrtumsfreies Wissen zu gewinnen.

Bleibe Dir der Begrenztheit unseres menschlichen Erkennens bewusst, versuche in Deiner Seminarfacharbeit nicht das Außergewöhnliche, das besonders Auffällige, das Extravagante, sondern erarbeite mit Deinen Möglichkeiten das Wissen – jetzt –, was dem am nächsten kommt, was wir als begründetes, überprüfbares, nachvollziehbares und irrtumsfreies Wissen beschreiben. Respektiere dabei Deinen Entwicklungsstand, den Zeitrahmen, Dein vorhandenes Wissen und Deine Methodenkenntnisse. Arbeite nach bestem Wissen und Gewissen und lerne das für das Projekt Notwendige dazu. Sei ehrlich zu Dir selbst, prüfe Deine Arbeitsergebnisse, prüfe Deine Schlussfolgerungen, betrachte Deine Arbeitsweise kritisch, wenn Du Dich diesem Ziel annäherst, begründetes, überprüfbares, nachvollziehbares und irrtumsfreies Wissen entstehen zu lassen.

Auf diese Weise wird – davon bin ich überzeugt – eine gründliche und interessante Arbeit entstehen, die in jedem Falle Anerkennung verdient. Du wirst stolz auf Dich sein können. Frag weniger danach, was andere hören wollen oder sollen. Suche lieber danach, was Du mit Hilfe der Dir zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Hilfsmittel und Verfahren erkennen kannst.

Eine einzige Antwort gibt es in der Regel auf eine Fragestellung nicht. Auch die einzige Wahrheit wird es kaum geben. Es lässt sich vieles noch anders betrachten und noch genauer oder völlig anders beschreiben. Wissenschaft will weiterdenken und dabei weiter denken.

Auch sollten wir uns bewusst machen, dass Wissenschaft auch eine ethische und gesellschaftliche Dimension hat. Unser Forschungsverhalten sollte kein Welt zerstörendes und unsere wissenschaftlichen Abbilder keine rechthaberischen sein.

Nach oben

PS (Postskriptum):

Kunst ist eine eigenständige Form mit Welt umzugehen, so wie das auch für Wissenschaft [Hervorhebung durch H.S.] und Religion gilt. Immer dann, wenn ich die Autonomie des einen Bereiches außer acht lasse und zugleich nicht wahrnehme, daß diese Autonomie gleichzeitig der durchaus konfliktreichen Ergänzung durch andere Formen der Weltwahrnehmung bedarf, verliere ich etwas." (1)

(1) Wanke, Joachim: Vorwort [zum Ausstellungskatalog "KlangSchatten"], in: DG, Deutsche Gesellschaft für Christliche Kunst e. V. (Hrsg.): KlangSchatten, Installationen aktueller Kunst in fünf Erfurter Kirchen, Katalog [...] zum Ausstellungsprojekt "KlangSchatten, Installationen Aktueller Kunst in Fünf Erfurter Kirchen", 16. August bis 3. Oktober 2000, München, DG, 2000 (Katalog, 100), S. 4, dort S. 4

Nach oben

Navigation

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl