Universität Erfurt

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Forschung

DFG-Projekt: "Sozialethische Untersuchungen zur Zukunft der sozialen Sicherheit in Deutschland unter der Bedingung gesteuerter und ungesteuerter Migration – Soziale Gerechtigkeit unter Knappheitsbedingungen" (geplant 2016-2020)

 

Eine zukünftige Sozialstaatskonzeption muss im Hinblick auf die Garantie sozialer Gerechtigkeit Migrationsbewegungen berücksichtigen, besonders weil diese seit 2014 eine neue Qualität erhalten haben. Eine rein nationalstaatlich-nutzenorientierte Verbindung von Migration und sozialer Sicherheit ist sozialethisch allerdings höchst problematisch, da sie bedürftige und betroffene Menschen auf ihre Funktionalität für westliche Volkswirtschaften und Sozialsysteme hin verkürzt. Jenseits nationalstaatlicher Nützlichkeitserwägungen geht Christliche Sozialethik als theologische Disziplin von einer anthropologisch erweiterten Sicht auf Migranten als menschliche Personen aus, die ein Recht auf Hilfe, Bewegungsfreiheit und ein Leben in Würde besitzen. Deshalb muss das ursprüngliche sozialethische Anliegen, sozial gerechte Institutionen innerhalb von Gesellschaften zu begründen, in einen universalen Kontext eingebettet werden. Aus dem Dilemma zwischen Forschungszielen nationaler sozialer Gerechtigkeit und globaler Gerechtigkeit lässt sich dann entkommen, wenn soziale und globale Gerechtigkeitsdimensionen nicht polarisiert, sondern differenziert zusammengedacht werden. Unter Einbeziehung der neueren philosophischen und christlich-sozialethischen Migrationsdebatte soll deshalb eine ethische Kriteriologie dafür erarbeitet werden, wann, in welchem Maß und in welcher Form die Aufnahme von Migranten nach eingehender Berücksichtigung der Belastbarkeit der nationalen sozialen Institutionen eines westlichen Wohlfahrtsstaates wie Deutschland universal verpflichtend, normativ gerecht und ethisch billig ist. Es ist eine ethisch widerspruchsfreie Synthese zu entwickeln, wie Humanität unter den bestehenden soziale Knappheitsbedingungen für beide Betroffenenparteien, Inländer mit Bürgerrechten und Migranten mit universalen Menschenrechten im Rahmen gegenwärtiger und zukünftiger, national-sozialer und globaler menschenrechtlicher Gerechtigkeitsverpflichtungen garantiert werden kann.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

DFG-Projekt "Sozialethische Untersuchung zur Zukunft der Sozialen Sicherheit in Deutschland" (2012-2016)

Das Projekt geht von der Leitfrage aus, wie Soziale Sicherheit in Deutschland angesichts ökonomischer, gesellschaftlicher und globaler Wandlungsprozesse in einer ethisch verantworteten Form gestaltet werden kann. Ziel ist es, ein idealtypisches Modell der sozialen Sicherheit zu erarbeiten, das sich langfristig auf drei Gerechtigkeitsebenen bewährt:

(a) auf einer menschenrechtlichen, die das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums einschließt,

(b) einer Ebene sozialer Gerechtigkeit bezüglich Makro- und Mikroverteilungsaspekten und

(c) auf einer Ebene sozialer Entwicklung hinsichtlich des ethischen Anspruchs auf Befähigungs- und Beteiligungsgerechtigkeit aller betroffener Menschen.

Von der Reformbedürftigkeit des gegenwärtigen Sozialsystems ausgehend werden unterschiedliche Reformtypen auf ihr Gerechtigkeitspotential und ihre Erfüllung christlicher Sozialprinzipien hin untersucht sowie auf ihre Implementierbarkeit (ökonomische und soziale) hin überprüft. Es wird eine ethische Kriteriologie für ein Strukturkonzept sozialer Sicherung begründet werden, das zukünftig menschenrechtliche Standards für alle potentiell Betroffenen garantieren, einen sozialen Ausgleich zwischen ihnen gewähren und sie zur gesellschaftlichen Beteiligung befähigen soll. Das Strukturkonzept soll einen Beitrag zu größerer Humanität der Gesellschaft leisten, sowie Armutsresistenz, menschenwürdige Lebensbedingungen, aber auch Inklusionsfähigkeit des sozialen Systems langfristig sichern helfen.

DFG-Projekt "Absolute Armut und Globale Gerechtigkeit" (2007-2011)

Zusammenfassung der Projektziele

Die Bekämpfung der absoluten Armut, verbunden mit Hunger, Krankheit und Tod einer enorm großen Anzahl von Menschen, ist das vermutlich wichtigste sozialethische Problem unserer Zeit. Jährlich sterben weltweit rund 18 Millionen Menschen an armutsbedingten Ursachen, darunter 11 Millionen Kinder. Wenn Wissenschaft dieses Problem angesichts des menschenrechtlichen Anspruchs der Betroffenen nicht nur beschreiben, sondern zu einer nachhaltigen Reduktion der absoluten Armut beitragen soll, erfordert das eine interdisziplinäre Anstrengung. Diese liegt sowohl in einer universalen normativen Begründung für die Veränderung von Normen, Institutionen und sozialen Systemen als auch in der Reflexion ihrer Implementierbarkeit. Dies fordert die Zuständigkeit der Christlichen Sozialethik heraus, die eine konkrete institutionenethische Ausrichtung besitzt.

Im Hinblick auf die empirische Problemanalyse der Armuts- und Ungleichheitssituation ist die (vergleichende) Wohlfahrtsökonomik gefordert. Angesichts der Tatsache, dass rund ein Drittel der Weltbevölkerung dem Christentum angehören, ist zusätzlich eine vergleichende religionsökonomische Erforschung von Moralkulturen hinsichtlich der geeigneten Implementierung von Normen zu leisten, die durch die christliche Sozial- und Wirtschaftsethik durchgeführt werden kann. Inhaltlich wird der zentrale Gegenstand dieser drei Forschungsansätze sein, ihre Ergebnisse in eine systematische globale Gerechtigkeitstheorie zum Problem absoluter globaler Armut zusammenzuführen, die anwendungsrelevante Richtlinien zur Armutsbekämpfung für jeweils Verantwortliche entwickelt und einen systematischen Zusammenhang von ethischen Gerechtigkeitspostulaten und konkreter Armutsbekämpfung herstellt. Ziel ist es auf der Basis einer ethischen Argumentation zu beantworten, warum, aufgrund welcher sozialethischer Normen und mit welcher ökonomisch tragfähigen Implementierungsstrategie globale Armut zu bekämpfen ist.

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