Forschung

Forschungsschwerpunkte

Der Lehrstuhl für "Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europäische Integration" ist in Lehre und Forschung auf dem Gebiet des Staats- und Verwaltungsrechts wie auch des Völker- und Europarechts tätig. Das Staats- und Verfassungsrecht wird dabei nicht nur unter den Aspekten des Staatsorganisationsrechts und der Grundrechte thematisiert. Vielmehr werden das vom Grundgesetz normierte institutionelle Gefüge sowie der von ihm gewährleistete Grundrechtsschutz rechtsvergleichend und zugleich als Elemente des Mehrebenensystems der Europäischen Union untersucht. Ein rechtsvergleichender und "mehrstufiger" Ansatz bezieht das "Europa der 47", aber auch die Charta der Vereinten Nationen sowie weitere, insbesondere multilaterale Vertragswerke ein, um das overall constitutional system existing in the world community hinsichtlich der Gemeinsamkeiten sowie asymmetrischer Entwicklungen und politisch-ideologisch motivierter Abweichungen in einzelnen Vertragsstaaten zu deuten. 

Innerhalb des Europarechts nimmt, ausgehend vom 2006 gescheiterten "Vertrag über eine Verfassung für Europa" (2004), die Analyse der Unions-Verträge von Lissabon (2009) einen herausragenden Stellenwert im Forschungsprogramm des Lehrstuhls ein. In diesem Rahmen sind 2005 und 2012 in gemeinsamer Herausgeberschaft zunächst Sammelbände zum Verfassungsvertrag sowie zum Unionsvertrag von Lissabon, sodann 2013 der „Commentary on the Treaty of European Union", und zuletzt 2021, unter Mitwirkung einer paneuropäischen Autorenschaft, der „Commentary on the Treaty on the Functioning of the European Union"  (Vol. I) erschienen.

Portrait Jean Monnet
Jean Monnet (1888-1979), Cognac-Unternehmer und geistiger Vater der Montanunion, „Vater Europas“

Der Jean Monnet Chair führt im Projekt "Verfassungsrechtliche Voraussetzungen der Zukunftsfähigkeit der Europäischen Union" Vertreter aus Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft unter Nutzung der über zwei Jahrzehnte gewachsenen Strukturen des Staatswissenschaftlichen Forums e.V. zu Themen von aktueller nationaler und europäischer Bedeutung zusammen: Klimaschutz, Migration, Rechtsstaatlichkeit, Digitalisierung sowie die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Union bilden Untersuchungsgegenstände, die einen Lackmustest erlauben, inwieweit diese supranationale Organisation in ihrem Wirken nach innen und außen den mitgliedstaatlichen und überstaatlichen Herausforderungen politisch, wirtschaftlich und in ihren Rechtsfundamenten gewachsen ist. Neben Tagungen, Seminaren und Fachexkursionen werden auch, verschränkt mit den Aktivitäten des Staatswissenschaftlichen Forums, innovative Formate wie regionale Bürgerforen zur künftigen Gestaltung des europäischen Integrationsprozesses ausgerichtet. Die Ergebnisse der regionalen Bürgerforen sollen in die wissenschaftliche Arbeit des Jean Monnet Chair sowie der Professur einfließen.

Slogan SWF

Das Staatswissenschaftliche Forum e.V. (SWF) positioniert sich seit seiner Gründung im Jahr 2001 im interdisziplinären Diskurs von Vertretern aus Staat und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft etwa zu Themen von Bundes- und Sozialstaatlichkeit, Koalitionsfreiheit, Wissenschaftsfreiheit und Hochschulorganisation, europäischer Integration und medialer Verantwortung. Es orientiert sich an fünf Grundsätzen, die der Verein als Garanten von Freiheit, Sicherheit sowie gesellschaftlicher Wohlfahrt in Europa, Deutschland und in Thüringen ansieht. Sie erweisen sich für eine Ordnung des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit sowie ein System wirtschaftlicher Freiheit, aber auch den grenzüberschreitenden Ideenwettbewerb als konstituierend und stabilisierend: 

  • das freiheitliche Menschenbild
  • die soziale Teilhabe
  • der deutsche Bundesstaat in einem föderativen Europa
  • das Ordnungsmodell der sozialen Marktwirtschaft
  • die Globalisierung der Lebens- und Arbeitswelt.

Die Ergebnisse der Projekte des Jean Monnet Chair sowie die "Zukunftsgespräche" des SWF werden in der Schriftenreihe "Neue Staatswissenschaften" im Verlag Mohr Siebeck bzw. in  den Ausgaben "Staatswissenschaftlichen Tagungsberichte" des SWF veröffentlicht.