Universität Erfurt

Ausbau der Forschungsbibliothek Gotha zu einer Forschungs- und Studienstätte für die Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit

Katalogisierung der Reformationshandschriften der Forschungsbibliothek Gotha

Gefördert durch die 

Das Projekt

Bücherverzeichnis Georg Spalatins, FB Gotha, Chart. B 24, Bl. 3r.

Das Projekt „Katalogisierung der Reformationshandschriften der Forschungsbibliothek Gotha“ wurde zwischen Ende 2004 und Anfang 2009 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Diese sehr vielfältige Sammlung mit mehr als 15.800 Einzelstücken und mehr als 7.000 Tischreden ist durch Erbteilungen und eine gezielte Erwerbsstrategie der Gothaer Herzöge über die Jahrhunderte zu einer der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art gewachsen. Erschlossen sind okzidentale Handschriften aus dem 16. Jahrhundert mit vorwiegend kirchenhistorischer Relevanz. Da sich ein Großteil der Sammlung aus Nachlässen der lutherischen Dynastie der Ernestiner und aus ihren konfessionell motivierten Erwerbungen zusammensetzt, liegt der Hauptschwerpunkt auf der Wittenberger Reformation und ihrer Breitenwirkung, die sich über das Reich hinaus bis in die Niederlande und nach Schweden und Ungarn erstreckte. Die Sammlung zeugt von den internationalen Beziehungen und kulturellen Kontakten lutherischer Fürsten, Theologen und Laien mit Akteuren aus weit auseinander liegenden Teilen Europas nicht nur durch die Konfrontation mit dem Papst in Rom, sondern zum Beispiel auch durch eine Stellungnahme des Königs von Portugal zur Luthersache, durch die Verhandlungen der sächsischen Kurfürsten, des Schmalkaldischen Bunds und der Augsburger Konfessionsverwandten mit England, durch die Versuche Philipp Melanchthons, der Tübinger Professoren und des Rostocker Theologen David Chyträus, Kontakt mit dem Patriarchen in Konstantinopel aufzunehmen, sowie durch die Berichte von Mitgliedern des Deutschen Ordens in Livland, die von russischen Truppen gefangengenommen wurden und später im Dienst des Zaren standen. Insbesondere aufgrund der umfangreichen Teilnachlässe der Genfer Theologen Jean Calvin und Théodore de Bèze sowie der ermländischen Bischöfe enthält die Sammlung reichliches Quellenmaterial auch zum Calvinismus in Frankreich und der Schweiz, zum Trienter Konzil oder auch zur römisch-katholischen Kirche in Polen. Das Corpus erfasst somit die Belange aller drei Konfessionen des Christentums, wobei auch Berührungspunkte mit dem Judaismus, dem Islam und der Orthodoxen Kirche in Europa vorkommen. Die Sammlung enthält eine dichte Überlieferung zur Universitätsgeschichte, insbesondere zu Leipzig, Rostock, Tübingen, Wittenberg, Frankfurt an der Oder, Marburg, Jena, Helmstedt, Straßburg und Herborn, sowie zu Religionsgesprächen und Reichs-, Bundes-, Fürsten-, Kreis- und Städtetagen. Schließlich sind Zeugnisse der Frömmigkeitspraxis in Form von liturgischen Texten, Predigten, Katechismen, Psaltern, Trostschriften sowie Chor- und Gebetbüchern vorhanden.  

Das Projekt förderte zahlreiche unbekannte Briefe und Dokumente zu Tage. Die Erschließungsergebnisse sind in der HANS-Datenbank der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha online recherchierbar und in gedruckter Form zugänglich:

Katalog der Reformationshandschriften. Aus den Sammlungen der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha'schen Stiftung für Kunst und Wissenschaft, beschr. von Daniel Gehrt (= Die Handschriften der Forschungsbibliothek Gotha, Bd. 2,1. 2,2). Wiesbaden 2015. ISBN 978-3-447-10182-0  

Die Arbeitsgruppe

Projektleitung

Dr. Kathrin Paasch 

Wissenschaftlicher Bearbeiter

Dr. Daniel Gehrt

Katalogisierung

Gabriele Kern

Franziska König

Studentische Hilfskräfte

Philipp Knüpffer (August 2005-März 2009)
Irene Großmann

Projektbetreuung

Cornelia Hopf 

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