Universität Erfurt

Ausbau der Forschungsbibliothek Gotha zu einer Forschungs- und Studienstätte für die Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit

Spalatins Bibliothek

Bibliotheksverzeichnis Georg Spalatins, 1512 bis ca. 1543.
FB Gotha, Chart. B 24, Bl. 4r-108v, hier: Bl. 4r.

Georg Spalatin

Der Humanist, Theologe und Reformator Georg Burkhardt wurde 1484 in Spalt bei Nürnberg geboren und nach seinem Geburtsort Spalatin genannt. Im Anschluss an seinen Schulbesuch in Spalt und Nürnberg studierte Spalatin seit 1498 an der Erfurter sowie an der neugegründeten kursächsischen Universität Wittenberg (seit 1502), wo er 1503 zu den ersten Universitätsabsolventen der Artistenfakultät zählte. Er setzte sein Jura- und Theologiestudium in Erfurt fort, trat jedoch 1505 als Novizenlehrer im Zisterzienserkloster Georgenthal ein geistliches Amt an. Eine Empfehlung des Gothaer Humanisten Conradus Mutianus Rufus (1470–1526), zu dessen Humanistenkreis Spalatin zählte, führte ihn von 1508 bis 1516 als Erzieher des Kurprinzen Johann Friedrich (1503–1554) in kursächsische Dienste. Unter Kurfürst Friedrich III. von Sachsen (1463–1525) wurde er 1512 als kurfürstlicher Bibliothekar mit dem Aufbau der Wittenberger Universitätsbibliothek betraut. Sowohl als Übersetzer als auch mit seinen politischen und geistlichen Hofämtern (Hofkaplan ab 1514, Kanzleisekretär ab 1516, Beichtvater ab 1518 und schließlich Hofprediger ab 1522) avancierte Spalatin zu einem der einflussreichsten Akteure um Friedrich III. In enger Verbundenheit mit Martin Luther (1483–1546) und dessen Theologie nahm er dabei wesentlichen Einfluss auf die kursächsische Politik gegenüber dem Reformator und der reformatorischen Bewegung. Mit dem Tod Friedrichs III. wechselte er unter Kurfürst Johann dem Beständigen (1468–1532) 1525 als evangelischer Pfarrer und später Superintendent (ab 1528) nach Altenburg. Georg Spalatin wirkte bei der Initiierung und Etablierung von Bildungs- und Kirchenreformen mit und trieb als Kirchenpolitiker den Aufbau des landesherrlichen Kirchenregiments in Kursachsen voran.

Bibliotheksverzeichnis

Unter ihren Spalatiniana, die Teile des amtlichen und privaten Nachlasses Spalatins umfassen, bewahrt die Forschungsbibliothek Gotha das 1535/1536 von Spalatin selbst angelegte, weitgehend eigenhändig verfasste und bis 1543 ergänzte Verzeichnis seiner nach seinem Tod zerstreuten Privatbibliothek. Die vor 1693 in die Herzogliche Bibliothek gelangte Handschrift ist ein überaus wertvolles Dokument für vielfältige geistes- und kulturhistorische Fragestellungen, zumal für zahlreiche andere Privatbibliotheken aus dem Zentrum der Reformation keine Inventare überliefert sind. Der als Standortverzeichnis konzipierte Katalog mit seinen insgesamt 37 Sachgruppen gibt einen Einblick in eine mit mittelalterlichen Handschriften und Inkunabeln, wertvollen Codices, Bibelausgaben, weitgehend kompletten Kirchenväter- und Klassikerausgaben sowie klassischen wie hochaktuellen historiographischen Werken und Chroniken exquisit ausgestattete Sammlung mit mehr als 415 Bänden und ca. 1.500 Titeln. Die mit einem theologischen Schwerpunkt (Lutherana) ausgerichtete humanistisch-reformatorische Gelehrtenbibliothek korrespondierte als fachliche Referenzbibliothek mit den vielfältigen beruflichen Handlungsfeldern Spalatins.
(Text: Hendrikje Carius)


Literatur

Quellen

Christian Schlegel: Historia Vitae Georgii Spalatini Theologi, Politici Primique Historici Saxonici Viri De Ecclesia Et Republ. Infinitis Modis Meriti. Jena 1693, S. 200.
Ernst Salomon Cyprian: Catalogus codicum manuscriptorum Bibliothecae Gothanae. Leipzig 1714, Nr. XXIV, S. 113f.

Literatur

Gustav von Buchwald: Archivalische Mittheilungen über Bücherbezüge der kurfürstl. Bibliothek und Georg Spalatin's in Wittenberg. In: Archiv für Geschichte des Deutschen Buchhandels 18 (1896), S. 7-15.

Ernst Hildebrandt: Die kurfürstliche Schloss- und Universitätsbibliothek zu Wittenberg 1512–1547. In: Zeitschrift für Buchkunde 2 (1925), S. 34-42, 109-129 und 157-188.

Irmgard Höss: Georg Spalatin 1484–1545. Ein Leben in der Zeit des Humanismus und der Reformation. Weimar 21989.

Christina Meckelnborg und Anne-Beate Riecke: Georg Spalatins Chronik der Sachsen und Thüringer. Ein historiographisches Großprojekt der Frühen Neuzeit. Wien u.a. 2011, bes. S. 42, 195, 197, 287, 292-295, 518, 531, 541-546, 589.

Hendrikje Carius: Die "Bibliotheca Spalatini" als humanistisch-reformatorische Gelehrtenbibliothek. In: Enno Bünz, Thomas Fuchs, Stefan Rhein (Hrsg.): Buch und Reformation. Beiträge zur Buch- und Bibliotheksgeschichte Mitteldeutschlands im 16. Jahrhundert. Leipzig 2014, S. 87-123.

Hendrikje Carius: Spalatin als Büchersammler. In: Armin Kohnle, Christina Meckelnborg, Uwe Schirmer (Hrsg.): Georg Spalatin. Steuermann der Reformation. Begleitband zur Ausstellung „Georg Spalatin- Steuermann der Reformation“. Altenburg 2014, S. 137-143.

Hendrikje Carius: Die Privatbibliothek des Georg Spalatin. In: Spalatin in Altenburg. Eine Stadt plant ihre Ausstellung. Hrsg. von Hans Joachim Kessler und Jutta Penndorf. Halle 2012, S. 80-94.

Daniel Gehrt: Spalatiniana in der Forschungsbibliothek Gotha. In: Spalatin in Altenburg. Eine Stadt plant ihre Ausstellung. Hrsg. von Hans Joachim Kessler und Jutta Penndorf. Halle 2012, S. 95-102.

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