Universität Erfurt

Theologisches Forschungskolleg

Anna Karger-Kroll: Gast-Doktorandin

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Theologisches Forschungskolleg

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Forschungsprojekt

Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit im deutschen Rentenversicherungs­system angesichts der Pluralisierung der Lebens- und Erwerbsformen in der Bundesrepublik Deutschland

Das Forschungsprojekt setzt sich mit der Frage nach der gerechten Verteilung von Zahlungen in und Leistungen aus der deutschen Rentenversicherung angesichts der Pluralität der Lebens- und Erwerbsformen in der Bundesrepublik Deutschland auseinander. Hierbei werden die Prinzipien der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) in christlich-sozialethischer Perspektive auf den Prüfstand gestellt, da sich die Orientierung der GRV an einer „Normalfamilie“ und einer „Normalerwerbsarbeit“ immer weiter von der Realität der Partnerschafts- und Familienformen als auch der Arbeitsverhältnisse entfernt. Von besonderer Bedeutung wird in diesem Kontext die Frage sein, ob aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen von einem Bedeutungsverlust der christlichen Leitbilder von Ehe und Familie auszugehen ist und ob bzw. inwieweit diese weiterhin als mehrheitsfähig gelten können. Die Theologie steht hier vor der Herausforderung, das christliche Ideal von Ehe und Familie zu vertreten und dennoch nicht die Augen vor der sozialen Wirklichkeit zu verschließen, in der Leitbilder und reale Lebensverhältnisse häufig auseinanderklaffen und die damit einhergehende Pluralität nicht bestritten werden kann. Demnach sollen normative Leitbilder und Werte ethisch reflektiert werden, um der Vielfalt an Lebensentwürfen aus christlicher Perspektive adäquat begegnen zu können. Die Konfrontation der Prinzipien der GRV mit der Pluralisierung der Lebens- und Erwerbsformen lässt anschließend die sozialpolitische Ambivalenz deutlich zutage treten. Es soll dargelegt werden, ob bzw. inwieweit eine Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Lebensentwürfe in der GRV stattfindet und wie diese ethisch zu rechtfertigen ist. Um dies beurteilen zu können, erscheint es sinnvoll, die christlich-ethische Forderung nach sozialer Gerechtigkeit in Verbindung mit dem Diskurs um Egalitarismus bzw. Nonegalitarismus zu bringen. Auf dieser Grundlage wird ein normativer Maßstab gewonnen, mit dem die Frage nach Gerechtigkeit im deutschen Rentenversicherungssystem angesichts der Vielfalt der Lebens- und Erwerbsformen aus sozialethischer Perspektive beantwortet werden kann.

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