Universität Erfurt

Theologisches Forschungskolleg

Martin Grimm: Doktorand

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    Theologisches Forschungskolleg

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    99105 Erfurt

Forschungsprojekt

Ewigkeit verstehen durch den dreieinen Gott.

Der trinitarisch gefasste Ewigkeitsbegriff bei Eberhard Jüngel, Wolfhart Pannenberg und Hans Urs von Balthasar und seine Bedeutung für das Zeitverständnis

Mein Promotionsprojekt widmet sich dem dialogischen Vergleich trinitarischer Ewigkeits-konzepte mit einer impliziten Verhältnisbestimmung von Ewigkeit und Zeit.
Eine Verhältnisbestimmung von Zeit und Ewigkeit wird bereits seit der Philosophie der Antike in vielfältiger Weise unternommen. Der in der griechischen Philosophie (Parmenides, Platon, Plotin, usw.) herausgebildete und bis heute weiterentwickelte metaphysische Ewigkeitsbegriff schließt Zeit und Werden aus sich aus. Diese Vorstellung von Ewigkeit wirkt sich auch auf die christliche Theologie aus. So vertreten Augustinus von Hippo und Thomas von Aquin einen zeitlosen, ja der Zeit entgegengesetzten Ewigkeitsbegriff. Dieser metaphysische Gegensatz von Zeit und Ewigkeit ist mit Blick auf die Offenbarung jedoch theologisch zu hinter¬fragen. Kritik kommt vor allem im 20. Jahrhundert u.a. von Karl Barth auf, der Ewigkeit als Explikation göttlichen Lebens trinitarisch verstehen will. Mit der These Eberhard Jüngels „Ewigkeit ist Gott selbst im Vollzug seiner Existenz als Vater, Sohn und heiliger Geist“, findet die trinitarische Näherbestimmung des Ewigkeitsbegriffs ihren bisherigen Höhepunkt. Diese These soll meinem Projekt als Ausgangspunkt und Grund¬lage dienen. Ist es in diesem Sinne möglich einen trinitarischen Ewigkeitsbegriff zu expli¬zieren? Wenn Gott selbst Ewigkeit ist, was ist dann Zeit? Und wie ist Gott – und damit Ewigkeit – in der Zeit denkbar?
Als Gesprächspartner für eine trinitarische, d.h. personal-relational zu verstehende Ewigkeit sollen nach und im Ausgang von Eberhard Jüngel Wolfhart Pannenberg und Hans Urs von Balthasar herangezogen werden. Beide Theologen denken geschichtstheologisch von der Forderung Barths nach einer Befreiung der Ewigkeit aus dem Gegensatz zur Zeit her und entfalten in ihrer jeweiligen Trinitätstheologie ein spezifisches Interesse an einer Verhältnis-bestimmung von Ewigkeit und Zeit. Es gilt unter Beachtung der spezifischen Ansätze die Entwicklung des jeweiligen trini¬tarischen Ewigkeitsbegriffs zu analysieren. Dabei wird die je unterschiedliche Akzentuierung und Denkstruktur herausgestellt. Insbesondere die zentrale Stellung des Christusereignisses und die Bedeutung der Christologie im Rahmen der Trinitätstheologie für eine Verhältnisbestimmung von Zeit und Ewigkeit sind zu beachten. Überdies kommen mit zwei evangelischen und einem katholischen Autor beide Tradi¬tionen in ihrem Potential und ihrer Unterschiedlichkeit zur Berücksichtigung, was zugleich einen ökumenischen und kritischen Vorteil hat. Trotz der ähnlichen Ausgangspunkte der Gedanken sind das Vorgehen und die Konzepte der drei Theologen jedoch sehr unter¬schiedlich.
Auf der Grundlage dieser Analyse werden die drei Autoren und ihre Entwürfe miteinander ins Gespräch gebracht. Es soll nicht darum gehen einen Vergleich der Begriffe und eine Abwägung der jeweiligen Stärken und Schwächen vorzunehmen. Vielmehr soll die jeweilige Position als Ganze und in ihrer vielfältigen Verknüpfung betrachtet werden. Die sich daraus ergebenden Begrifflichkeiten werden in ihrer Bedeutung und unter Beachtung ihrer jeweiligen Entwicklung miteinander ins Gespräch gebracht. Daraus ergibt sich nicht nur eine vom trinitarischen Gott her verstandene Auffassung von Ewigkeit, sondern gerade das Verständnis der Zeit wird sich entsprechend verändern.

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