Universität Erfurt

Theologisches Forschungskolleg

Tagung mit deutschen und polnischen Theologen: Das Zweite Vatikanische Konzil in Volkskirche und Diaspora

Das Zweite Vatikanum in polnischer Volkskirche und ostdeutscher Diaspora

Tagung des Theologischen Forschungskollegs Erfurt 29.-31. Oktober 2010

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Unter dem Titel „Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in der polnischen Volkskirche und der ost- und mitteldeutschen Diasporakirche“ stand eine wissenschaftliche Tagung, zu der polnische und deutsche Theologen vom 29.-31.10.2010 in Erfurt zusammenkamen.

Nach einer Begrüßung der polnischen Gäste und Tagungsteilnehmer sowie einer kurzen Einführung in die Tagung am Freitagnachmittag durch den Leiter des Theologischen Forschungskollegs, Prof. Dr. Benedikt Kranemann, und den Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt, Prof. Dr. Josef Freitag, beschrieben der Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Helmut Sobezcko, Oppeln, und der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Josef Pilvousek, Erfurt, „das Zweite Vatikanische Konzil als Ereignis der kirchlichen Zeitgeschichte Polens und Deutschlands“. Es wurde deutlich, dass in Polen großes Interesse am Konzil bestand, die Möglichkeiten der Teilnahme durch staatliche Auflagen jedoch beschränkt waren. Die Konzilsbeschlüsse wurden in den beiden Ländern unterschiedlich aufgenommen und umgesetzt – insbesondere im Bereich der Liturgie, wie die beiden Liturgiewissenschaftler Dr. hab. Erwin Mateja, Oppeln, und Prof. Dr. Benedikt Kranemann, Erfurt, in ihren Vorträgen erörterten. Während man in Deutschland sehr schnell die Reformen umsetzte, ging man in Polen sehr viel vorsichtiger und zögerlicher mit den Neuerungen um. Mit dem polnischen Papst Johannes Paul II. erlebte Polen jedoch einen neuen Aufbruch, durch welchen auch die Liturgiereform erstarken konnte.

Einen sehr interessanten und reizvollen Beitrag lieferte die Netzwerkgruppe „Gabe“ unter der Leitung von Dr. Veronika Hoffmann, Systematische Theologin in Erfurt. Das Netzwerk wird durch die DFG gefördert. Sie gab Einblick in ein interdisziplinäres Forschungsfeld mit starker theologischer Beteiligung. Der Genfer Systematiker Prof. Dr. Hans-Christoph Askani machte in seinem Vortrag „Gabe und Rechtfertigung als Thema nachkonziliarer Theologie“ anschaulich, wie sich eine Gabe sowohl seitens des Gebers als auch auf Seiten dessen, der sie bekommt, verhält und zeigte den prozesshaften Charakter auf, in dem sie sich befindet. Eine lebhafte Diskussion schloss sich an, die durch ein Statement des Fundamentaltheologen Prof. Dr. Jürgen Werbick, Münster, eröffnet wurde.

In den Vorträgen der Fundamentaltheologen Prof. Dr. Tadeusz Dola, Oppeln, und Prof. Dr. Michael Gabel, Erfurt, sowie des Philosophen Prof. Dr. Eberhard Tiefensee, Erfurt, zum Thema „Der Umgang mit dem Atheismus (GS 19-21) im polnischen und deutschen Katholizismus“ wurde deutlich, dass sowohl die Ausprägung des Atheismus als auch der Umgang mit ihm in den beiden Ländern sehr unterschiedlich ist. Während der Atheismus insbesondere im Osten Deutschlands weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert sowie von Seiten der Kirchen wahrgenommen ist, macht es die hohe konfessionelle Homogenität der polnischen Gesellschaft nichtreligiösen bzw. atheistischen Menschen schwer, ihren Lebensstil zu leben.

„Aufbrüche in der Moraltheologie? Nachkonziliare Diskussionen in der katholischen Kirche in Polen und Deutschland“ waren die Vorträge des Moraltheologen Dr. Konrad Glombik, Oppeln, und des Sozialethikers Prof. Dr. Christof Mandry, Erfurt, betitelt. Sie machten deutlich, dass durch die zeitlich unterschiedlichen Verläufe der Umsetzung der Konzilien-beschlüsse und die spezifische politische und religiöse Situation Polen heute vor großen Herausforderungen steht, die in Deutschland schon länger diskutiert werden und für welche Prozesse der Aufarbeitung bereits eingesetzt haben.


Die folgenden Arbeitseinheiten boten Doktoranden aus Oppeln und Erfurt die Möglichkeit, ihre Forschungsprojekte zu präsentieren und mit den Tagungsteilnehmern zu diskutieren. Ein Vortrag von Dr. Klaus-Bernward Springer stellte die Ergebnisse des Habilitationsprojekts „Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) als kurmainzer Statthalter in Erfurt 1771/72-1802. Ein Beitrag zur katholischen Aufklärung“ vor. Der Austausch über den unterschiedlichen Zuschnitt von Fragestellungen, der seinen Grund in Gesellschaft und Kirche hat, sowie über die angewendeten Methoden erwies sich als äußerst fruchtbar. Zugleich zeigte sich, dass der theologische Austausch zwischen Polen und Deutschland nur langsam beginnt.

Die Tagung in Erfurt wurde auch genutzt, um weitere Kooperationen zwischen Erfurter Forschungskolleg und Fakultät mit den polnischen Theologen zu planen. Eine nächste Tagung soll im Jahresabstand in Oppeln stattfinden. Gefördert wurde die Veranstaltung in Erfurt durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warszawa.

Marion Dürr

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