Karten des Krieges. Die deutsche Kartographie im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg gilt als der erste große "moderne" Krieg. Er wurde nicht mehr mit "traditionellen" Mitteln geführt, sondern war vor allem auf dem militärischen Sektor von vielfältigen Neuerungen geprägt. Durch die rasante technische Weiterentwicklung der Kriegstechnik wurde er erstmals in allen räumlichen Dimensionen erfahrbar: Der Kampf wurde gleichermaßen über große Distanzen hinweg auf dem Land, in der Luft und unter der Erde geführt. Ihren Niederschlag fand diese neue Raumerfahrung in der Produktion und Rezeption kartographischen Materials. Die neuartige Kriegsführung stellte ferner hohe Ansprüche an die Kartographie, da die Karten in immer kürzeren Abständen aktualisiert werden mussten. Gleichzeitig gaben die Kampfhandlungen, die neuen technischen Möglichkeiten und das große Interesse an dieser Wissenschaft ihr auch neue Impulse, z.B. durch die Möglichkeit von Luftbildaufnahmen. Durch den militärischen Kontakt mit den Kriegsgegnern kam es außerdem immer wieder zum Austausch von Informationen. Das Projekt untersucht die Entwicklungslinien der deutschen Kartographie im Verlauf des Ersten Weltkrieges anhand der Aspekte von Produktion und Konsumption. Dabei stehen vor allem die Fragen nach neuen Produktionsstrukturen, neuen Kartentypen und der Nutzung von Karten im Fokus.

Da die Kartographie nicht nur militärischen, sondern bspw. auch im Geographieunterricht propagandistischen Zwecken dienstbar gemacht wurde, wird dabei auch die  Verlagskartographie in den Blick genommen. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Gothaer Perthes-Verlag, der sowohl national als auch international auf dem Gebiet der Kartographie und Geographie eine Spitzenposition einnahm und sich auch im schulgeographischen Bereich hervortat. An Hand der überlieferten Kartensammlung und der geographischen Schriften des Verlags sollen die Entwicklung der Kartographie unter den Bedingungen des Krieges sowie die Rezeption und Popularisierung militärischen Wissens untersucht werden. Dafür wird insbesondere die Rolle der Schulgeographen analysiert, die sich in der Öffentlichkeit als Experten gerierten und mit Hilfe der Karten militärische Erziehung und propagandistische Deutungen des Krieges in die Klassenzimmer trugen.

Förderung:

Universität Erfurt(Initialisierungsstipendium,2013–2014)
Friedrich-Ebert-Stiftung(seit Oktober 2015)

Bearbeiter: Oliver Kann, M. A.

Bild: Feldpostkarte, Hermann Haack (im Vordergrund sitzend) als Landsturmoffizier, Arlon, Tunnelwache am 27. September 1914 © Sammlung Perthes.