Universität Erfurt

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45. Internationale Ökumenische Konferenz der Hebräischlehrenden in Erfurt: 20. November 2014

Augustinerkloster Erfurt
Augustinerkloster Erfurt

Die Universität Erfurt und das Augustinerkloster sind Veranstaltungsorte der 45. Internationalen Ökumenischen Konferenz der Hebräischlehrenden (IÖKH), die vom 8. bis 10. Mai 2015 in Erfurt stattfinden wird. Zu dieser Konferenz kommen alljährlich etwa 40 bis 50 Teilnehmer zumeist aus Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland zusammen, darunter Hochschullehrer und Dozenten von Universitäten und Kirchlichen Hochschulen wie auch Gymnasiallehrer. Anliegen der Veranstaltung ist neben dem Erfahrungsaustausch über didaktische Belange des Hebräisch-Unterrichts vor allem die Diskussion von Forschungsergebnissen der Hebraistik und ihrer Nachbardisziplinen, wie sie auf anderen orientalistischen Fachveranstaltungen nicht in gleicher Weise ermöglicht werden kann.

Den thematischen Schwerpunkt der Konferenz in Erfurt bildet das Thema „Hebräische Schrift zwischen Juden- und Christentum in Mittelalter und früher Neuzeit“. Für dieses Thema bietet sich die Stadt Erfurt mit ihrem reichhaltigen jüdischen Erbe, zu dem auch ein bedeutendes Textcorpus gehört, geradezu an. Die Thüringer Landeshauptstadt, die das jüdisch-mittelalterliche Erbe kürzlich erfolgreich auf die Tentativliste für die Bewerbung um Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe gebracht hat, konnte als Kooperationspartner für die Konferenz gewonnen werden.

Im Zentrum stehen die schriftlichen Hinterlassenschaften der im Jahr 1453 aufgelösten jüdischen Gemeinde in Erfurt. Es handelt sich zum einen um mehr als 150 Grabsteine vom mittelalterlichen jüdischen Friedhof der Stadt – eines der bedeutendsten Corpora jüdisch-hebräischer Epigrafik dieser Zeit. Das andere, nicht minder bedeutende Textcorpus umfasst 16 hebräische Handschriften aus dem Besitz der Erfurter Gemeinde, die dieser im 14. Jahrhundert vermutlich im Rahmen eines Pogroms geraubt wurden und in den Besitz der Stadt, später der Evangelischen Kirche übergegangen sind. 1880 unter anderem aus konservatorischen Gründen an die Königliche Bibliothek (heute Staatsbibliothek) zu Berlin verkauft, stellt dies die größte erhaltene Sammlung mittelalterlicher Handschriften einer jüdischen Gemeinde in Deutschland dar.

Die von der UNESCO-Beauftragten der Stadt Erfurt unterstützte Erkundung der historischen Orte und Texte wird durch eine Reihe von Vorträgen vorbereitet, für welche renommierte Referenten aus dem In- und Ausland gewonnen werden konnten. Diese Vorträge widmen sich zum einen den beiden genannten jüdischen Textcorpora, ihrer Erforschungsgeschichte und schriftgeschichtlichen Besonderheiten. Zum anderen wird der Gebrauch der hebräischen Schrift durch christliche Gelehrte sowie innerhalb der christlichen Kunst in den Blick genommen – alles vor dem Hintergrund des spannungsreichen Verhältnisses zwischen jüdischer und christlicher Bevölkerung im mittelalterlichen Thüringen. 

Es ist aber nicht  nur das jüdische Erbe, das Erfurt zu einem besonderen Ort für die Konferenz der Hebräischdozenten macht. Auch wissenschaftspolitisch stellt die Erfurter Universität für die Hebraistik eine Besonderheit dar. Seit nunmehr dreieinhalb Jahren existiert an der Katholisch-Theologischen Fakultät eine Mitarbeiterstelle für den Hebräisch-Unterricht – eingerichtet in Kooperation mit der (Evangelisch-)Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Diese in Deutschland bislang einmalige Zusammenarbeit ermöglicht es beiden Universitäten, die Ausbildung im Hebräischen und anderen semitischen Sprachen auf hohem wissenschaftlichen Niveau langfristig abzusichern.

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