Universität Erfurt

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DGPuK-Fachgruppe Gesundheitskommunikation tagt in Erfurt: 14. Juli 2017

Unter dem Titel „Evidenzinformierte | Evidenzbasierte Gesundheitskommunikation“ richtet das Seminar für Medien- und Kommunkationswissenschaft der Uni Erfurt vom 15. bis 17. November die 2. Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe Gesundheitskommunikation auf dem Campus aus. Im Vorfeld der Tagung findet außerdem ein Nachwuchsworkshop statt.

In der Medizin hat sich Evidenzbasierung als Kriterium guter Praxis weitgehend durchgesetzt. Evidenzbasierte Medizin meint dabei den gewissenhaften, ausdrücklichen und vernünftigen Gebrauch der gegenwärtig besten wissenschaftlichen (medizinischen) Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung von Patienten. In der praktischen Umsetzung umfasst dies die systematische Suche nach der relevanten Evidenz für ein medizinisches Problem in der wissenschaftlichen Literatur, die kritische Beurteilung der Evidenz im Hinblick auf ihre Validität nach klinisch-epidemiologischen und methodischen Gesichtspunkten sowie die Bewertung der beobachteten Effektgrößen. In engem Zusammenhang damit stehen auch konkrete Anforderungen an methodische Gütekriterien bis hin zur Formulierung eines methodischen Goldstandards, der Reviews und Meta-Analysen basierend auf randomisierten kontrollierten Experimenten als am höchsten einstuft.

Ähnliche Bestrebungen sind auch in der Gesundheitskommunikation zu beobachten. So wurden unter dem Dach des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin sowohl ein Positionspapier zur „Guten Praxis Gesundheitsinformation“ als auch Leitlinien „Evidenzbasierte Gesundheitsinformation“ entwickelt, die Anforderungen an die Qualität von Gesundheitsinformationen formulieren. Zu den Qualitätskriterien gehören hier etwa Zielgruppeorientierung, Einhaltung inhaltlicher Anforderungen (z. B. Angaben zu Risiken, Behandlungsoptionen, Information zu Unsicherheiten, aber auch Metainformationen wie Offenlegung von Interessen) sowie Regeln zur Darstellung von Häufigkeiten.

Evidenzbasierung oder Evidenzinformierung spielt aber nicht nur im Kontext von Gesundheitsinformation eine Rolle, sondern sollte analog in den Medizin- und Gesundheitsjournalismus oder auch in die Kriterien guter Kampagnengestaltung hineinspielen. Dabei stellt sich die Gesundheitskommunikation nicht nur die Frage, welche Informationen verbreitet werden müssen oder dürfen, sondern vor allem, wie dies so geschieht, dass die Inhalte adäquat wahrgenommen und verarbeitet werden. Welche Kriterien für verschiedene Bereiche der Gesundheitskommunikation relevant sind, ist sicherlich nicht abschließend geklärt, wenn auch gute Ansätze vorhanden sind. Auch stellt sich die Frage, inwieweit psychologisch, sozialwissenschaftlich oder geisteswissenschaftlich geprägte Forschung überhaupt von Evidenzbasierung im Sinne des medizinischen Begriffsverständnisses sprechen kann oder andere Kriterien formulieren muss, die eher in Richtung einer Evidenzinformierung gehen.

Mit diesen und ähnlichen Fragestellungen will sich die 2. Jahrestagung der Fachgruppe Gesundheitskommunikation auseinandersetzen. Sie soll dabei aktueller, besonders innovativer Forschung im Bereich der Gesundheitskommunikation in ihrer gesamten Breite ein Forum bieten.

Aktuelle Informationen zu Organisation und Programm der Tagung können der Tagungswebsite entnommen werden. Bei Fragen steht das Organisationsteam unter der E-Mail-Adresse: geskom2017@uni-erfurt.de zur Verfügung.

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