Universität Erfurt

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Workshop: „In unsern Adern Römerblut“: 13. Juli 2017

Prof. Dr. Kai Brodersen
Prof. Dr. Kai Brodersen

„In unsern Adern Römerblut“ ist ein Workshop zur politischen Nutzung antiker Geschichte in zwei jungen Staaten Osteuropas überschrieben, den die Professur für Antike Kultur (Prof. Dr. Kai Brodersen) am 27. und 28. Oktober an der Universität Erfurt und im Augustinerkloster veranstaltet. Der Workshop wird vom Forum for the Study of the Global Condition gefördert.

Rumänien wird 2018 das 100-jährige Bestehen des heutigen Staates feiern; am 1. Dezember (dem heutigen rumänischen Nationalfeiertag) 1918 hatten sich die mehrheitlich rumänisch besiedelten Territorien Russlands und ÖsterreichUngarns Rumänien dem einzigen modernen Staat, der in seinem Namen einen Bezug zum antike Rom herstellt angeschlossen. Das lange zum “Ostblock” gehörende Land ist seit 2004 Mitglied der NATO und seit 2007 Teil der Europäischen Union. Es nimmt, wie zuletzt die landesweiten Bürgerproteste zeigten, eine klar proeuropäische Haltung ein. 20 Minderheiten sind im heutigen Staat Rumänien anerkannt (zum Vergleich: in Deutschland sind es vier). In mancher Hinsicht kann das heutige Rumänien also als Beleg dafür dienen, dass es einem noch kein Jahrhundert alten Staatsgebilde gelingen kann, beim “nation building” Minderheiten zu integrieren. Welche Rolle spielt dabei der Bezug auf die antike Geschichte?

Ebenfalls einen direkten Kontakt zur antiken Geschichte stellt die in den frühen 1990er-Jahren gegründete Republika Makedonija (FYROM, ejR Mazedonien) in ihrem Namen her, der darauf abhebt, dass das antike Makedonenreich in der heutigen Republika weiterlebe. Auch hier nutzt ein inhomogener junger Staat den Bezug zu einem antiken Globalreich, das als Vorgänger konstruiert wird. Damit einher geht wiederum ein Konflikt mit dem Nachbarn Griechenland, der die Territorialbezeichnung Makedonien und das Erbe Alexanders für sich reklamiert. Angesichts der aktuellen politischen Verhältnisse in Skopje stellt sich die Frage, welche Rolle dieser Bezug auf die antike Geschichte spielt.

Gerade für das Studium der “global condition” wird es also von Vorteil sein, den Antike-Bezügen in diesen beiden Staaten nachzugehen. Wie gelingt es etwa Rumänien, auch angesichts erstarkender Nationalismen in seinen Nachbarländern, Minderheiten und Nationalität zum Wohl der Bevölkerung zu verbinden, und welche Rolle spielt dabei das “Römerblut”? Der stete Rückbezug auf die römische Vergangenheit lohnt auch deshalb eine Diskussion, da das Territorium des heutigen Staates nicht einmal zwei Jahrhunderte zum Römischen Reich gehörte, also im Vergleich zur römischen Präsenz etwa in den Territorien der heutigen Mittelmeerstaaten, aber auch Frankreichs, der BeneluxLänder oder Britanniens, sehr kurz war: Die römische Eroberung zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. unter dem in der Nationalhymne genannten Kaiser Trajan und die Einrichtung einer Provinz führte nämlich nur für etwa sieben Generationen zur römischen Herrschaft, die bereits in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts endete. Was bedeutet es, dass man im 21. Jahrhundert feiert, dass wie der aus dem 19. Jahrhundert stammende Hymnentext angibt “in diesen Adern noch Römerblut fließt”?

Historische Bezüge haben auch dann eine Wirkung, wenn sie letztlich Fiktionen sind. Diese Bezüge zu untersuchen und zu verstehen, kann auch den Missbrauch von Geschichte zu verhindern helfen, und für das Studium der “global condition” kann es zudem hilfreich sein, an konkreten Beispielen, eben denen Rumäniens und der ejR Mazedonien, nicht zuletzt angesichts erstarkender Nationalismen in deren Nachbarländern zu erkunden, wie die politisch so hoch gehaltenen Bezüge zur antiken Geschichte ge- oder auch missbraucht werden; der kontrastierende Vergleich kann dabei den Blick schärfen.

Dass in beiden Fällen ein Bezug auf die ersten “globalen” Reiche – das Alexanders d. Gr. und das Imperium Romanum – gesucht wird, ist kein Zufall und schon insofern eine “Dimension von Globalisierung”. Welche Ansprüche aber leiten sich aus diesen Bezugnahmen ab? In dem explorativen Workshop im Oktober an der Uni Erfurt soll untersucht werden, welche Grundlagen, welche Funktion und welche Folgen der jeweilige Bezug auf die antike Geschichte in Schule und Ausbildung, aber auch in Alltag und Politik hat.

Um Anmeldung zum Workshop bei Prof. Dr. Kai Brodersen (kai.brodersen@uni-erfurt.de) wird gebeten.

Weitere Informationen unter: www.uni-erfurt.de/index.php/?id=45207.

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