Universität Erfurt

Universität Erfurt

Campus Baugeschichte

Die Universität Erfurt residiert in denkmalgeschützten Gebäuden, die überwiegend in den 1950er und frühen 1960er Jahren für ein Lehrerbildungsinstitut errichtet worden waren. 

Bauten für das Pädagogische Institut

  • 1953 wurde das “Pädagogische Institut Erfurt” (PI) gegründet (1965 erhielt es den Namen “Dr. Theodor Neubauer”, 1969 wurde es mit dem PI Mühlhausen zur  “Pädagogischen Hochschule”). Für die Neugründung dieses PI wurde in Erfurt seit 1952 der Campus an der Nordhäuser Straße errichtet:
  • 1952-1954 entstand das Lehrgebäude I (Entwurf: Johannes Saal), ein dreigeschossiger langgestreckter Putzbau mit regelmäßig angordneten hochrechteckigen Fenstern und Walmdach. An dessen Westseite wurde ein Hörsaalanbau errichtet (daran drei Hochrelief-Friese von Hans Walther und Helmut Braun), an der Nordostseite ein zweigeschossiger, teils großflächig mit Travertinplatten verkleideter und mit relieferten Brüstungszonen im Blumen- und Rosettendekor geschmückter Bau für die Bibliothek (heute für Büros und Lehrräume genutzt).
  • 1955-1958 entstanden die Wohnheime I, III (heute Mitarbeitergebäude III) und IV, dreigeschossige Putzbauten mit regelmäßig angeordneten hochrechteckigen Fenstern und Walmdächern, die den Südteil des Campus nach Osten und Westen umschließen. (Das großflächige Wandbild an der Nordfassade des Wohnheims I schuf erst 1969 Herbert Reiher.)
  • 1956-1958 entstand im Zentrum des Campus das Verwaltungsgebäude (Entwurf: Hermann Schmidt und Günter Krummbein), ein zweigeschossiges Gebäude mit E-förmigem Grundriß und flachem Walmdach. Klassizistisch wirken die antikisierende Pilastergliederung und die Kolonnaden.
  • 1956-1961 entstand der große Baukörper des Auditorium Maximum (Entwurf: Hermann Schmidt), ein hoher Rechteckiger Putzbau unter flachem Walmdach über einer Attika.. Das Erdgeschoß ist allseits mit Travertinplatten verkleidet, die oberen Stockwerke sind verputzt und von hohen schmalen Fenstern und Pilastern gegliedert. Mit dem Bau entstand über dem Traufgesims an der Schauseite zur Nordhäuser Straße im Osten eine Figurengruppe von Helmut Braun.
  • 1961 wurde im südlichen Teil des Campus mit dem Wohnheim II (heute Mitarbeitergebäude II) der Campus nach Süden abgeschlossen; der dreigeschossige Putzbau folgt in der Bausprache noch den benachbarten älteren Wohnheimen I, III und IV.

Neue Formensprachen

  • 1958-1962 entstand im Norden des Campus das Lehrgebäude II (Entwurf: Ingo Gerth und Willi Fieting), ein dreigeschossiger Stahlbeton-Skelettbau mit einer Rasterfassade über einem Souterrain; gegliedert werden die Längsseiten der Fassade durch regelmäßig angeordnete quer-rechteckige Fenster. Im Norden sind Hörsäle und Werkstätten angebaut.
  • 1963 wurde der Haupteingang des Campus parallel zur Nordhäuser Straße errichtet: Ein von Säulen getragenes Flachdach verbindet einen zunächst als Buchhandlung genutzten Glaskasten im Süden mit der Pförtnerloge im Norden. Zur Straße hin schmückt den Bau ein aus dem Baujahr stammendes Metall-Wandbild von Heinz Scharr.
  • 1963-1964 wurde das Wohnheim V (heute: Mitarbeitergebäude I) errichtet (Entwurf: Helmut Seeland), ein elfgeschossiger monolithisch wirkender Baukörper mit einer außen angebrachten Fluchttreppe; mit dem Haupteingang ist dieses Hochhaus durch einen eingeschossigen Flachbau verbunden.
  • Seit 1967 entstanden am westlichen Rand des Campus weitere, seither abgerissene Bauten: 1967 eine aus Fertigteilen errichtete Turnhalle (Entwurf: VEB Hochbauprojektierung Erfurt) und 1975 eine V-Station (Entwurf: VEB BMK Süd in Karl-Marx-Stadt) sowie ein zweigeschossiges Mehrzweckgebäude, das dem Neubau der Universitätsbibliothek (s.u.) wich.
  • 1983 wurde die Mensa nördlich an das zentrale Verwaltungsgebäude angebaut  (Entwurf: VEB BMK Erfurt - Industrieprojektierung). Der großflächige Flachbau ist in Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgeführt und durch Wandscheiben und Kassettendeckenplatten ausgesteift.
  • 1987 entstand das Wohnheim Plauener Weg aus zwei zueinander versetzten, durch ein zentrales Treppenhaus verbundenen Gebäudeteilen. Der sechsgeschossige, mit einem Flachdach gedeckte Bau besteht aus Schwerbeton-Platten mit gleichförmig angeordneten, rechteckigen Fenstern.
  • 1988 wurde am Westrand des Campus eine Sporthalle errichtet (Entwurf: G. Rgola und A. Bernat, Wissenschaftlich-Technisches Zentrum [WTZ] für Sportbauten Leipzig) als Stahlkonstruktion mit Außenwänden aus Gasbetonelementen und durchlaufenden Fensterbändern; vorgelagert ist ein eingeschossiger Anbau. Die Sporthalle wurde 2008 erweitert.

Bauten für die Universität Erfurt

  • 1994 wurde die Universität Erfurt wiedergegründet; für sie wurden die denkmalgeschützten Ensemble auf dem Campus des früheren Pädagogischen Instituts bzw. der Pädagogischen Hochschule genutzt. Der erste Neubau für die Universität war der erste (und bisher einzige) Bauabschnitt der Universitätsbibliothek 1995-2000 (Entwurf: Koch und Partner, München; zu weiteren Projekten des Teams gehören das Terminal II des Flughafens München 1998-2003 und das Klärwerk München-Großlappen 2002-2008).
  • 2005 wurde die 1923/24 erbaute Familien-Villa des Erfurter Samenzüchters Franz Martin saniert und als Villa Martin der campus-nahe Sitz der Theologischen Fakultät.
  • 2010 wurde die Außenfassade des Hochhauses auf dem Campus der Universität Erfurt saniert. Dabei wurde der für das Fluchttreppenhaus neu errichtete Anbau an der Fassade mit einer Photovoltaik-Anlage versehen.
  • 2014 wurde mit dem Bau des Kommunikations- und Informationszentrums begonnen, in dem das Universitätsrechen- und Medienzentrum (URMZ) und zwei Veranstaltungssäle untergebracht sind. Das URMZ zog 2016 ein, die Hörsäle stehen seit 2017 für (Lehr-)Veranstaltungen zur Verfügung.

Bau für das Studentenwerk Thüringen auf dem Campus

  • 2014 wurde das Max-Kade-Haus auf dem Campus eingeweiht; es bietet Wohnraum für 50 Studierende und beherbergt das "Campus-Kinderland" mit Betreuungsplätzen für 80 Kinder.

Quellen: Günther Lucke, Anlage zur Eintragung in die Denkmalliste, Az. EF EIN 1 L 09-013 (1993); St. Burucker, Projekt 31: Pädagogische Hochschule Erfurt, in: J. Behrens, M. Mann, B. Zimmermann (Hgg.), Architektur in Erfurt von den 20ern bis zur Gegenwart. Erfurt: VHT 1999, 76-81; eigene Recherchen.

Kai Brodersen

Weitere Texte und Bilder einer Ausstellung zur Campus-Geschichte finden Sie bei der Ausstellung "Campus 1952-2009".

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