27. Jul 2022, 18:00 Uhr | Philosophische Fakultät, SPF Wissen. Räume. Medien., Sprachenzentrum

Entfällt: Zur Bedeutung deutscher Wörter im Texas-Deutschen

Veranstaltungsort
Senatssaal der Universität (Mitarbeitergebäude)
Veranstalter
Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. (Zweigstelle Erfurt) in Zusammenarbeit mit der Professur für Germanistische Sprachwissenschaft
Referent(en)
Prof. Dr. Hans C. Boas
Veranstaltungsart
Vortrag
Publikum
öffentlich

Die Veranstaltung entfällt krankheitsbedingt.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. (Zweigstelle Erfurt) lädt in Zusammenarbeit mit der Professur für Germanistische Sprachwissenschaft der Universität Erfurt Interessierte herzlich zum Vortrag von Prof. Dr. Hans C. Boas (University of Texas at Austin, Humboldt-Forschungspreisträger der Universität Erfurt) ein.

Was lässt sich über das kollektive Sach- und Sprachwissen einer Sprechergemeinschaft lernen, wenn es keine Wörterbücher gibt, die dieses Wissen erfassen? Dieser Vortrag beschreibt ein Vorhaben, welches sich zum Ziel gesetzt hat, ein Wörterbuch des Texas-Deutschen zu entwickeln. Texas-Deutsch ist ein seit den 1830er Jahren in Zentraltexas gesprochener deutscher Mischdialekt, der noch heute von mehreren tausend Nachfahren deutscher Einwanderer in der 5. und 6. Generation gesprochen wird.

Der erste Teil des Vortrags fasst die Geschichte der deutschen Einwanderung in Texas zusammen und zeigt, wie sich das Texas-Deutsche seit den 1830er Jahren entwickelt hat und warum es in den nächsten 15 Jahren aussterben wird. Es folgt ein kurzer Überblick über den Arbeitsablauf des Texas German Dialect Projects (www.tgdp.org), welches seit 2001 mehr als 850 Sprecher des Texas-Deutschen interviewt hat und die Interviews mit Transkriptionen und Metadaten in einem Onlinearchiv gespeichert hat.

Der zweite Teil des Vortrags fasst zusammen, wie sich Sprecher des Texas-Deutschen im 21. Jahrhundert selbst und andere identifizieren und definieren. Eine Analyse des Gebrauchs von unterschiedlichen texas-deutschen Wörtern wie Deutsche, Amerikaner, Ausländer, Indianer, schwarze Leute und Indianer zeigt, dass sich deren Bedeutungen z.T. erheblich von den Bedeutungen im Hochdeutschen unterscheiden. Um diesen Bedeutungsunterschied besser verstehen zu können wird gezeigt, wo bzw. wie diese Wörter ihren Ursprung in der deutschen Einwanderergesellschaft im 19. Jahrhundert hatten. Ein Vergleich von unterschiedlichen Quellen wie z.B. deutschsprachigen texanischen Zeitungen, Briefen, Tagebüchern, und Literatur zeigt die unterschiedlichen Ursprünge dieser Wörter auf. Dieser Vergleich lässt eine Reihe interessanter Rückschlüsse auf die zeit- und gruppenübliche Weltbildkonstitution der texas-deutschen Sprachgemeinschaft im 19. Jahrhundert zu, welche wiederum maßgeblich für den heutigen Sprachgebrauch sind.

Der dritte Teil des Vortrags skizziert einen Plan, wie in den nächsten Jahren ein Wörterbuch des Texas-Deutschen konzipiert und umgesetzt werden soll.

Zur Person:
Hans C. Boas ist der Raymond Dickson, Alton C. Allen, and Dillon Anderson Centennial Professor im Department of Germanic Studies der University of Texas at Austin. Seine Forschungsschwerpunkte beinhalten Syntax, Semantik, Pragmatik, Sprachkontaktforschung, Computerlexikographie, Dokumentation bedrohter Sprachen u. Dialekte und kontrastive Linguistik. Im Jahr 2001 gründete er das Texas German Dialect Project (www.tgdp.org), welches die Dokumentation und Erforschung des Texas-Deutschen zum Ziel hat. Von 2012-2020 war er der Direktor des Linguistics Research Center und seit 2018 ist er der Institutsvorsitzende des Department of Germanic Studies an der University of Texas at Austin. (Webseite: https://sites.la.utexas.edu/hcb/)