16. Nov 2021, 18:00 Uhr | Campus Gotha, Forschungskolleg Transkulturelle Studien

Die geraubten Objekte Tewodoros aus Magdala

Veranstaltungsort
online
Reihe
Tuesday Talks
Veranstalter
Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes
Referent(en)
Peter Gaehtgens (Berlin)
Veranstaltungsart
Vortrag
Publikum
öffentlich

Online-Vortrag von Peter Gaehtgens (Berlin) im Rahmen der Reihe "Tuesday Talks" im Wintersemester 2021/22 am Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Sammlungs- und Forschungsverbund Gotha / Gotha Transdigital 2027, Modellprojekt „Exemplarische Erschließung der Ethnographica“ und der Forschungsinitiative „Wissensdinge“ statt.

Beitragsbild

Zum Vortrag

Magdala 1868 war ein ‚Mini-Ereignis‘ in der Geschichte des imperialistischen Wettbewerbs der europäischen Mächte, dessen Echo im Orient auch das Osmanische Reich mit seinem Satelliten Ägypten erfaßte sowie, am Rande, das christliche Abessinien: Die Geschichte Äthiopiens liefert dazu nur den regionalen Hintergrund: 1855 hatte der militärisch begabte Kassa Hailu aus der Provinz Quara die kaiserliche Macht übernommen - und mit dem Krönungsnamen Tewodros die politische Vision der Einigung des in Konflikten zwischen Feudalherrschern zerfallenen Reichs. Auslösend für Magdala 1868 aber war die Arrestierung des englischen Konsuls und einiger anderer Europäer - eine Reaktion auf ausbleibende Antworten auf seine Bittschreiben an Queen Victoria um militärische Unterstützung gegen den Islam.

Diese Provokation stellte die Regierung des englischen Weltreichs vor eine knifflige Entscheidung: Die Jahre der Palmerston’schen Kanonenbootpolitik waren vorbei, die Reputation der englischen Truppen nach Krimkrieg und Sapoy-Revolte angeschlagen. Aber Napoleons ägyptisches Abenteuer und die Erfahrung der Kontinentalsperre hatten die Verletzlichkeit der wichtigen Handelswege nach Indien gezeigt und so beschloß London eine militärische Lösung: Die Bombay Army und Ltn.-General Sir Robert Napier als Oberkommandierender wurden mit der Befreiung der Gefangenen beauftragt.

Der Vortrag wird Aufwand und Ergebnis dieser Militärunternehmung schildern - Eroberung von Magdala, Tewodros‘ Selbstmord und Plünderung seiner ungewöhnlichen Sammlung von abessinischem Kulturgut - und Themen für die weitere Forschung herausstellen, darunter vor allem Probleme einer Rekonstruktion der heute in Museen der ganzen Welt zerstreuten Sammlung von Tewodros II.

Informationen zur Reihe

Unter dem Titel „Tuesday Talks“ gibt es im Wintersemester 2021/22 ab dem 12. Oktober immer dienstags Vorträge mit Diskussion. Die Reihe entstand in Kooperation mit der Erfurter Professur für Wissenschaftsgeschichte, dem Göttinger Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, der Forschungsinitiative „Wissensdinge“, der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und dem Sammlungs-und Forschungsverbund Gotha / Gotha Transdigital 2027. Die Gäste dürfen sich auf spannende Themen freuen, die die vielfältigen Interessens- und Forschungsbereiche des Kollegs aufgreifen.

Beginn ist jeweils um 18 Uhr. Zur Anmeldung senden Sie bitte eine E-Mail an: Mail an: fkts.gotha@uni-erfurt.de

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