Evaluation von Studium und Lehre

Das Evaluationssystem der Universität Erfurt hat zum Ziel, Stärken und Schwächen der einzelnen Studienprogramme zu ermitteln, den Fakultäten Feedback hinsichtlich der Wahrnehmung und Umsetzung von Studienqualität zu geben, aber auch den einzelnen Lehrenden eine Rückmeldung zur eigenen Lehrveranstaltung zu ermöglichen, um mit den Studierenden in ein Feedback-Gespräch zu gehen. Somit ermöglichen die Verfahren den Fakultäten, Fächern und Lehrenden die kontinuierliche Bilanzierung ihrer Leistungen und helfen dabei, die Qualität in Studium und Lehre zu sichern und Entwicklungspotenziale zu identifizieren und auszubauen.

Die Befragungen werden entlang eines idealtypischen studentischen Lebenszyklus durchgeführt. Die Studierenden werden in der Eingangsphase ihres Studiums (Studienanfangsbefragung), während des Studiums (Systemevaluation) sowie in verschiedenen Phasen ihrer Berufstätigkeit (Absolvent*innenbefragung) befragt. Darüber hinaus finden in jedem Semester Evaluationen von Lehrveranstaltungen statt. Alle Erhebungen der jeweiligen Evaluationsverfahren werden mit einheitlichen Instrumenten und Verfahrensweisen durchgeführt, um hochschulweit sowie über mehrere Jahre hinweg eine entsprechende Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Den rechtlichen Rahmen zur Umsetzung der Evaluationsverfahren bildet die Evaluationsordnung der Universität Erfurt.

Lehrveranstaltungsevaluation

Durch die semesterweise Lehrveranstaltungsevaluation (LVE) haben die Studierenden die Möglichkeit, den Lehrenden auf anonymisierte Weise eine konstruktive Rückmeldung bzgl. der Qualität der entsprechenden Lehrveranstaltung (LV) zu geben. Die Studierenden werden dafür u. a. zur Konzeption, zum Ablauf und zur Organisation der Lehrveranstaltung, zur Art und Weise der Vermittlung des Lehrstoffs, zum Engagement der Lehrperson sowie zur Betreuungssituation und zum Studienaufwand befragt.

Ziel und Zweck

Die LVE stellt vorrangig ein Feedback-Instrument für die Lehrenden zur Qualität der LV dar. Ziel und Zweck ist, den Lehrenden eine studentische Rückmeldung zu organisatorischen und didaktischen Aspekten ihrer LV bzw. Lehrtätigkeit zu geben, um diese bei Bedarf weiterentwickeln zu können. Die Lehrenden sind angehalten, diese Ergebnisse in der LV zurückzumelden und mit ihren Studierenden ein Feedback-Gespräch zu führen sowie die eigene Lehrkompetenz kritisch zu reflektieren (§ 13 Abs. 1 Evaluationsordnung).

Auswahl von Lehrveranstaltungen

Zur LVE werden LV vorgesehen, die von mindestens fünf Studierenden besucht werden und die zu den LV-Arten gehören, die an der Universität Erfurt evaluiert werden (zurzeit Vorlesungen, Seminare, Übungen und Sprachkurse). Von den LV einer Lehrperson wird nach folgendem Verfahren eine zur LVE vorgesehen:

  • Führt eine Lehrperson nur eine LV durch, wird diese zur Evaluation vorgesehen.
  • Führt eine Lehrperson mehr als eine LV durch, wird mittels einer Zufallsauswahl eine ausgewählt und die Lehrperson darüber informiert.

Eine Lehrperson kann eigene LV, die zusätzlich evaluiert werden sollen, unter evaluation@uni-erfurt.de zur LVE anmelden. Hierzu wird der LV-Titel und die LV-Nummer benötigt.

Die Studiendekan*innen der Fakultäten (in Absprache mit der Studienkommission), die Studiendirektorin bzw. der Studiendirektor der ESE, die Leiterin bzw. der Leiter des Sprachenzentrums sowie der StuRa können in begründeten Fällen LV zur LVE anmelden. Die Lehrperson wird darüber informiert.

LV der Staatswissenschaftlichen Fakultät werden vollumfänglich zur Evaluation vorgesehen.

Ablauf

Die LVE erfolgt in jedem Semester im zweiten Drittel der Vorlesungszeit. Die Studierenden erhalten automatisch eine E-Mail zur Online-Befragung, wenn

  • sie eine LV belegt haben,
  • die LV insgesamt von mindestens 10 Studierenden belegt wurde und
  • per Zufallsauswahl oder Anmeldung zur LVE vorgesehen wurde.

Die Lehrenden erhalten vor dem Befragungszeitraum Papierfragebögen, wenn

  • die LV insgesamt von fünf bis neun Studierenden belegt wurde und
  • per Zufallsauswahl oder Anmeldung zur LVE vorgesehen wurde.
  • Die Fragebögen sollen von den Studierenden während der LV ausgefüllt  werden.

Nach dem Befragungszeitraum erhalten die Lehrenden einen automatischen Bericht über die Evaluationsergebnisse ihrer LV, sofern mindestens fünf Rückmeldungen vorliegen.

Ergebnisse

Neben den Ergebnisberichten für die Lehrenden erhalten die jeweiligen Studiendekan*innen der Fakultäten sowie die Leitung der Willy Brandt School of Public Policy der Universität Erfurt einen aggregierten Gesamtbericht über die evaluierten Lehrveranstaltungen im jeweiligen Bereich. Darüber hinaus erhalten sie sowie die Leitung der Erfurt School of Education und des Sprachenzentrums Zugriff auf die Einzelberichte pro Lehrperson. Diese für die Lehre verantwortlichen Personen sollen bei Bedarf mit den Lehrenden ihrer Bereiche, deren Veranstaltungen evaluiert worden sind, Gespräche zur Qualität der Lehrveranstaltung führen.

Weiterentwicklung

Mit dem Ziel, die Lehrveranstaltungsevaluation an der UE inhaltlich und verfahrenstechnisch weiterzuentwickeln, hat sich am 27. Januar 2020 unter der Leitung des Vizepräsidenten für Studienangelegenheiten, Herr Prof. Dr. Gerd Mannhaupt, die AG Evaluation mit Vertreter*innen der Fakultäten, des Sprachenzentrums und der Studierenden gegründet.

FAQ

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur LVE.

Studienanfangsbefragung

Zu Beginn des Studiums werden die Studienanfänger*innen der Bachelor- und Master- bzw. Magister-Studiengänge zur Studienanfangsbefragung eingeladen. Erfragt werden bspw. die Informationsquellen für die Entscheidung zum Studium an der Universität, die persönlichen Motive bei der Aufnahme des jeweiligen Studiums sowie Informationen zum Übergang von der Schule an die Hochschule.

Ziel und Zweck

Ziel und Zweck dieser Befragung ist u. a., das Hochschulmarketing zu verbessern und den Studiengängen Informationen zu den Studienmotiven ihrer Studierenden zur Verfügung zu stellen sowie ein Bild darüber zu erlangen, ob Studierende direkt von der Schule an die Hochschule kommen oder bereits eine Ausbildung absolviert haben.

Ablauf

Die Befragung erfolgt papierbasiert im Rahmen der Studieneinführungstage (STET) und wird gemeinsam mit der Stabsstelle Hochschulkommunikation durchgeführt. In der letzten Woche vor Vorlesungsbeginn des Wintersemesters werden im Rahmen der Einführungsveranstaltungen Papierfragebögen an alle Erstsemesterstudierenden ausgegeben. Als Dankeschön für das Ausfüllen des Fragebogens erhalten die Studienanfänger*innen ein kleines Geschenk. Haben mindestens fünf Befragte pro Studiengang teilgenommen, erhalten die Studiengangverantwortlichen die studiengangspezifischen Ergebnisse.

Ergebnisse

Ergebnisse werden u. a. themenspezifisch ausgewertet, bspw. für die Hochschulkommunikation, für das Internationale Büro, für das Büro der Gleichstellungsbeauftragten, sowie den Studiengängen zur Verfügung gestellt.

An der Befragung 2019 haben 1.730 Studierende teilgenommen. Dies entspricht einer Beteiligungsquote von 86 Prozent aller Studierenden im ersten Fachsemester des Wintersemesters 2019/20. In einer Infographik haben wir ausgewählte aggregierte Ergebnisse zusammengestellt.

Systemevaluation

Bei der Systemevaluation werden von den Studierenden im dritten Fachsemester u. a. Daten zur Zufriedenheit mit den Studienbedingungen, mit den zentralen Rahmenbedingungen, mit den zentralen Service- und Beratungsleistungen sowie zu den persönlichen Studienbedingungen erfragt.

Ziel und Zweck

Die Systemevaluation dient dazu, die Studien- und Rahmenbedingungen (a) auf Studiengangsebene und (b) auf der Ebene der Hochschule sowie (c) die persönliche Situation der Studierenden zu erfassen. Sie soll für die Studiengänge als auch für zentrale Einrichtungen der Hochschule Problemfelder im Studium identifizieren, um Aspekte für die Weiterentwicklung abzuleiten.

Ablauf

Studierende im zweiten Studienjahr werden per E-Mail zur Online-Befragung eingeladen. Diese wird jährlich im März durchgeführt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse werden von der Stabsstelle QM aufbereitet und im zentralen Ausschuss für Studienangelegenheiten vorgestellt sowie an die Studiengänge übermittelt.

Absolvent*innenbefragung

Mit der zentalen Befragung der Absolvent*innen werden einerseits Informationen zur Beurteilung von Studienaspekten und Studienbedingungen sowie zur Förderung von Kompetenzen während des Studiums erhoben. Andererseits werden folgende persönliche Situationen zum Verbleib genauer erfasst: Weiterführendes bzw. weiteres Studium oder Promotion nach einem Bachelor- oder Master-Studium sowie jeweilige Gründe dafür; Erwerbstätigkeit mit Dauer und Modi der Erwerbssuche; Passung von Studium und Beruf; Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten des Berufs sowie Anwendung von im Studium erworbenen Kompetenzen.

Ziel und Zweck

Ziel und Zweck dieser Befragung ist, den Studiengängen und der Universität retrospektive Einschätzungen zu liefern, anhand derer sie die Studien- und Rahmenbedingungen verbessern können, sowie einen Einblick zu erhalten, wie sich der Werdegang der Absolvent*innen nach einem erfolgreich abgeschlossenen
Studium gestaltet.

Ablauf

Die Befragung findet online etwa ein Jahr nach erfolgreichem Studienabschluss statt. Hieraus ergeben sich zwei Befragungszeitpunkte pro Jahr: Von Dezember bis Februar erfolgt die Befragung der Absolvent*innen eines Wintersemester und von April bis Juni die Befragung der Absolvent*innen eines Sommersemesters. Per E-Mail werden alle Absolvent*innen eines Semesters eingeladen und mehrfach an die Befragung erinnert. Zusätzlich findet eine postalische Einladung nach der ersten Erinnerung statt. Am Ende der Befragung werden die Befragten gebeten, ihre private E-Mail-Adresse für weitere Befragungen anzugeben. Diese Befragungen sollen ein detaillierteres Bild zum beruflichen Werdegang und Verbleib liefern.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Absolvent*innenbefragung werden den Studiengängen übermittelt und stellen eine weitere Grundlage für deren Qualitätssicherung und -entwicklung dar. Darüber hinaus werden die Ergebnisse im zentralen Ausschuss für Studienangelegenheiten vorgestellt, um universitätsweite Verbesserungsbedarfe zu identifizieren. Weiterhin werden Ergebnisse in aggregierter Form an dieser Stelle veröffentlicht. Ausgewählte und zusammengefasste Ergebnisse der Befragung 2018 haben wir in einer Infographik aufbereitet.

Qualitative Evaluation

Qualitative Evaluationen eignen sich hervorragend als Ergänzung zu den häufig bereits etablierten quantitativen Befragungen. Die moderierten Feedbackmethoden ermöglichen eine strukturierte Reflexion und neue Perspektiven, sie erhöhen die Bereitschaft der Befragten, sich an Qualitätssicherungsprozessen zu beteiligen.

Ziel und Zweck

Besonders geeignet ist dieser Ansatz z. B. für Veranstaltungen bzw. Studiengänge, die zu klein oder zu speziell für klassische Evaluationsverfahren sind. Ebenso profitieren Lehrende, die bereits längere Zeit eine Veranstaltung durchführen und diese kritisch reflektieren wollen. Der qualitative Zugang ermöglicht weiterhin für Lehrende mit geringer Lehrerfahrung ein tiefergehendes Feedback, besonders bei Veranstaltungen, die neu konzipiert oder in denen neue Methoden oder Inhalte ausprobiert wurden. Darüber hinaus können die hier vorgestellten Methoden auf anderen Ebenen der Lehre (z. B. Module oder Studiengänge im Rahmen des Qualitätsdialogs der Internen Akkreditierung) aber auch in Forschung und Verwaltung Anwendung finden.

Ablauf

Lehrende, Studiengangsverantwortliche u. a. können Bedarf für die qualitative Evaluation anmelden und legen gemeinsam mit der Moderation der Evaluation die inhaltlichen Schwerpunkte sowie die Ausgestaltung der Moderation fest. Die Stabsstelle QM ist für die Schulung und Zuweisung der Moderator*innen verantwortlich sowie für die Übermittlung des schriftlichen Berichts der Moderator*innen an die Lehrenden bzw. Studiengangsverantwortlichen.

Methodensammlung

Der hier angewendete Ansatz zur qualitativen Evaluation im Hochschulkontext wurde von einer Arbeitsgruppe des Netzwerks Qualitätssicherung an Thüringer Hochschulen entwickelt. Die Arbeitsgruppe hat außerdem das dazugehörige Coachingkonzept für Moderator*innen sowie die umfangreiche, nutzerorientiert aufbereitete Sammlung von Evaluationsmethoden erstellt, die Sie hier herunterladen und auch selbstständig anwenden können: Methodensammlung.

Das Netzwerk wurde gefördert vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft. Unter folgendem Link finden Sie weitere Informationen: https://www.tlpk.de/netzwerke/netzwerk-qualitaetssicherung-an-thueringer-hochschulen/.

Kontakt

Christian Reimann
Christian Reimann
Mitarbeiter Qualitätsmanagement / Evaluation
(Qualitätsmanagement in Studium und Lehre)
Verwaltungsgebäude / Raum 1.34