Handschriften, Inkunabeln, Alte Drucke

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Bibliotheca Amploniana

Im Jahre 2001 übernahm die wiedergegründete Universität Erfurt die historischen Handschriften- und Buchbestände der Stadt Erfurt als Depositum. Den Kern der Sammlung bildet die Bibliotheca Amploniana, die Ende des 14. Jahrhunderts entstand. Sie gilt heute als weltweit größte private spätmittelalterliche Gelehrtensammlung.

Neben der Bibliotheca Amploniana gelangten im Laufe der Zeit weitere Handschriften,gedruckte Bücher,  Nachlassstücke, Akten und Archivalien, z.B. aus der alten Universitätsbibliothek, den säkularisierten Erfurter Klöstern, von Erfurter Vereinen, Institutionen und Privatpersonen, in die Königlich Preußische Bibliothek bzw. nach 1908 in die Stadtbücherei Erfurt.

Diese historischen Bestände werden in der Sondersammlung der Universitätsbibliothek Erfurt verwahrt, systematisch nach modernen Kriterien erschlossen, katalogisiert, restauratorisch betreut und den Nutzern im Sonderlesesaal bereitgestellt.

Weitere Handschriften

Erfurter Handschriften, Codices Erfordenses

Neben der Bibliotheca Amploniana gelangten weitere Handschriften, Nachlassstücke, Akten und Archivalien aus der alten Universitätsbibliothek, verschiedenen Erfurter Klöstern, Vereinen, Institutionen und von Privatpersonen zunächst in die Königlich Preußische Bibliothek zu Erfurt, ab 1908 in den Besitz der Stadt Erfurt und wurden als so genannte Codices Erfordenses (CE.) getrennt von der Amploniana aufgestellt. Im Zuge der Übergabe der historischen Handschriften- und Buchbestände der Stadt Erfurt als Dauerleihgabe an die Universität Erfurt wurden einzelne Teile in das Stadtarchiv Erfurt überführt. Die Sammlung in der Universitätsbibliothek umfasst heute 514 Bände. Unter den Codices Erfordenses finden sich  28 mittelalterliche Handschriften, die in einem 2005 publizierten Katalog online nachgewiesen sind. Außer den 28 mittelalterlichen Handschriften stammen die Codices Erfordenses überwiegend aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. Besonders hervorzuheben sind die Stammbücher adeliger Familien, vier hebräische Schriftrollen, zwei südindische Palmblatthandschriften und ein babylonisches Tontäfelchen. Hinzu kommen 82 historische Bibliothekskataloge und die als Depositum aus Privatbesitz im Jahre 2003 übergebene Krafftsche Chronik. Die neuzeitlichen Codices Erfordenses sind in einem handschriftlichen Katalog verzeichnet. Die Handschriften sind nach Voranmeldung im Sonderlesesaal der Universitätsbibliothek zu benutzen.

Handschriftenfragmente

Neben den Handschriften der Bibliotheca Amploniana und den Codices Erfordenses bewahrt die Universitätsbibliothek gesondert mehr als 370 nummerierte Handschriftenfragmente. Die Fragmente stammen aus den Codices Amploniani und Erfordenses, sowie den Inkunabeln und den historischen Drucken des 15. bis 18. Jahrhunderts. Das älteste Stück lässt sich in das 6. Jahrhundert datieren. Zu einem Teil der Fragmente gibt es im " ...Verzeichniss der Amplonianischen Handschriftensammlung zu Erfurt" von Wilhelm Schum (Seiten 953-956, 991-1008) kurze Beschreibungen bzw. Hinweise. Darüber hinaus ist eine Kartei der Handschriftenfragmente vorhanden, die nach den Signaturen der Trägerbände geordnet ist und Angaben zur genauen Fundstelle, dem Beschreibstoff und der Größe enthält. Etwa ein Fünftel der Fragmente wurde bisher in noch unvollständiger Form neu katalogisiert. Die Fragmente sind nach Voranmeldung im Sonderlesesaal der Universitätsbibliothek zu benutzen.

Musikhandschriften

Die Musikhandschriften der UB Erfurt sind im Répertoire International des Sources Musicales (RISM) verzeichnet (Bibliothekssigel D-EFU).

Inkunabeln und Alte Drucke

Inkunabeln

Die Universitätsbibliothek Erfurt bewahrt neben Handschriften und historischen Drucken des 16. - 19. Jahrhunderts auch 639 Bände mit Inkunabeln. Diese Frühdrucke stammen aus dem Collegium Amplonianum, aus ehemaligen Klosterbibliotheken, aus der alten Universitätsbibliothek sowie aus der Schenkung des kurmainzischen Statthalters Philipp Wilhelm von Boineburg.

Die Inkunabeln sind über den Online-Katalog und das Suchportal Discovery recherchierbar und können im Sonderlesesaal eingesehen werden.

Erfurter Buchillustrationen – von den Anfängen bis 1520

Als Johannes Gutenberg um 1455 seine Bibel druckte und damit dem Buchdruck mit beweglichen Lettern zum Durchbruch verhalf, war der Druck von Bildern – als Holzschnitt oder Kupferstich – bereits seit mehreren Jahrzehnten üblich. Während sich Gutenberg auf die Texte beschränkte, fügte schon um 1460 der Bamberger Peter Pfister seinen Drucken Holzschnitte hinzu; einige Jahre später wurde dann ein beträchtlicher Teil der gedruckten Bücher mit Illustrationen versehen.
Durch die Digitalisierung vieler historischer Drucke – auch die Universitätsbibliothek Erfurt hat im Jahr 2019 etwa 70 teilweise nur hier vorhandene Drucke des 16. Jahrhunderts digitalisiert und wird diese Arbeit hoffentlich in Zukunft fortsetzen können – werden viele dieser Abbildungen zum ersten Mal für die Forschung leicht zugänglich. Allerdings gibt es bisher, vor allem für die Zeit nach 1500, nur wenige Kataloge, mit denen man etwa Buchillustrationen mit einem bestimmten Motiv finden könnte.
Um ein Beispiel für die Entdeckungen zu geben, die ein solcher Katalog an den Tag bringen kann, wurden zwischen Oktober 2018 – März 2020 systematisch Bilder aus Erfurter Drucken von den Anfängen (der erste gut datierbare illustrierte Druck aus Erfurt ist ein  Almanach für das Jahr 1491) bis zum Jahr 1520 gesammelt. Erfurt war dafür gut geeignet, da die hier produzierten Drucke der Menge nach noch überschaubar, aber thematisch divers sind (vor allem Universitätsschriften, deutsche unterhaltende Literatur und Andachtsbücher). Ein Nachteil der Erfurter Drucke ist jedoch, dass viele von ihnen sehr selten und noch nicht digitalisiert sind. Es wird also hoffentlich in einiger Zeit noch ein Nachtrag erfolgen.
Die Bilder wurden in der Warburg Institute Iconographic Database katalogisiert; dort kann man auch ungewöhnliche Bildthemen durch eine komplexe ‚Baumstruktur‘ gut auffindbar einzuordnen.

Da diese Datenbank momentan noch wenig Möglichkeiten zur Suche etwa nach einzelnen Druckern bietet, wurde zusätzlich ein Verzeichnis aller identifizierten Erfurter Drucke bis zum Jahr 1520 als PDF-Datei angelegt. Die Links in der rechten Spalte führen zur Bilderschließung in der Warburg Database, dort sind die Datensätze dann ihrerseits mit den Digitalisaten der einzelnen Ausgaben verlinkt. Die Liste umfasst insgesamt 437 Ausgaben, von denen 233 illustriert sind, von 154 lagen Digitalisate oder andere Reproduktionen der Bilder vor. Über 750 Bilder wurden in die Datenbank aufgenommen.

Bearbeiter: Berthold Kreß PhD
Stellvertretender Leiter, Staats- und Stadtbibliothek Augsburg / Associate Fellow, The Warburg Institute / Wissenschaftlicher Volontär an der Universitätsbibliothek Erfurt Oktober 2018 - März 2020 (Stand: März 2020)

Alte Drucke

Die circa 45.000 alten Drucke der Universitätsbibliothek stammen aus zwei Dauerleihgaben (Depositum der Stadt Erfurt; Depositum der ehemaligen kirchlichen Hochschule Naumburg).

Die Drucke des Depositums Erfurt kommen hauptsächlich aus Erfurter Kloster- und Schulbibliotheken, aus der Bibliotheca Amploniana, den Bibliotheken zweier kurmainzischer Statthalter sowie aus der Bibliothek der alten Universität (Provenienzen). Zur Dauerleihgabe zählen auch Leichenpredigten des 16. bis 18. Jahrhunderts auf Bürger Erfurts und des Erfurter Gebietes und etwa 2.000 Dissertationen vor allem der alten Universität Erfurt.  

Ein großer Teil der alten Drucke ist  im  Online-Katalog und im Suchportal Discovery nachgewiesen. Die Katalognachweise der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (VD17) enthalten zusätzlich Abbildungen von Schlüsselseiten. Die Drucke des 16. und des 18. Jahrhunderts (VD16 bzw. VD18) werden derzeit online erfasst. Generell sind alle alten Drucke in  handschriftlichen bzw. Zettelkatalogen nachgewiesen. Sie können im Sonderlesesaal der Universitätsbibliothek eingesehen werden.

Erfurter Buchillustrationen – von den Anfängen bis 1520

Zum Projekt
Weitere Informationen siehe Inkunabeln