Universität Erfurt

Geschichtswissenschaft

2015

Exkursion nach Venedig

Für die Studierenden der Masterstudiengänge Geschichtswissenschaft und Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte leitete Dr. Evelyn Korsch im Sommersemester 2015 das Seminar „Die Handelsrepublik Venedig im 16. Jahrhundert“. Dieses fand vom 12. bis 18. Juli 2015 in Venedig, dem Ort, um das sich das gesamte Seminar dreht, statt. Die fünf Tage, die die Exkursion umfasste, waren mit den verschiedensten Aspekten der venezianischen Geschichte gespickt.

Am Montag, den 13. Juli, fuhren wir mit dem Zug nach Padua, um uns dort mit Dr. Andrea Caracausi vom Dipartimento di Scienze Storiche, Geografiche e dell'Antichità (Abteilung für Geschichtswissenschaft und geographischen Wissenschaften sowie der antiken Welt) der Universität Padua zu treffen. Wir nahmen an einer Führung durch die alte Universität teil, und am Nachmittag folgte ein Workshop zur Handelsgeschichte. In diesem stellte sowohl Dr. Evelyn Korsch ihr aktuelles Projekt zur armenischen Diaspora und zum Luxushandel in Venedig als auch Stefania Montemezzo (Universität Bologna) ihre Recherchen zu den venezianischen Händlern in der Renaissance vor. Abschließend präsentierte Prof. Dr. Salvatore Ciriacono (Universität Padua) die Verknüpfungen zwischen Europa und Guangdong durch die Seidenproduktion und den Handel mit diesen Produkten.

Der Dienstag begann mit einer Führung im Staatsarchiv durch Dr. Alessandra Schiavon. Als Nächstes begaben wir uns zur Rialto-Brücke, von der aus man eine wunderbare Aussicht auf den Fondaco dei Tedeschi, das ehemalige Handelshaus der deutschen Kaufleute in Venedig, hat. Die Funktion und Geschichte des Gebäudes bis hin zur heutigen Nutzung wurde von mir (Lisa Woop) in einem Referat vorgestellt. Viola Tronja Baser stellte anschließend auf dem Vorplatz vor der Brücke das Bankwesen, die Goldschmiede und die Juweliere vor, die am Rialto ihren traditionellen Sitz hatten. Um 16 Uhr trafen wir uns mit dem damaligen Direktor des deutschen Studienzentrums in Venedig, Dr. Romedio Schmitz-Esser. Hier wurden uns sowohl die Räumlichkeiten und die Geschichte des Anwesens vorgestellt, als auch einige Projekte der ansässigen Stipendiaten. Am Mittwoch fuhren wir mit den vaporetti, den venezianischen Wasserbussen, nach Murano, um uns dort sowohl das Glasmuseum anzuschauen, dessen Exponate uns von Prof. Dr. Giovanni Sarpellon (Universität Venedig) vorgestellt wurden und zu denen Anne-Marie Düfert einen Vortrag vorbereitet hatte, als auch die Herstellung dieser kleinen Meisterwerke in einer Glasmanufaktur selbst mitzuerleben. Am Nachmittag fand ein Bootsausflug zur heute unbewohnten Insel Lazzaretto Vecchio, auf der die Quarantäne von Waren sowie Personen mittels Pest- und Lepralazaretten durchgeführt wurde, statt. Zu diesem Zeitpunkt schloss sich auch Prof. Dr. Veit Rosenberger der Exkursion an. Der Vortrag zu dieser Thematik wurde von Henriette Hill vorbereitet.

Am Donnerstag stellte Philipp Schnabel das Arsenal mit seiner Organisation der Handelsflotte, dem dortigen Galeerenbau, dem Begleitschutz und dem venezianischen Stützpunktsystem im Mittelmeer vor. Anschließend gab es für uns die Möglichkeit, auf eigene Faust die Biennale, die internationale Kunstausstellung, die auch Gebiete des ehemaligen Arsenals als Ausstellungsräume nutzte, zu erkunden. Nach einem Ortswechsel am Nachmittag trug Jenny Brys an der Riva degli Schiavoni, einem der wichtigsten Kais von Venedig, ein Referat zur Inszenierung der Lagune als Zeremonialraum und seiner Festkultur vor. Der nächste Vortrag wurde auf der größten Insel der Lagune, Sant'Erasmo, von Patrick Schaffel gehalten. Am Torre Massimiliano, einem alten Geschützturm aus der Zeit, in der Österreich Venedig regierte, und in dem sich heute ein Kultur- und Ausstellungszentrum befindet, präsentierte er die Verteidigungsmaßnahmen der Stadt. So konnten sowohl die natürliche Schutzfunktion des Lagunenraums als auch die zusätzlichen Festungsbauten besonders bildlich beleuchtet werden. Anschließend gab es auf der Insel ein gemeinsames Abendessen mit wunderbarer Aussicht.

Der letzte Tag begann mit einem Vortrag von Maria Siegmund auf der Piazza San Marco, deren verschiedene Funktionen von ihr vorgestellt wurden. Als Experte unterstützte sie dabei Dr. Jan-Christoph Rößler (Universität Triest). Nachdem wir uns die Ausstellung „Secret Power“, bei der es um Globalisierung ging, in der Bibliotheca Marciana im Kontext frühneuzeitlicher Karten und Globen angesehen hatten, besichtigten wir den Dogenpalast, zu dem Dr. Evelyn Korsch viele interessante Details aus ihrer bisherigen Forschung preisgab. Die letzte Präsentation wurde von Lisanne Döll zur jüdischen Bevölkerung im ehemaligen Ghetto von Venedig gehalten. Am Freitagabend bzw. Samstag traten wir schließlich die Rückreise nach Erfurt an.

(Bericht: Lisa Woop)

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