Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Dr. Christian Jung: Assoziierter Gastwissenschaftler

Universität Erfurt
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Postfach 900221
99105 Erfurt

Forschungsprojekt

Meister Eckharts Pariser Quaestionen in ihrem historischen und handschriftlichen Kontext

Abgesehen von der ersten Pariser Quaestio, in der Eckhart die provokante These aufstellt, dass Gott wesentlich Denken, und nicht Sein sei, sind diese Zeugnisse seiner Pariser Lehrtätigkeit von der Forschung bislang eher vernachlässigt worden. Durch Markus Vinzents Nachweis der Echtheit von vier weitere Quaestionen aus dem Codex Vaticanus latinus 1086 ist die Frage der Kontextualisierung der Streitfragen Eckharts erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Denn es handelt sich sowohl beim Codex Avenionensis 1071, in dem sich die ersten drei Quaestionen befinden, als auch beim Vat. lat. 1086, der neben den altbekannten Quaestionen 4-5 auch die wiederentdeckten Texte enthält, um thematische Sammelhandschriften, deren Traktate eine inhaltliche und entstehungsgeschichtliche Nähe aufweisen. Von einer handschriftenbasierten Rekonstruktion des Diskussionszusammenhangs an der Pariser Universität darf man sich wertvolle Hinweise auf diese geistesgeschichtlich wichtige Epoche erhoffen, deren Kenntnis noch etliche Lücken aufweist und deren Dynamik sich vermutlich anders darstellen wird, wenn die Ergebnisse der aktuellen Forschungen vorliegen.

Mein vom österreichischen FWF gefördertes und am King’s College London angesiedeltes Forschungsprojekt versteht sich als Ergänzung zu Vinzents Arbeiten an den „neuen“ Pariser Quaestionen. Auf der Grundlage einer kritischen Neuedition der Texte bereite ich eine englische Übersetzung und Kommentierung vor. Dabei werden die wertvollen Quellenapparate der kritischen Werkausgabe in vollem Umfang ausgewertet und nach Möglichkeit ergänzt, um die Argumentation der Quaestionen herauszuarbeiten. Ein besonderer Akzent liegt auf der Erforschung von argumentativen Querbezügen innerhalb der Handschriften, die die realen Debatten in Paris greifbar machen.

Während mein Londoner Projekt die ersten drei Pariser Quaestionen zum Gegenstand hat, werde ich im ersten Halbjahr 2017 mit einem Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Rom die beiden im Vat. lat. 1086 enthaltenen Quaestionen 4-5 untersuchen können. Die Ergebnisse meiner Forschungen sollen in eine zweibändige Edition mit umfassender Kommentierung münden.

Ich freue mich über die Assoziierung an die Meister-Eckhart-Forschungsstelle des Max-Weber-Kollegs als Gastwissenschaftler und auf viele weitere anregende Gespräche und Konferenzen.

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