Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Stella Rehbein: Doktorandin

Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Postfach 900 221

99105 Erfurt

 

Vita

  • 10/2013 - 12/2016 Studium der Soziologie an der Universität Potsdam (MA)
  • 07/2014 - 12/2016 studentische Hilfskraft am WZB im Projekt "Cooling Out als Transformation der beruflichen Antriebsstruktur" (Dr. Hildegard Matthies)
  • 10/2008 - 06/2013 Studium der Soziologie und der Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien (BA / BAKK)

Research Project

Romantik in Zeiten abnehmender Resonanz. –Eine ungleichheits- und geschlechtersoziologische Untersuchung von Liebe zwischen Ritual und Routine

In meinem Promotionsprojekt soll der (romantischen) Liebe in ungleichheitstheoretischer und geschlechtersoziologischer Perspektive nachgegangen werden. Dies setzt den Bruch mit einem bürgerlichen und idealisierten Liebesverständnis voraus und stellt die sonst wenig beachtete Liebe im unteren sozialen Raum in den Vordergrund. Fasst man mit Eva Illouz (gelingende) Liebe als sozial ungleich verteilte Ressource, die maßgeblich über ökonomisches und emotionales Kapital vermittelt ist, stellt sich die Frage, wie Paare, die an diesen Kapitalien nicht oder geringer teilhaben, das Feld der Romantik für sich bearbeiten, deuten und (rituell) aktualisieren. Hierbei bedarf es einer Perspektive, die das bürgerliche Arrangement und ihren emotionalen Überbau, die ‚romantische Liebe‘, nicht universalisiert, sondern eine Perspektive der empirischen Offenheit verfolgt und die Hierarchisierung unterschiedlicher emotionaler Habitus vermeidet. Teil dessen ist es vor allem, emotionales Kapital nicht – wie es häufig geschieht – auf ein kommunikatives Habituselement engzuführen und somit eine mittelschichtsspezifische Emotionskultur zu normalisieren, sondern das Konzept emotionalen Kapitals empirisch für die Praxisebene – für Körperlichkeit, Erotik, Sexualität und (körperlich gebundene) Praktiken des Sorgens und Pflegens zu öffnen.

Der Forschungsgegenstand der Liebe setzt einen breiten Begriff der sozio-religiösen Praktiken voraus. Liebe, insbesondere einer, die als romantische apostrophiert ist, kann eine sakrale Qualität unterstellt werden – sie gilt als letzte „Quelle existentieller Transzendenz“ (Rosa 2016) und schafft – zumindest dem Versprechen nach – in der Paardyade einen hyperresonanten Erfahrungsraum. Für das hier verfolgte Projekt ist ein Ritualbegriff zentral, welcher auf die Inszenierung von (sakral aufgeladener) Außeralltäglichkeit und damit auf die bewusste Resonanzerzeugung abzielt. Gelingende Liebe hängt dann davon ab, wie Paare Wechsel zwischen profanem Alltag und heiliger Romantik organisieren, also zwischen Ritual und Routine oszillieren.

Methodisch und methodologisch wird eine Weitung des klassischen Instruments der Paarforschung – dem Paarinterview – angestrebt und sollen neben der Rekonstruktion romantischer Rituale ethnografische Erkundungen des Heims (als gleichsam materialisierter Liebessphäre) und die teilnehmende Beziehungsbeobachtung die Erfassung materialer, räumlicher, habitueller und körperlicher Dimensionen ermöglichen.

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