Das Phänomen der Da’wa

dawa

Da‘wa: Islamische Mission

Mission ist nicht nur ein christliches Konzept zur Verbreitung des Glaubens. Auch der Islam erhebt den Anspruch universeller Gültigkeit. In allen Epochen der islamischen Geschichte finden wir daher Gläubige, die unter Angehörigen anderer Religionen oder unter Nichtgläubigen für den Islam werben. Sich mit dem Phänomen der da‘wa, d.h. der islamischen Mission, wissenschaftlich zu beschäftigen und dabei sowohl die zeitliche als auch die geographische Breite der Überzeugungsarbeit im Dienste des Glaubens in den Blick zu nehmen, ist eine höchst spannende Angelegenheit, wie Prof. Dr. Jamal Malik, Inhaber des Lehrstuhls für Islamwissenschaft an der Universität Erfurt, zu berichten weiß.

Da‘wa: Workshops und Konferenzen

Bei verschiedenen internationalen Workshops und Konferenzen hat Prof. Malik zusammen mit renommierten Kolleginnen und Kollegen u.a. aus Israel, Palästina, Indien und Ägypten das Phänomen der da‘wa aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und weiß, warum das Thema so fasziniert: „Nicht nur die Weltöffentlichkeit verfolgt die Entwicklung moderner muslimischer Revitalisierungsbewegungen mit wachsendem Interesse. Spannend ist das Thema vor allem auch deshalb, weil da‘wa räumlich und zeitlich sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Interessant aber auch, weil es bislang auf diesem Gebiet wenig umfassende Forschung gibt. Zwar existieren Fallstudien, diese sind jedoch regional begrenzt. Wir nehmen in unserer Arbeit daher größere Räume in den Blick und beleuchten die Entwicklung des da‘wa-Konzeptes in ihnen seit den 1920er Jahren bis 2010.“

Da‘wa: von 1920 bis 2010, von der Nordsee bis zum Indischen Ozean

Die ausgewählte Zeitspanne wird durch zwei markante Ereignisse – das Ende des Kalifats 1924 und der Umsturz in Tunesien Anfang 2011 − innerhalb der islamischen Geschichte umrahmt und bildet so einen definierbaren Untersuchungszeitraum. Den Fokus richten die Forscherinnen und Forscher dabei auf drei Regionen: erstens auf Südasien mit Pakistan, Bangladesch und Indien, zweitens auf Teile Südwestasiens mit Ägypten, Saudi-Arabien, Israel/Palästina und Syrien und drittens auf Europa, speziell auf Deutschland und Großbritannien.

Da‘wa: nicht (nur) Jihad

„Unser Ziel ist es, den Blick der Forschung zu erweitern − von einem Islamdiskurs, der sich überwiegend mit dem Jihad als einer Untergruppe der Mission beschäftigt, hin zur Mission an sich – und dabei wollen wir eine ganz neue Facette der Geistesgeschichte aufmachen“, informiert Prof. Malik. Innerhalb der internationalen Forschung zu den modernen Revitalisierungsbewegungen zeichne sich eine Tendenz ab, so erläutert Prof. Malik weiter, die aufgrund einer unverhältnismäßigen Interpretation und entgegen der erkennbaren Verfasstheit der Realität da‘wa und Jihad als zwei opponierende und daher auf gleicher Ebene zu verortende Konzeptionen der islamischen Mission verstehe, wobei da‘wa als die friedvolle und Jihad als die gewaltbereite Variante betrachtet werde. Prof. Malik kritisiert: „Eine derart simplifizierende Darstellung wird der Komplexität des Sachverhalts nicht gerecht. Deshalb schauen wir uns diesen Punkt genauer an. Wir fragen: Was ist da‘wa eigentlich genau? Aber auch: Wie äußert sie sich im Kontext von Globalisierung, von gesteigerter Mobilität und vor dem Hintergrund der Aufweichung religiöser Autoritäten? Und schließlich: Lassen sich aus den gewonnenen empirischen Befunden Gesetzmäßigkeiten bzw. Prognosen ableiten?“

Da‘wa: die Erforschung

Großzügig gefördert durch die VW-Stiftung fanden unter der Ägide von Prof. Jamal Malik und seinem geschätzten israelischen Kollegen, Prof. Itzchak Weismann von der Universität Haifa, wie oben bereits erwähnt, mehrere Workshops und Konferenzen zur Erforschung des Phänomens der da‘wa statt. Die Publikation der jeweiligen Ergebnisse und Ausblicke ist geplant. Nach dem großen Erfolg des letzten Treffens am Centre for the Study of Developing Societies in Neu-Delhi/Indien (16.-18. Januar 2013) werden beide diesen Sommer zusammen mit ihrer Kollegin Dina Lisyanski den internationalen Workshop „Modern Preaching of Islam: Salafis, Islamic Movements, Muslim States“ in Haifa/Israel (15.-17. Juli 2014) ausrichten, der erneut spannende Diskussionen und erhellende Ergebnisse verspricht.

Förderung

Volkswagen-Stiftung

Buch

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Inhaber der Professur für Islamwissenschaft
(Philosophische Fakultät)
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