Iran-Krieg: Wie Desorientierung Medien und Politik in die Irre führt

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rechts im Bild schwarz-weiß Porträtfoto von Prof. Dr. Kai Hafez mit kurzen dunklen Haaren und dunklem Jackett mit Karwatte, gelber Hintergrund, Text: WORTMELDER der Wissenschaftspodcast der Universität Erfurt

Wir nehmen Trump immer noch viel zu ernst, statt die Tiefenstrukturen der Irrationalität seiner Politik klar freizulegen.“ Prof. Dr. Kai Hafez

Die aktuelle mediale Berichterstattung zum Krieg im Iran ist geprägt von Unsicherheit, offenen Fragen und widersprüchlichen Einschätzungen. Ob Waffenruhen halten, Verhandlungen zustande kommen oder politische Strategien überhaupt existieren, bleibt oft unklar. Diese Ungewissheit ist jedoch nicht nur Teil des Konflikts selbst – sie verweist auch auf grundlegende Probleme in Medien und Politik, sagt unser Gast dieser Podcastfolge – Prof. Dr. Kai Hafez, Professor für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Analyse von Mediensystemen und Kommunikationskulturen. Wenn es um Iran und den Nahen Osten geht, fehle es nur allzu oft an Einordnung, Kontext und einem tieferen Verständnis der Region. Im Gespräch analysiert Prof. Dr. Kai Hafez genau diese Defizite. Seine zentrale These: Der Westen leidet unter einer strukturellen Desorientierung im Umgang mit dem Nahen Osten. Medien berichteten oft fragmentarisch, orientierten sich stark an eigenen Interessen und staatlichen Quellen, ohne diese ausreichend zu hinterfragen. Gleichzeitig mangele es an Wissen, Expertise und historischer Perspektive – sowohl im Journalismus als auch in der Politik. Die Folge seien Fehleinschätzungen, die politische Entscheidungen beeinflussen und Konflikte verschärfen können, aber auch die Berichterstattung der etablierten Massenmedien in eine Schieflage bringen. Eine desorientierte Außenpolitik schließlich führe auch zu einer desorientierten Öffentlichkeit. Ein Präsident drohe mit der Vernichtung einer Zivilisation und wir blieben still.

Uns treiben Benzinpreise mehr um als Menschenrechte.“

Diese „WortMelder“-Folge beleuchtet, wie eng Medien, Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander verwoben sind – und warum ihre jeweiligen Schwächen sich gegenseitig verstärken. Hafez kritisiert eine oberflächliche Berichterstattung („In diesen Kriegen auf Distanz reichen unsere Waffen tausende Kilometer weit, wir sehen aber nicht, was wir damit anrichten – genau dann sind die Medien in der Pflicht, diese Lücke zu füllen“), eine zu unkritische Außenpolitik und eine passive Öffentlichkeit. Gleichzeitig formuliert er konkrete Forderungen: Mehr unabhängigen Journalismus, stärkere internationale Expertise und eine aktivere demokratische Debatte. Deutliche Worte und eine Folge über Wahrnehmung, Macht und die Frage, wie informierte Urteilsfähigkeit in Zeiten von Krieg überhaupt möglich ist.

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Prof. Dr. Kai Hafez ist Kommunikations- und Politikwissenschaftler mit einem besonderen Schwerpunkt auf vergleichender Medienforschung sowie globalen Kommunikationskulturen. Als Professor an der Universität Erfurt forscht und lehrt er zu Medien, Politik und Gesellschaft in internationaler Perspektive. In seiner wissenschaftlichen und beratenden Tätigkeit widmet er sich insbesondere Fragen von Migration, Islam und Medien, interkultureller Kommunikation sowie den Wechselwirkungen von Öffentlichkeit, Demokratie und globalen Transformationsprozessen.