„Die Professur für Pastoraltheologie und Religionspädagogik an der Universität Erfurt ist Teil einer sehr profilierten und renommierten Theologischen Fakultät. Das gesellschaftliche Umfeld bringt hier die Theologie als Wissenschaft noch mehr als anderswo in die Herausforderung, ihre Themen und Fragestellungen im Diskurs mit verschiedenen Weltanschauungen weiterzuentwickeln. Das reizt mich sehr und wird mich vermutlich auch ein bisschen herausfordern.“ Der das sagt, ist Prof. Dr. Wolfgang Beck, der die Professur nun als Nachfolger von Prof. Dr. Maria Widl zum Wintersemester 2026/27 übernimmt. Manch einem ist er z.B. schon als Sprecher der ARD-Sendereihe „Das Wort zum Sonntag“ bekannt. Allen anderen stellen wir den neuen Kollegen hier einmal genauer vor…
Wolfgang Beck, 1974 in Hildesheim geboren, kommt von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen (PTH) in Frankfurt am Main nach Erfurt, wo er seit 2015 tätig war – zunächst als Juniorprofessor für Pastoraltheologie und Homiletik, nach seiner Habilitation 2022 als ordentlicher Professor. Seit 2024 leitete Beck die Hochschule als Rektor. Erfurt hat er in den vergangenen Jahren schon häufiger besucht und als einen liebens- und lebenswerten Ort schätzen gelernt: „Mir gefällt natürlich neben der beeindruckenden Altstadt und dem Domberg die großartige Geschichte, die mit Namen wie Martin Luther oder Meister Eckhart verbunden ist. Besonders beeindruckt hat mich allerdings die Gedenkstätte in der Andreasstraße und die Geschichte der Weimarer Jugendlichen von 1983.“
Nach seinem Studium der Katholischen Theologie an der PTH Sankt Georgen in Frankfurt und der Ludwig-Maximilians-Universität in München war der katholische Priester zunächst als Seelsorger in der kirchlichen Praxis tätig. Und so suchte er auch in seiner Promotion und Habilitation den Weg in die Praktische Theologie, in der menschliche Erfahrungen als theologischer Lernort und Autorität gewürdigt werden. „In meinem Fach, der Pastoraltheologie, geht es immer wieder um unterschiedliche Formen der Wahrnehmung von gegenwartsgesellschaftlichen Prozessen, die zu theologischen Fragestellungen in Bezug gesetzt werden. Darin ergeben sich gegenseitige Infragestellungen, also Verunsicherungen, die für Lernprozesse sehr konstitutiv sind. Die veränderte gesellschaftliche Bedeutung von Religionen und Kirchen, die Veränderungen der Covid-Pandemie oder auch die gewachsene Sensibilität gegenüber Formen von Machtmissbrauch und Gewalt im Raum der Kirchen eröffnen wichtige Forschungsfelder, die mich beschäftigt haben und die weiterzuentwickeln sind. Dazu gehört etwa die Frage, welche Formen religiöser Kommunikation es in der säkularen Gesellschaft gibt – in einer großen Bandbreite“, sagt Beck. Er freue sich darauf, nach seiner Tätigkeit als Rektor – und damit vor allem im administrativen Bereich – in Erfurt auch wieder verstärkt an theologischen Forschungsfragen arbeiten zu können. Der Pastoraltheologe hat sich in der Vergangenheit stark mit Ansätzen der Risiko-Soziologie befasst und nach theologischen und kirchlichen Lernpotenzialen gesucht, in denen die Theologie zu einer Würdigung ihrer eigenen Traditionsbestände der Pluralität findet. Ein zweites Themenfeld, das für ihn wichtig ist: religiöse Kommunikation, nicht zuletzt, weil sie sich nicht auf kirchliche Formen beschränkt und viele, manchmal auch durchaus problematische Facetten ausbildet.
Ob es eine Person gibt, die ihn in seiner beruflichen bzw. wissenschaftlichen Laufbahn besonders geprägt oder inspiriert hat, fragen wir den neuen Kollegen. „Ich habe ja zuletzt in Frankfurt am Main an einer Hochschule gearbeitet, die dem Jesuitenorden gehört. Deshalb ist dessen Gründer, Ignatius von Loyola, für mich von besonderer Bedeutung. Er gehört zu den Geistesgrößen, die in der Neuzeit dafür einstehen, die Menschen als Individuum ernst zu nehmen und die intellektuelle Suche mit der persönlichen Reife zusammenzubringen. Und der Titel meiner Habilitationsschrift ‘Ohne Geländer’ zeigt schon, dass mich die Beschäftigung mit Hannah Arendt besonders fasziniert. Sie stellt sich in besonderer Weise der Herausforderung, das philosophische Denken mit der Erfahrung der Shoa zu konfrontieren.“
Aber Wolfgang Beck kommt nicht ausschließlich als Forscher an die Universität Erfurt. Er wird sich natürlich auch in der Lehre engagieren: Gleich im Wintersemester geht es in einer seiner Lehrveranstaltung um die Veränderungen von Sozialformen, in denen Menschen und Christ*innen ihr Zusammenleben gestalten. „Da gibt es vielfältige Formen, in denen auch kirchliche Gemeinschaft praktiziert wurde und wird. Außerdem wird uns das Verhältnis von gesellschaftlichen Entwicklungen und theologischen Reflexionsprozessen beschäftigen“, kündigt der 52-Jährige an.
Und wenn er gerade nicht Professor ist? „Dann gehe ich gern ins Theater und ins Kino und hoffe, dass ich dazu in Erfurt auch Gelegenheit habe. Ich war im Sommer beispielsweise zum ersten Mal bei den Domstufenfestspielen. Es mag wenig überraschen, dass ich als Theologe auch gern möglichst viel lese und mich kirchlich engagiere. Und neben meiner Aufgabe an der Universität bin ich auch weiterhin für das Fernsehen tätig, wo ich seit 2012 die Sendung ‘Das Wort zum Sonntag’ in der ARD gestalte.“ Über dies ist Wolfgang Beck seit 2017 Teil des Redaktionsteams von feinschwarz.net, einem theologischen Feuilleton.
Wir freuen uns auf den neuen Kollegen und sagen: Herzlich willkommen in Erfurt!