Warum verändert sich Persönlichkeit – und wann nicht? Was macht sozio-emotionale Kompetenz aus, und wie lässt sie sich messen und trainieren? Solchen wissenschaftlichen Fragen geht Prof. Dr. Marion Spengler auf den Grund. Sie hat zum Sommersemester 2026 die Professur für Pädagogisch-Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt übernommen. In unserem Forschungsblog “WortMelder” stellen wir die neue Kollegin einmal vor…
Die 44-jährige gebürtige Saarländerin studierte Psychologie an der Universität des Saarlandes, wo sie auch promoviert wurde – mit einer Arbeit über “Differentielle Ätiologie der allgemeinen kognitiven Fähigkeit (g-Faktor). Vergleich einer deutschen und einer englischen Zwillingsstichprobe”. Eine Post-Doc-Stelle brachte sie an die Universität Luxembourg, weitere Forschungsaufenthalte an die University of Minnesota und die University of Illinois at Urbana-Champaign. In ihrer Habilitation an der Universität Tübingen widmete sich Marion Spengler der Rolle von Persönlichkeit in Bildungskontexten und über die Lebensspanne. Später wurde sie Professorin für Differentielle Psychologie an der Medical School Berlin, bevor sie den Ruf nach Erfurt annahm.
“Die Universität Erfurt bietet ein Umfeld, in dem psychologische Forschung nicht nur theoretisch betrieben wird, sondern eng mit Bildungsfragen, Entwicklung und praktischer Anwendung verbunden werden kann”, freut sich Prof. Dr. Marion Spengler. “Genau diese Schnittstelle interessiert mich sehr: Wie entwickeln sich Menschen über die Lebensspanne? Welche Rolle spielen Persönlichkeit, Kompetenzen und soziale Kontexte? Und wie kann psychologisches Wissen dazu beitragen, Entwicklung besser zu verstehen und gezielt zu unterstützen?”
Ein zentrales Thema ihrer Forschung ist die Frage, warum sich Menschen voneinander unterscheiden, wie stabil diese Unterschiede sind und unter welchen Bedingungen Veränderung möglich ist. “Oft wird Persönlichkeit als etwas sehr Festes betrachtet – man ist eben so, wie man ist. Die Wissenschaft zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild: Ja, Persönlichkeitsmerkmale zeigen einerseits Stabilität, andererseits verändern sich Menschen über die Lebensspanne hinweg – durch Erfahrungen, soziale Rollen, Lebensereignisse wie beispielsweise Bildung, Arbeit oder soziale Beziehungen.” Aktuell beschäftigt sich Marion Spengler unter anderem mit der Persönlichkeitsentwicklung im Jugendalter und der Frage, ob und wie unterschiedliche Aspekte von Bildungsumwelten uns helfen können, diese Entwicklung besser zu verstehen. Sie interessiert dabei auch, wie psychologische Diagnostik genutzt werden kann, um Entwicklung besser abzubilden. An der Universität Erfurt möchte Prof. Dr. Marion Spengler außerdem ihre Forschung zu sozialen und emotionalen Fähigkeiten vertiefen – sowohl hinsichtlich ihrer Messung, etwa in virtuellen Umgebungen, als auch in Bezug auf die Entwicklung gezielter Kurztrainings. Ein konkretes Anwendungsszenario seien dabei etwa schwierige Elterngespräche im Schulkontext: “Lehrkräfte benötigen dafür nicht nur Fachwissen, sondern vor allem sozio-emotionale Kompetenzen wie Perspektivenwechsel, aktives Zuhören, Emotionsregulation und lösungsorientiertes Handeln – Fähigkeiten, die sich in virtuellen Umgebungen gezielt üben lassen.”
In ihrer Lehre wird die neue Kollegin differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie, psychologische Diagnostik und Entwicklung im Erwachsenenalter in den Mittelpunkt stellen. Neben dem Erwerb methodischer Grundlagen liegt ihr dabei besonders am Herzen, Studierende zu kritischem Denken anzuregen und ihnen zu vermitteln, wie man individuelle Unterschiede wissenschaftlich beschreibt, misst und interpretiert. Ein weiteres Thema wird die Frage sein, wie psychologische Diagnostik verantwortungsvoll eingesetzt werden kann – zum Beispiel im Bildungsbereich, in Beratungskontexten oder bei Fragen der Potenzialentwicklung. “Dabei geht es nicht nur darum, Tests oder Verfahren kennenzulernen, sondern auch darum, kritisch zu fragen: Was messen wir eigentlich? Was können wir daraus schließen? Und wo liegen die Grenzen?”
Wissenschaftlich geprägt wurde Marion Spengler nach eigenen Angaben von Forscherinnen und Forschern, die methodische Qualität mit theoretischer Klarheit und echter Neugier verbinden. Einen besonderen Eindruck habe bei ihr aber Prof. Brent Roberts von der University of Illinois at Urbana-Champaign hinterlassen, erklärt sie. “Er hat mich besonders durch seine außergewöhnliche wissenschaftliche Neugier, seine intellektuelle Klarheit und seine konstruktive Art geprägt – ein unglaublich kluger Kopf, der komplexe Fragen mit großer Tiefe durchdringt, dabei aber immer offen, zugewandt und unterstützend bleibt."
Erfurt selbst kannte Marion Spengler bereits vor ihrem Antritt schon ein wenig. Sie schätzt die Altstadt, die kurzen Wege und die Mischung aus universitärer Atmosphäre, Kultur und Natur. Und auch die Größe und das historische Flair der Stadt seien angenehm: “lebendig und vielfältig, aber gleichzeitig überschaubar und persönlich.” Bei ihren Spaziergängen durch Erfurt lässt sie sich gern von Otto begleiten – einer sportlichen und neugierigen englischen Bulldogge, die dafür sorgt, dass es auch abseits des Campus nicht langweilig wird.
Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und sagen: Herzlich willkommen!