Was verraten Redewendungen wie „Zeit ist Geld“ eigentlich über unser Denken – und warum spielen sie im Schulunterricht bislang nur eine Nebenrolle? Dr. Katharina Leonhardt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Romanistische Literaturwissenschaft der Universität Erfurt, zeigt, dass Metaphern, also sprachliche Ausdrücke, weit mehr sind als schmückende Sprache: Sie prägen unsere Wahrnehmung, beeinflussen kulturelle Deutungsmuster und wirken auf unser Weltverständnis.
An konkreten Beispielen zeigt die Sprachwissenschaftlerin und Fremdsprachendidaktikerin, wie Lernende durch die Auseinandersetzung mit sprachlichen Bildern Missverständnisse vermeiden und Sprache reflektierter verwenden. Daraus ergeben sich bislang kaum ausgeschöpfte Potenziale für den Sprachenunterricht. Ein Plädoyer dafür, Metaphern und Phraseme (Redewendungen) frühzeitig und systematisch als Lerngegenstand stärker in den Fokus zu rücken.
Metaphern und Phraseme werden Ihrer Meinung nach bisher im schulischen Unterricht vernachlässigt. Insbesondere im Deutsch- und Fremdsprachenunterricht sollte ihnen eine größere Rolle zukommen, da sie das sprachliche Lernen – und damit schließlich auch Bildungsprozesse generell – fördern. Können Sie zunächst einige Beispiele für Metaphern und Phraseme nennen und erklären, warum sie bisher im Unterricht nur selten oder unzureichend behandelt werden?
Da fällt mir als erstes „Zeit ist Geld“ ein, eine Metapher und zugleich ein Phrasem, das wir nicht nur häufig in unserem Alltag hören und lesen, sondern das eine bestimmte Lebensweise sprachlich ausdrückt, ähnlich einem Motto, mit dem wir quasi aufwachsen und das unser Handeln bestimmt. Dahinter steht ein umfassendes metaphorisches Konzept: Etwas kann uns „Zeit kosten“, wir können aber auch „Zeit sparen“. Wir „verlieren Zeit“, wenn wir nicht effizient arbeiten; ebenso können wir „Zeit gewinnen“, wenn wir dies tun. Diese sogenannten konzeptuellen Metaphern verfestigen sich in solchen Phrasemen, die wir meistens unreflektiert nutzen, die aber kognitive Strukturen aufbauen und aktivieren und so unseren Blick auf die Welt beeinflussen.
Es gibt Kulturen – etwa in Teilen Afrikas oder Lateinamerikas –, die von einem anderen Verständnis von Zeit geprägt sind. Dort geht es weniger darum, strikte Zeitpläne minutengenau einzuhalten, die Zukunft langfristig vorauszuplanen oder Zeit in abstrakten Maßeinheiten zu organisieren. Entsprechend nutzen Angehörige dieser Kulturen in ihren Sprachen ganz andere Metaphern und Ausdrucksweisen und handeln anders.
An diesem Beispiel wird deutlich, wie eng Sprache und Kultur miteinander verknüpft sind – und wie sehr Sprache wiederum unser Denken und Handeln beeinflusst. Wenn wir also eine uns fremde Sprache lernen, müssen wir uns dessen bewusst sein, damit ein echtes Verstehen möglich wird. Das gilt für die Zielsprache, vor allem aber für unsere Erstsprache, auf deren Schablone wir schließlich andere Sprachen lernen. Diese sprachliche ‚Schablone‘ greift bei kulturellen und sprachlichen Unterschieden jedoch oft zu kurz, sodass wir umdenken und uns unserer eigenen kulturellen Prägung bewusst werden müssen.
Je früher dies geschieht, desto offener zeigen sich Menschen gegenüber anderen Sprachen und Kulturen – ein überaus wichtiges Bildungsziel.“
Dass die Potenziale von metaphorischen Strukturen als Lerngegenstand im Sprachenunterricht derzeit nicht ausgeschöpft werden, liegt vermutlich daran, dass Metaphern immer noch zuvorderst als rhetorische Mittel gesehen werden, die im Literaturunterricht neben anderen sprachlichen Besonderheiten in entsprechenden Texten entdeckt und interpretiert werden sollen. Dies betrifft aber lediglich die sogenannten kreativen Metaphern. Alltägliche und allgegenwärtige Sprachstrukturen – vor allem die in Phrasemen verfestigten lexikalisierten Metaphern – fallen uns in unserer Erstsprache oft nicht auf. Allerdings ist es uns auch nicht möglich, uns gänzlich ohne Metaphern auszudrücken. Also lohnt sich durchaus ein stärkerer Blick darauf.
Metaphern helfen Lernenden dabei, über Sprache zu reflektieren. Welche kognitiven und sprachlichen Potenziale liegen Ihrer Ansicht nach in der Auseinandersetzung mit Metaphern und Phrasemen?
Das Reflektieren über Sprache fördert zunächst Sprachbewusstheit. Diese ist für den institutionellen Fremdsprachenunterricht sehr wichtig, da sie das Lernen erleichtert. Es genügt nicht, möglichst viele Vokabeln zu lernen, es braucht ein Verständnis für die Funktionsweise des Sprachsystems und seiner Subsysteme. Lernende brauchen Erklärungen, müssen Regelhaftigkeiten erkennen und erfahren, wann die Schablone ihrer Erstsprache für die Zielsprache funktioniert und wann nicht. Das gilt für alle Bereiche: Lexik, Grammatik, Syntax etc. Die Metaphern sind also nur ein Anknüpfungspunkt für metasprachliche Reflexionen, aber – wie ich finde – einer der spannendsten. Lernenden wird bewusst, dass sie auch in der Fremdsprache nicht alles wörtlich nehmen dürfen. Das kann Missverständnissen vorbeugen. Umgekehrt können Lernende Metaphern kreativ als Kompensationsstrategie nutzen. Wenn ihnen die passende Vokabel fehlt, hilft vielleicht eine metaphorische Umschreibung.
Und wie eben angesprochen, sind Metaphern insbesondere dazu geeignet, über die eigene und die Zielkultur nachzudenken und verfestigte, aber womöglich längst nicht mehr aktuelle (Denk-)Strukturen aufzubrechen. Um noch einmal auf die Zeitmetapher zurückzukommen: Gerade in Deutschland lässt sich derzeit ein Wandel beobachten. Diskussionen um die sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“, die damit verbundene allgemeine Empörung und der Wunsch nach mehr Work-Life-Balance, einer 35-Stunden- bzw. Vier-Tage-Woche zeigen ein verändertes Zeitverständnis. Zeit ist immer noch ein kostbares Gut, aber eben nicht mehr nur, um möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit zu verdienen, sondern die wertvolle Zeit sinnvoll zu nutzen, denn „das Leben ist kurz“.
Auch das Klischee der deutschen Pünktlichkeit hält sich im Ausland hartnäckig, obwohl die Deutsche Bahn täglich den Gegenbeweis anzutreten scheint. „Kommt Ihnen das nicht spanisch vor?“ – Auch das ist eine klischeehafte Metapher, die zeigt, wie tief kulturelle Zuschreibungen in Sprache verankert sind.
Sprache verändert sich, weil sich Gesellschaften und mit ihnen Kulturen verändern. Phraseme und konzeptuelle Metaphern jedoch sind etwas sehr Beständiges. Wenn wir also umdenken wollen, müssen wir auch die alten Metaphern umgestalten; und das geht nur, wenn wir uns ihrer Funktions- und Wirkungsweise bewusst sind.“
Um ihre Botschaften zu übermitteln, greifen Politiker*innen und Redner*innen gern auf sprachliche Bilder oder eine bildhafte Sprache zurück, damit diese beim Publikum besser verfangen. Welche Rolle spielt die bewusste Wahrnehmung von Bildhaftigkeit für den langfristigen Spracherwerb?
Das ist ein wirklich wichtiger Punkt. In Politik und Werbung wird Sprache häufig gezielt eingesetzt, um Wahrnehmungen zu beeinflussen. Es werden Metaphern genutzt, um einen Sachverhalt in einer bestimmten Sichtweise darzustellen, ihn zu „framen". Die Metapher hat die Eigenschaft des „highlighting and hiding“. Das bedeutet, dass der Fokus durch eine Metapher auf einen bestimmten Aspekt gelenkt wird, während zugleich andere Aspekte des Sachverhaltes verschleiert werden. Ist etwa die Rede von einer „Flüchtlingswelle“, entsteht unwillkürlich ein konkretes Bild in unseren Köpfen und der Frame der Naturkatastrophen wird aktiviert. Wir sehen förmlich die Welle, wie sie bedrohlich auf uns zurollt, uns überrollt und großen Schaden anrichtet. Explizit nicht aktiviert werden die Einzelschicksale der Geflüchteten, ihr Recht auf Asyl, die Fluchtursachen etc. Der Blick fokussiert sich auf die Gefahren, womit entsprechende politische Maßnahmen gerechtfertigt und legitimiert werden sollen. Wenn wir diese manipulative Wirkung der Metapher bewusst wahrnehmen, erlangen wir eine umfassendere Einsicht in den Sachverhalt und können so rhetorische Strategien besser entlarven, hinterfragen und uns der Manipulation erwehren. Auch dies ist ein wichtiges Bildungsziel.
Bereits Schüler*innen der zweiten Klassenstufe verfügen über eine beachtliche Phrasem- und Metaphernsensibilität. Inwiefern stellt diese Erkenntnis bisherige Annahmen über den Zeitpunkt solcher Lernprozesse infrage und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Primarbereich?
Auch ältere Studien belegen eine recht früh ausgebildete Sensibilität für metaphorische Ausdrucksweisen. Wir haben darauf aufbauend versucht herauszufinden, unter welchen Bedingungen Schüler*innen welche Art von metaphorischen und idiomatischen Strukturen als solche erkennen und auch ihre Bedeutung verstehen oder sie sich erschließen können. Hier gab es deutliche Unterschiede zwischen den Teilnehmenden der unteren Klassenstufen und denen der vierten Klassenstufe, was uns dazu veranlasst, entsprechend differenzierte Lernmaterialien zu entwickeln und tatsächlich möglichst früh mit der Sensibilisierung zu beginnen, um nachhaltige Effekte zu erzielen, die sich lernförderlich auf den späteren Fremdsprachenunterricht auswirken.
Für das Verstehen von Metaphern und Phrasemen ist die Einbettung in einen größeren Kontext entscheidend, d. h. ohne textliche oder bildliche Ergänzungen sinkt das Verständnis bei den Lernenden immens. Was bedeutet das für eine erfolgreiche sprachliche Unterrichtsgestaltung? Welche Textsorten eignen sich besonders gut?
Unstrittig ist, dass erst der Kontext die Metapher als Metapher erkennbar macht. Er gibt Hinweise, wie sie zu verstehen ist. Ein Beispiel aus einem Kinderbuch, das wir für die Studie genutzt haben, war das Phrasem „jemanden zur Schnecke machen“. Wenn man den Ausdruck nicht kennt – und die wenigsten Kinder kannten ihn –, muss man ihn zu deuten versuchen. Im Kontext einer Zaubergeschichte könnte er wörtlich verstanden werden. Dann würde eine Person mit Hilfe der Magie in eine Schnecke verwandelt. Im Kontext eines Streites in der realen Welt gilt die übertragene Bedeutung. Dann wäre zu überlegen, welche Eigenschaften eine Schnecke hat: Sie ist klein, zieht sich bei Gefahr in ihr Schneckenhaus zurück und ist sonst ziemlich wehrlos. Und diese Eigenschaften werden auf die angesprochene Person übertragen. Es braucht also bei uns unbekannten Metaphern zwingend einen reichhaltigen Kontext.
Da Metaphern allgegenwärtig sind, eignet sich nahezu jede Textsorte. Im Unterricht sollte deshalb auch eine möglichst große Bandbreite angeboten werden, um die Tatsache, dass unsere Sprache grundlegend metaphorisch ist, bewusst zu machen.
Das kennen wir ja bspw. auch aus dem Fremdsprachenunterricht: Nicht jedes einem noch unbekannte Wort sollte man sofort nachschlagen – das unterbricht den Lesefluss und frustriert –, sondern sich eher darin versuchen, den Sinn dahinter zu verstehen. Welche Strategien gibt es, damit Lernende die Bedeutung von Metaphern und Phrasemen, die ihnen noch unbekannt oder neu sind, selbst erschließen können? Hilft da mehr als nur im inhaltlichen Kontext bzw. in den benachbarten Sätzen zu suchen?
Der Kontext gibt zumindest den Hinweis, dass hier etwas nicht wortwörtlich gemeint sein kann. Damit ist bereits ein wichtiger Schritt getan: Die Metapher wurde als solche erkannt. In einer Kommunikationssituation wäre eine Strategie natürlich, schlichtweg nachzufragen, wie es gemeint ist. Für das Textverstehen ist es hilfreich, die Funktionsweise der Metapher zu kennen. Das bedeutet, zu wissen, dass eine Metapher einen Bildspender und einen Bildempfänger hat. Im eben genannten Beispiel wäre die Schnecke der Bildspender und die betreffende Person der Bildempfänger. Vom Bildspender werden einzelne Eigenschaften auf den Bildempfänger übertragen. Lernende können nun also systematisch vorgehen und sich überlegen, welche Eigenschaften hat der Bildspender (klein, schleimig, langsam, wehrlos etc.) und welche davon werden auf den Bildempfänger in der dargestellten Situation (z. B. ein Streit) übertragen (klein, wehrlos; dass Schnecken schleimig und langsam sind, dürfte in einer Streitsituation eine untergeordnete Rolle spielen, wird also im Sinne des „highlighting and hiding“ verschleiert und somit nicht auf den Bildempfänger übertragen). Und es hilft natürlich, gewisse Tendenzen in der Sprache zu kennen. Beispielsweise neigen wir dazu, Personen mit Tieren zu vergleichen, woraus viele Metaphern entstanden sind (schlau wie ein Fuchs, stur wie ein Esel, flink wie ein Wiesel, blind wie ein Huhn etc.) – Wissen und Strategien, die im Sprachenunterricht zu vermitteln und einzuüben sind.
Phraseme und Metaphern variieren in unterschiedlichen Sprachen stark – „Ich verstehe nur Bahnhof“ bedeutet bspw. wörtlich übersetzt im Englischen „Das ist alles Griechisch für mich“, im Italienischen heißt es, „Ich verstehe keinen Buchstaben“. Gemeinsam mit Carola Strohschen haben Sie interkulturelle Lernprozesse bei Spanischlernenden der Universität Erfurt und Deutschlernenden der Universidad Murcia anhand von digitalen Tandemgesprächen untersucht und dabei festgestellt, dass die Auseinandersetzung mit sprachvergleichenden Metaphern und Phrasemen sämtliche Prozesse des interkulturellen Lernens angestoßen hat. Woran konnten Sie das feststellen?
Ziel des Projektes war die Förderung interkultureller kommunikativer Kompetenz – eine Kompetenz, die durch die üblichen Testverfahren nicht messbar ist. Deshalb haben wir die Teilnehmenden gebeten, ihre eTandem-Treffen aufzuzeichnen und uns zur Verfügung zu stellen. So hatten wir einen recht umfangreichen Datensatz, den wir analysieren konnten. Carola Strohschen hat dafür ein Raster mit den einzelnen Dimensionen interkultureller kommunikativer Kompetenz entwickelt, die wiederum gut beobachtbar sind. Metaphorische Ausdrucksweisen sind dabei der Ankerpunkt. So wird interkulturelles Lernen durch die Förderung metaphorisch-phraseologischer Kompetenz im Rahmen eines eTandems, also in authentischen interkulturellen Kommunikationssituationen, angebahnt.
Das Neuartige an unserem Projekt ist genau diese Verknüpfung, die es uns erlaubt, interkulturelle Lernprozesse sichtbar zu machen. Indem die Teams sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Versprachlichung einzelner Alltagssituationen austauschen und die kulturhistorischen Hintergründe recherchieren, wird ihnen die kulturelle Prägung bewusst und sie beginnen, Stereotype zu hinterfragen und Bedeutungen auszuhandeln. Auf diese Weise konnten wir in den Gesprächen zwischen Erfurter Spanischlernenden und Deutschlernenden aus Murcia z. B. Empathie und Perspektivenwechsel beobachten oder eben konkret das Aufbrechen von Stereotypen, die definitiv über die jeweilige Zielkultur bestanden, und im Allgemeinen eine starke Reflexion über die eigenkulturelle Prägung und die kulturelle Prägung der eTandem-Partner*innen feststellen. Wir konnten echte Verständigungs- und kulturelle Aushandlungsprozesse beobachten, die bei einigen Studierenden zu der Erkenntnis führten, dass die kulturellen Unterschiede innerhalb einer Generation gar nicht so groß sind, zwischen den Generationen jedoch deutlich zutage treten. Eine weitere Einsicht, die gerade durch den direkten Kontakt zu Angehörigen der Zielkultur erlangt wurde, ist die Tatsache, dass es nicht die spanische oder die deutsche Kultur gibt, dass Landesgrenzen keine Kulturgrenzen sind und dass es innerhalb eines Landes immense kulturelle Unterschiede geben kann. So betonten die Studierenden beispielsweise: „Also ich komme aus Norddeutschland…“ oder „…ich komme aus Südspanien und bei uns sagt und macht man das so, das ist typisch für diese Region, aber nicht für das ganze Land.“ Und was uns besonders gefreut hat, ist, dass alle, die bisher an unserem Projekt teilgenommen haben, sagten, die eTandem-Treffen hätten ihnen viel Freude bereitet.
Freude am interkulturellen Austausch ist für die interkulturelle Kompetenzbildung – um es mit einem Phrasem zu sagen – schon die halbe Miete.“
Nun nutzen wir Metaphern im alltäglichen Sprachgebrauch und somit auch in sämtlichen Unterrichtsfächern. Wie kann diese „Querschnittsaufgabe“ zum besseren Verständnis und einer erhöhten metaphorisch-phraseologischen Kompetenz bei den Schüler*innen systematisch bzw. fächerübergreifend in Lehrplänen verankert werden?
Eine metaphorisch-phraseologische Kompetenz sehe ich als Teilkompetenz anderer im Curriculum bereits definierter Kompetenzen. Sie ist in gewisser Hinsicht Teil der Methodenkompetenz, natürlich ist sie eine wichtige sprachliche und kommunikative Kompetenz und – wie u. a. unser eTandem-Projekt zeigt – nicht unerheblich für die interkulturelle Kompetenzbildung – ebenfalls eine Querschnittsaufgabe über alle Fächergrenzen hinweg. In unserem Sammelband haben Sandra Tänzer und Sophie A. Moderegger außerdem aufgezeigt, wie stark selbst die Fachsprache von Metaphern durchzogen ist, und so das fächerübergreifende Potenzial der Metapher hervorgehoben. Der Grundstein muss aber natürlich im Erstsprachenunterricht gelegt werden und das möglichst früh.
Welche didaktischen Tipps würden Sie Lehrkräften empfehlen, die dieses Thema stärker in ihren Unterricht integrieren möchten?
Zunächst sollte ein Aha-Moment kreiert werden. Die Lernenden sollten die Allgegenwärtigkeit metaphorischer Sprache selbst erkennen, also auf Entdeckungsreise gehen und Freude an der „Detektivarbeit“ entwickeln. In einem weiteren Schritt gilt es, die Funktionsweise der Metapher, also die Art der Übertragung von einem Bildspender auf einen Bildempfänger, zu vermitteln. Ist das gefestigt, können die Wirkungsweisen von Metaphern in den verschiedensten Situationen und Kontexten immer wieder in kurzen Sequenzen thematisiert werden, um etwa Manipulation zu entlarven, kulturelle Prägung zu entdecken, Stereotype aufzubrechen etc.
Wo gibt es in der Erforschung von metaphorischen Kompetenzen die noch größten Dunkelfelder? Wo besteht dringender Forschungsbedarf?
Das ist eindeutig die Überführung in die Praxis. In der Grundlagenforschung sind wir gut aufgestellt, aber es braucht (mehr) wirksame Lehr-Lernkonzepte und erprobte Lehr-Lernmaterialien. Daran arbeiten wir derzeit. Das eTandem-Projekt mit meiner Kollegin aus Murcia, Carola Strohschen, wird auch im Wintersemester 2026/27 fortgeführt und weiterentwickelt. Es gibt mittlerweile auch Interessensbekundungen von Kolleg*innen aus Brasilien, Rumänien und Deutschland, die gern mitwirken möchten. Außerdem pflegen wir eine enge Zusammenarbeit mit der Erfurter Kollegin Leonore Jahn aus der Grundlegung Deutsch zur Entwicklung geeigneter Lehr-Lernmaterialien für den Grundschulunterricht. Wie es so schön heißt: „Der Weg ist das Ziel.“
Katharina Leonhardt ist Sprachwissenschaftlerin und Fremdsprachendidaktikerin mit Schwerpunkt auf romanistischen Sprachen. Nach ihrem Studium der Romanistik und Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie an der Université Paris X Nanterre in Frankreich war sie von 2007 bis 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sprachlehrforschung Französisch an der Universität des Saarlandes tätig. Parallel dazu lehrte sie dort bis 2014 als Lehrbeauftragte im Bereich Romanische Sprachwissenschaft.
2013 promovierte sie an der Universität des Saarlandes mit einer Dissertation zur Körpermetaphorik im europapolitischen Diskurs, in der sie metaphorische Sprachbilder im Deutschen, Französischen und Spanischen kontrastiv untersuchte. Seit 2013 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Romanistische Linguistik und Fachdidaktik Französisch an der Universität Erfurt.