Green Office an der Universität Erfurt: „Wir freuen uns auf den Austausch und neue Ideen“

Vorgestellt , Zwischen Mensa und Hörsaal
Featurebild "There is no Planet B"

An der Universität Erfurt soll – zunächst für die Dauer von zwei Jahren – ein sogenanntes „Green Office“ eingerichtet werden. Für unseren Blog sprachen wir mit apl. Prof. Dr. Bettina Hollstein (Beauftragte des Präsidiums für Nachhaltigkeit), Almut Mohr (Mitarbeiterin im KLIMA-N-Projekt) und Lilia Vogt (Referat Nachhaltigkeit des Studierendenrats) über die Hintergründe und Pläne...

Was genau ist ein „Green Office“
Das ist eine Einrichtung innerhalb einer Universität, die sich um Nachhaltigkeitsfragen kümmert. Als Anlaufstelle beschäftigt sie sich mit der Koordination und Förderung von Nachhaltigkeitsinitiativen, und als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Akteur*innen richtet sich das „Green Office” dabei gleichermaßen an Studierende und Mitarbeitende. Wir befassen uns hier systematisch mit dem Thema Nachhaltigkeit und orientieren uns an den Zielen für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) – das heißt neben der ökologischen Nachhaltigkeit nehmen wir auch die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit in den Blick und unterstützen Uni-Angehörige bei der Umsetzung ihrer Ideen für nachhaltige Projekte.

Welche Rolle spielt denn das Thema Nachhaltigkeit bislang an der Universität Erfurt?
Eine wichtige, d.h. es gibt bereits zahlreiche Initiativen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Beispielsweise gibt es im Bereich Studium und Lehre seit dem Wintersemester 25/26 das Studienprofil „Nachhaltigkeit/Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)”. Das bedeute: Studierende, die eine bestimmte Anzahl an Modulen mit entsprechender BNE-Kennzeichnung belegen, können sie sich anschließend eine Bescheinigung dafür ausstellen lassen. 

Darüber hinaus bezieht die Universität für ihren Betrieb ausschließlich „grünen” Strom und betreibt eigene Photovoltaikanlagen. Außerdem ist sie Teil verschiedener nachhaltiger Forschungs- und Kooperationsprojekte, wie z.B. des KLIMA-Netzwerks Thüringen. 

Was war ausschlaggebend für die Entscheidung, ein „Green Office“ an der Universität Erfurt einzurichten?
Wir wollten einen koordinierten und strukturierten Ansatz bieten, die zahlreichen bereits bestehenden Nachhaltigkeitsinitiativen auf dem Campus zielgerichteter unterstützen zu können und eine Anlaufstelle für neue Projektideen sein. „Green Offices” gibt es bereits an zahlreichen Universitäten in Deutschland. Sie tragen maßgeblich zur Bildung für nachhaltige Entwicklung bei. Und auch seitens unserer Studierenden war das Interesse an einem solchen Büro groß.

Welche zentralen Aufgaben wird das „Green Office“ nun haben und welche langfristigen Ziele verfolgt es dabei?
Es soll eine zentrale Anlaufstelle für alle Projektideen rund um das Thema Nachhaltigkeit an unserer Universität sein. Neben der Projektförderung wollen wir mit dem „Green Office” aber vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein für das Thema schärfen und sensibilisieren. Langfristig würden wir uns gern mit „Green Offices” anderer Hochschulen vernetzen und insbesondere die diesbezügliche Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Erfurt verstärken.

Wie ordnet sich das Projekt eigentlich in die übergeordneten Nachhaltigkeits- oder Klimaziele und vor allem auch in die bestehenden Maßnahmen und Initiativen an der Universität ein?
Wir sind mit den unterschiedlichen Akteur*innen, die sich auf dem Campus mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen, in einem engen Austausch, um uns im besten Fall mit unseren Ideen und Maßnahmen gut zu ergänzen. Dabei folgen wir den Empfehlungen für eine Nachhaltigkeitsstrategie an der Universität Erfurt, die der Senat im vergangenen Jahr verabschiedet hat und in denen er sich für ein „Green Office“ ausgesprochen hat. Dieses wird nun mit Unterstützung des Projekts KLIMA-Netzwerk für mehr Nachhaltigkeit in Thüringen eingerichtet, ist also ein wichtiger Teil dieses Kooperationsprojekts mit drei anderen Thüringer Hochschulen. Darüber hinaus stellt es einen wichtigen Baustein zur Umsetzung des Transformationsprozesses dar, zu dem sich alle Thüringer Hochschulen in einem Memorandum of Understanding im vergangenen Sommer verpflichtet haben. 

Wer war maßgeblich an der Konzeption des „Green Office“ beteiligt und inwiefern wurden Studierende, Mitarbeitende und Lehrende in den Entscheidungsprozess einbezogen?
Das waren verschiedene Gruppen, u.a. Studierende und die Nachhaltigkeitsbeauftragte des Präsidiums. Ein Punkt in den Empfehlungen für eine Nachhaltigkeitsstrategie der Universität Erfurt, die 2025 von zwei studentischen Hilfskräften erarbeitet wurden, ist auch die Einrichtung eines „Green Office” als Maßnahme zur Verbesserung der nachhaltigen Bildung. Im Studierendenrat sowie in mehrere Hochschulgruppen fand das große Zustimmung. 

Gab es Vorbilder oder Best-Practice-Beispiele anderer Hochschulen, an denen Sie sich bei der Konzeption orientiert haben?
Ja, es gibt eine ganze Reihe von „Green Offices” an Universitäten im In- und Ausland. Entstanden ist die Idee bereits vor einigen Jahren in Maastricht, in den Niederlanden. Mittlerweile finden sich in ganz Deutschland an zahlreichen Hochschulen „Green Offices”, mit eigenen Schwerpunkten – abhängig von den Fachrichtungen am jeweiligen Standort. Hier in Thüringen, genauer gesagt in Jena, gibt es bereits ein „Green Office” mit vielfältigen Projekten und fest in die Universität verankerten Strukturen. Das bietet sich bestimmt auch für eine künftige Zusammenarbeit an.

Wie ist das „Green Office“ organisatorisch an der Universität angesiedelt und wo ist es eigentlich “physisch” zu finden?
Organisatorisch ist das „Green Office” bei der Nachhaltigkeitsbeauftragten des Präsidiums – zusammen mit dem Studierendenrat angesiedelt. Im Forschungsbau „Weltbeziehungen” (C19) können wir dafür ein Poolbüro (Raum C19.00.23) nutzen, das dann ab dem Sommersemester 2026 geöffnet sein wird. Wir freuen uns schon sehr auf den Austausch und auf Ideen, die unseren Uni-Alltag nachhaltiger machen.

Und wie sieht es mit den personellen und finanziellen Ressourcen aus?
Das „Green Office” wird mit Mitteln des KLIMA-N-Projekts finanziell unterstützt. Besetzt wird das Büro in erster Linie von studentischen Mitarbeiter*innen, die sich auch um die Kommunikation nach außen kümmern werden.

Nach dem Einrichtungsbeschluss im Senat: Was sind nun die nächsten konkreten Schritte?
Wir planen jetzt die offizielle Eröffnung des „Green Office” mit einem kleinen Programm im Sommersemester. Bei dieser Gelegenheit soll es erstmals unter den Studierenden und Mitarbeitenden der Universität Erfurt bekanntgemacht werden. Danach möchten wir Nachhaltigkeitsprojekte, Nachhaltigkeitstipps und mehr über einen Instagram-Kanal, einen Newsletter und eine eigenen Website übersichtlich aufbereiten und öffentlich kommunizieren. 

Welche Veränderungen erhoffen Sie sich durch das „Green Office“ in den kommenden zwei Jahren und woran wollen Sie den Erfolg des Projekts am Ende messen?
Ein konkreter Erfolg wäre beispielsweise, wenn unser neues Studienprofil „Nachhaltigkeit/Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)” unter den Studierenden gut bekannt ist und genutzt wird. Gelungen wäre das Projekt in zwei Jahren außerdem, wenn durch den Newsletter, durch Begegnungen in unserem Büro und auch durch den Auftritt auf Instagram ein Austausch zwischen Studierenden, Mitarbeitenden und Hochschulleitung bei diversen Nachhaltigkeitsprojekten stattfindet. Wir hoffen, dass wir mit dem „Green Office” zu mehr Sichtbarkeit von Nachhaltigkeitsthemen an der Universität Erfurt beitragen können und dass wir eine Vielzahl von nachhaltigen Projekten auf dem Campus umsetzen können, sodass das „Green Office” in zwei Jahren ein fester Bestandteil der Universitätsgemeinschaft ist und den Hochschulalltag für alle bereichert.

Ansprechpartnerin:

Beauftragte des Präsidiums für Nachhaltigkeit
(Universität Erfurt)
C19 – Forschungsbau „Weltbeziehungen“ / C19.00.26
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