"Gemeinsam am Tisch des Herrn" – Welche Perspektiven gibt es für die konfessionelle Versöhnung zwischen Christen?

Forschung & Wissenschaft

Die Erfurter Dogmatikerin, Prof. Dr. Julia Knop, hält ökumenische Gemeinden für eine “attraktive Zukunftsvision”. In Minderheitssituationen sowie im Zuge zunehmender Säkularität könnten die Kirchen nur dann überzeugen, wenn sie gemeinsam für den christlichen Glauben eintreten, erklärte sie im Interview mit Domradio.de.

Prof. Dr. Julia Knop
Prof. Dr. Julia Knop

Erst kürzlich hatte der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister, sich öffentlich dazu geäußert, dass er Kirchengemeinden mit evangelischen und katholischen Christ*innen für möglich halte. “Das ist eine tolle, attraktive Zukunftsvision”, urteilte Knop im Gespräch. Und sie fährt fort: “Der Vorschlag zeigt für mich aber auch, dass sich das Verständnis von Konfessionalität verändert. Man denkt Konfessionalität nicht mehr so stark von der Institution, von Autoritäten und Strukturen her, sondern eher als einen christlichen Stil oder eine Spiritualität, die jemanden ansprechen kann, auch wenn er institutionell der anderen Konfession zugehört. Auch deshalb wächst vor Ort sicherlich und hoffentlich vieles immer mehr zusammen.”

Reibungspunkte im Dialog zwischen evangelischen und katholischen Gläubigen sieht Knop derweil in der Amtsfrage. Allerdings seien “die Gespräche da auch weiter als viele meinen.” Auch kritisierte Knop, dass insbesondere die katholische Kirche keine eigene “‘ökumenische’ Bringschuld” sehe: “Man ist katholischerseits rasch geneigt zu sagen: Wenn die anderen unsere Sicht anerkennen und sich entsprechend weiterentwickeln, damit wir sie anerkennen können, ist alles in Ordnung. Der eigene Reformbedarf, aber auch die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten, werden da vielleicht zu gering angesetzt.”

Bei inhaltlichen Punkten, insbesondere im Hinblick auf das Verständnis des Abendmahls bzw. der Eucharistie, sei man “aber tatsächlich schon sehr, sehr weit”, so Knop. Dies zeige sich insbesondere in einem Votum, das im vergangenen Herbst vom Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) veröffentlicht wurde und den Titel “Gemeinsam am Tisch des Herren” trägt. Das Papier kommt auf Basis neuester kirchenhistorischer, dogmatischer und liturgiewissenschaftlicher Erkenntnisse zu dem Schluss, dass eine wechselseitige Teilnahme am Abendmahl “theologisch gut begründet ist”. Die Erfurter Dogmatikerin erklärt dazu: “Das ist noch keine allgemeine Interkommunion, noch kein reguläres gemeinsames Abendmahl. Es ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur vollen Eucharistiegemeinschaft.”

"[Ich wünsche mir,] dass [Ökumene] ganz selbstverständlich wird und dass ökumenische Sensibilität zum Charakter des Katholischen wird."

– Julia Knop

In Anlehnung an das Votum des ÖAK hatten die Erfurter Professuren für Liturgiewissenschaft und Dogmatik gemeinsam mit dem Katholischen Forum im Land Thüringen am 8. Januar zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel “Gemeinsam am Tisch des Herrn – eine neue Perspektive für die Ökumene?” eingeladen. Eröffnet wurde der Abend durch einen Vortrag von Prof. Dr. Dorothea Sattler. Die Professorin für Ökumenische Theologie und Dogmatik an der WWU Münster, die gleichzeitig auch Mitautorin des Papieres des ÖAK ist, sprach über Hintergründe sowie Bedeutung und Perspektiven des Votums. Weiter darüber diskutierten auf dem Podium später Dr. Gerhard Feige, Bischof im Bistum Magdeburg sowie Ökumene-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz; Prof. Dr. Benedikt Kranemann, Liturgiewissenschaftler an der Universität Erfurt; Prof. Dr. Miriam Rose, Professorin für Systematische Theologie an der FSU Jena sowie Präsidentin der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa, und Julia Knop.

Bischof Feige warnte dabei vor zu hohen Erwartungen an das ÖAK-Papier und damit an die Debatte, die unter deutschen Theologinnen und Theologen derzeit geführt werde. Gleichwohl müsse sich die Deutschen Bischofskonferenz dieses Themas annehmen und sich bei ihrer Frühjahrsvollversammlung wohl damit beschäftigen. Sattler erklärte indes, dass sich das Papier “ganz bewusst für eine Teilhabe an den Formen, die andere kirchliche Traditionen seit Jahrhunderten leben” einsetze, aber keine Neugestalt der Liturgie fordere. Sie wünsche sich jedoch eine größere Sensibilität in der Diskussion ökumenischer Fragen. Und auch Knop wünschte sich im Interview mit Domradio.de auf die Frage nach einem künftigen Umgang mit der Ökumene, “dass sie ganz selbstverständlich wird und dass ökumenische Sensibilität zum Charakter des Katholischen wird.”

Zum vollständigen Interview von Domradio.de mit Prof. Dr. Julia Knop: Dogmatikerin Julia Knop über Entwicklungen in der Ökumene"Ökumene sollte ganz selbstverständlich sein"

Weiterhin finden Sie hier das Interview zum Nachhören "Gemeinsam am Tisch des Herren" - Ein Interview mit Julia Knop

Einen Bericht über die Podiumsdiskussion am 8. Januar in Erfurt lesen Sie außerdem hier:
https://www.bistum-magdeburg.de/aktuelles-termine/nachrichten/podiumsgespraech-abendmahl.html

Prof. Dr. Dorothea Sattler am Rednerpult im Rahmen einer Gastvorlesung in Erfurt
Prof. Dr. Dorothea Sattler
Gäste bei der Podiumsdiskussion “Gemeinsam am Tisch des Herrn”
Gäste bei der Podiumsdiskussion “Gemeinsam am Tisch des Herrn”
Über Julia Knop

Prof. Dr. Julia Knop ist Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Zu ihren aktuellen Forschungsschwerpunkten zählt die Frage der Verortung und Begründung dogmatischer Theologie angesichts der zunehmenden Irrelevanz und Implausibilität der Gottesfrage. Weitere Interessensschwerpunkte sind die Hermeneutik des II. Vatikanischen Konzils sowie die metakritische Analyse systematisch-theologischer Konzepte und Ansätze.

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