Ausgezeichnet: Team „#OnlinePolitik” gewinnt Förderpreis für die beste Abschlussarbeit

Ausgezeichnet

Paula Nitsch, Luca Hollwedel, Luise Winkler, Emma Schwarzburg, Lilly-Marie Schnell, Yara Steegmann, Maren Heller und Sarah Döring haben Grund zum Feiern: Nicht nur, dass sie ihren Bachelor-Abschluss in Kommunikationswissenschaft in der Tasche haben – die acht Studentinnen sind auch die Gewinnerinnen des diesjährigen mit 500 Euro dotierten Förderpreises für die beste Abschlussarbeit in der Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt. Mit ihrer Arbeit #OnlinePolitik. Politiker als Influencer – Trend oder cringe? Eine Analyse des Thüringer Landtags 2025/26 auf Instagram und TikTok, die von Dr. Jakob Henke betreut wurde und die sie gemeinsam geschrieben und heute beim diesjährigen Projektforum vor einem großen Publikum vorgestellt haben, überzeugten sie die Jury.

„Unsere Untersuchung befasste sich mit der forschungsleitenden Frage inwiefern Thüringer Landtagspolitiker*innen auf Instagram und TikTok einen Influencer-ähnlichen Kommunikationsstil nutzen und wie dieser von jungen Wähler*innen wahrgenommen und bewertet wird”, erläutern die Studentinnen. Dabei haben sie mit dem sogenannten Explanatory-Sequential Design gearbeitet und zunächst eine quantitative Inhaltsanalyse der Instagram- und TikTok-Beiträge der Thüringer Landtagsabgeordneten vorgenommen. Anschließend führten sie Gruppendiskussionen mit jungen Menschen, um über die Bewertung und Wahrnehmung dieser Beiträge zu sprechen. Denn: Instagram und TikTok sind die Plattformen, auf denen sich junge Menschen informieren, doch ihre Wahrnehmung und Bewertung bleibt auch auf Landesebene und außerhalb von Wahlen weitestgehend unerforscht. Genau da setzte das Team #OnlinePolitik an.

Ein besonderer Aspekt bei dieser Studie war die eigene Herleitung eines Influencer-ähnlichen Kommunikationsstils, der in der Forschung bislang so nicht vorkommt. Überdies erfolgt die Untersuchung politischer Kommunikation in den Sozial Medien häufig auf Bundesebene und innerhalb des Wahlkampfes, während die Studierenden ihren Fokus auf Landesebene und außerhalb eines Wahlkampfes legten. 

Im Ergebnis zeigte sich, dass Thüringer Landtagspolitiker*innen auf Instagram und TikTok selektiv Kommunikationsmerkmale verwenden, die an Influencer*innen erinnern. Die Ähnlichkeit entsteht vor allem durch die Wechselwirkung verschiedener Merkmale auf unterschiedlichen Ebenen, insbesondere durch Personalisierung, Emotionalisierung und Reichweitenorientierung, während Interaktion selten vorkommt. Ein weiterer Aspekt: Junge Wähler*innen erwarten auf Instagram und TikTok eine Mischung aus Professionalität und persönlicher Nahbarkeit. Ein Influencer-ähnlicher Kommunikationsstil wird positiv bewertet, wenn Inhalte authentisch, relevant und glaubwürdig wirken. Wirken Beiträge hingegen inszeniert oder oberflächlich, sinkt das Vertrauen. Kompetenz und Authentizität bleiben also entscheidend.

Auch die vier anderen Projekte untersuchten wieder spannende Themen, nämlich:

  • Diskurs.Macht.sagbar. Wie Unsagbares sagbar wird: Theoretische Modellierung und empirisch-mediale Analyse von Diskursverschiebung (Markus Hoppe, Nick Schumann, Lilly Marie Graumann, Catherine Kallenberg, Merle Jakobus, Majus Foerster und Niklas Schneider)
  • Queer Hoch Vier. Authentisch queer? – Die Wahrnehmung von Queerness im Film (Emil Gernert, Mathis Schünemeyer, Celine-Kerstin Schubart, Leo Heglmeier, Lara-Sophie Jackstädt, Marie-Elisabeth Dallüge und Marah Guba // Projektpartner: Salzgeber & Co. Medien GmbH)
  • Filministinnen. Das, was wir nicht sehen – Geschlechtsspezifische, psychische Gewalt gegen Frauen in popkulturellen Medien (Hannah Sopalla, Annika Petersen, Alexandra Schmidt, Merit Habel, Ida Lieten, Mara Neumann und Marlen Größer // Projektpartner: Brennessel e.V. – Zentrum gegen Gewalt an Frauen)
  • NoMatch. Digitaler Herzschmerz:  Die Kommunikation von Ablehnung im Online-Dating-Kontext im Zusammenhang mit der emotionalen Verarbeitung in der Generation Z (Isabella May, Maria Szirbek, Theresa Krumrey, Leah Demming, Tom Hoffmann, Levke Wohlers, Leon Güntzel und Wiebke Braun // Projektpartner: FR L'Osteria SE)

Die Projektbeschreibungen finden Sie in der Broschüre des Projektforums 2026.

Aber nicht nur die Studierenden selbst können stolz auf ihre Arbeit sein – auch ihre Dozent*innen und die Betreuer*innen ihrer Abschlussarbeiten sind es. Und so würdigte auch Prof. Dr. Cornelia Betsch, die Sprecherin des Seminars für Medien- und Kommunikationswissenschaft, die Mühe, die in all den Arbeiten steckt: “Hinter Ihnen liegt eine intensive Zeit: Sie haben Fragen entwickelt, Literatur gesichtet, Methoden erprobt, Daten erhoben, ausgewertet, diskutiert, gestritten, verworfen, neu gedacht und weitergearbeitet. Und: die Ziellinie überquert! Vor allem aber haben Sie gezeigt, was wissenschaftliches Lernen im besten Sinne bedeutet: neugierig bleiben, genau hinschauen, sich irritieren lassen, gemeinsam nach besseren Antworten suchen und Verantwortung für die eigene Arbeit übernehmen. Ich freue mich sehr über die Vielfalt und die gesellschaftliche Relevanz Ihrer Projekte. Besonders beeindruckt mich, dass Ihre Arbeiten Haltung sichtbar machen. Sie haben nicht einfach ‘was mit Medien’ geforscht, sondern über Macht, Sichtbarkeit, Zugehörigkeit, Vertrauen, Verletzlichkeit, Authentizität und Verantwortung. Damit berühren Ihre Projekte Fragen, die weit über einzelne Plattformen, Filme, Serien oder Apps hinausgehen. Sie zeigen, wie Kommunikation Wirklichkeiten prägt und wie wichtig es ist, diese Wirklichkeiten wissenschaftlich, kritisch und zugleich menschlich aufmerksam zu untersuchen. Ich hoffe, Sie nehmen aus dieser Zeit die Erfahrung mit, dass Sie komplexe Fragen bearbeiten können. Dass Sie im Team tragfähige Wege finden, auch wenn’s mal knirscht. Dass wissenschaftliche Arbeit anstrengend sein darf und trotzdem Freude machen kann. Dass Zweifel oft der Anfang guter Forschung sind. Und dass Vertrauen entsteht, wenn Menschen einander ernst nehmen.”

Wir gratulieren allen Projektteams und besonders den Gewinnerinnen des Förderpreises 2026!

Hintergrund

Alle Arbeiten entstanden im Rahmen der „Projektstudienphase“, einem einzigartigen Konzept im deutschen Lehrbetrieb: Über den Zeitraum von einem Jahr wenden Studierende dabei in kleinen Gruppen ihr im Studium erworbenes Wissen zur Lösung von realen oder realitätsnahen Problemstellungen innerhalb der Kommunikationswissenschaft an. Projektpartner sind dabei Medien- und Wirtschaftsunternehmen sowie öffentliche Institutionen und Organisationen.

Informationen zur Projektstudienphase an der Universität Erfurt

Das Projektforum wurde freundlich unterstützt von Heimtextilien und Raumtextilienshop. Der Förderpreis „Beste Abschlussarbeit“ 2026 der FUNKE Medien Thüringen wurde vom Erfurter Verein für Kommunikation und Medien e.V. überreicht.