Als sie im Oktober 2013 zum Studium an die Universität Erfurt kam, hatte sie ihr Berufsziel fest im Blick: Sandra Döhler wollte Lehrerin werden – für Geschichte und Deutsch. Wurde sie dann auch nach ihrem Master-Abschluss im Sommer 2018. Nun ist sie zurück auf dem Campus und begleitet junge Menschen, die es, wie sie damals, vor einen Schulklasse zieht. Zusammen mit Dr. Ina Semper betreut sie die Studierenden im dualen Studium für das Lehramt an Regelschulen und ist zugleich Bindeglied zwischen ihnen, den Schulen und den Schulämtern in Thüringen. Wie es dazu kam, erzählt Sandra Döhler in unserem Campusblog…
„Als gebürtige Erfurterin, also echte 'Puffbohne' war die hiesige Universität bei mir eigentlich immer präsent“, erinnert sie sich. Ein Studium sei es dagegen zunächst nicht gewesen. „Nach der Schule habe ich erstmal eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in München begonnen.“ Aber der Gedanke an das Lehramt, der schon früher immer mal wieder aufgekommen war, blieb. „Also wagte ich den Sprung ins Studium und kehrte zurück in meine Heimat. Dass die Uni Erfurt eine sehr angenehme Größe hat, wusste ich ja schon, und dass man hier nicht eine Matrikelnummer unter vielen ist, hatte ich auch gehört. So fiel die Entscheidung sehr leicht.“
Warum genau sie Lehrerin werden wollte, fragen wir Sandra Döhler. „Mich hat es fasziniert, über ein Thema so gut Bescheid zu wissen, dass man es anderen erklären und beibringen kann. Dazu kamen all die tollen Lehrkräfte, die mich auf so vielen Ebenen geprägt haben. Ich habe immer meine alte Mathematik-Lehrerin im Kopf, die den Stoff mit einer so unglaublichen Leidenschaft erklärt hat, das hat mich mitgerissen. Oder mein Deutschlehrer, der im Abitur auf Grundlage von Literatur so tiefgründige Diskussionen mit uns geführt hat, dass wir alle mit schwirrendem Kopf, aber als Personen gewachsen, aus dem Unterricht gegangen sind.“ Dass sie in die Regelschule wollte, stand für Sandra Döhler auch schnell fest. Nicht nur, weil sie selbst zunächst einen Realschulabschluss gemacht hat, bevor sie ans Gutenberg-Gymnasium ging, sondern auch, weil sie wusste, dass gerade auch Realschüler*innen engagierte Lehrkräfte brauchen.
An der Uni genoss sie es dann sehr, tief in ihre Fächer eintauchen und schon im Bachelor eigene fachliche Schwerpunkte legen zu können. „Dadurch habe ich mich tatsächlich immer fachlich stabil gefühlt und war entsprechend motiviert, dieses coole Wissen an Schüler*innen weiterzugeben. Gleichzeitig hatte ich durch meine Praktika von Anfang Kontakt zu den Schulen und wusste also immer, warum ich mir all dieses Wissen ‘draufschaffe’. Insbesondere die Bildungswissenschaften haben bei mir dafür gesorgt, dass ich auch erziehungspsychologisches Knowhow aufgebaut habe, was mir in meiner Arbeit als Lehrerin später tatsächlich oft geholfen hat.“ Und so kam es auch, dass Sandra Döhler als Lehrerin in ihrer Schule schnell anfing, Praktikant*innen und angehende Lehrkräfte im Referendariat zu unterstützen. „Ich war dann auch als Verantwortliche für Ausbildung, in Steuergruppen und als Personalrätin tätig. Mir war es immer wichtig, dass gerade junge Lehrkräfte unterstützt werden und ohne Angst in die Praxis starten können. In diesen Tätigkeiten habe ich gesehen, dass gut ausgebildete und gut unterstützte Studierende Spaß am Unterrichten haben, was wiederum den Schüler*innen zugutekommt. Als dann die Ausschreibung der Universität Erfurt kam, hat das für mich genau gepasst. Ich wusste: Ich möchte neue Lehrkräfte von Anfang an unterstützen.“ Mit Ihren eigenen Erfahrungen als Lehrerin hat Sandra Döhler heute ein besonderes Gespür dafür, was die für ihre Arbeit brauchen: „Das ist zunächst einmal Sicherheit. Sie kommen in einen Beruf, in dem das Gelingen unter anderem von 25 anderen Personen abhängig ist, die gerade wenig interessiert, welches tolle didaktische Konzept man sich überlegt hat, weil gerade so viel anderes interessant ist. Man zweifelt also unweigerlich an sich selbst, Fehler werden direkt von vielen Personen gesehen und kommentiert, man ist gefühlt ständig in einer Position, in der man bewertet wird. Das erzeugt viel (emotionalen) Stress. Wenn man früh zu einer guten Fehlerkultur findet, also sich auch traut, Fehler zu machen und sich auszuprobieren, dann ist das ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer guten Lehrkraft.“ Döhler weiß: Jede*r Schüler*in ist anders, jede*r braucht etwas anderes. „Der eine braucht viel Struktur, die andere emotionale Verbundenheit, der nächste eher seine Ruhe. Wenn wir diese jungen Leute aber dahin bringen, dass sie ihren Job mit Freude und Leidenschaft machen, mit dem Ziel, Schüler*innen auf ihrem Weg zu begleiten, dann können wir diesen Schüler*innen schon viel geben. Witzigerweise habe ich immer das Feedback bekommen, dass die besten Stunden die waren, in denen über Gott und die Welt geredet wurde oder wenn die Schüler*innen meine Stundenstruktur völlig über den Haufen geworfen haben, wenn beispielsweise statt klassischer Shakespeare-Analyse eher überlegt wurde, ob man als gute Freundin Julia Capulet heutzutage vor ihrem Romeo schützen würde.“
Zurück auf dem Campus der Universität Erfurt möchte die Alumna und neue Kollegin nun ihre Erfahrungen als Lehrerin mit den Studierenden teilen und ihnen so früh wie möglich zeigen, wo sie all das theoretische Wissen aus ihren Modulen praktisch einsetzen können. „Ich möchte ihnen klarmachen, dass man auch nach fast zehn Jahren im Schuldienst, nach Klassenleitung und Fachschaftsarbeit trotzdem noch in einer Klasse sitzt, sich vor Chaos an den Kopf fasst und den Schüler*innen dennoch etwas mitgeben kann. Und vor allem möchte ich ihnen die Sicherheit geben, sich auszuprobieren, ohne Bewertung, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Wie sich das konkret gestaltet, wird auch von den Bedürfnissen der Studierenden abhängig sein. Ich freue mich jedenfalls auf den Semesterstart!“
Sandra Döhler
Erfurt School of Education
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel.: 0361/737-1793
E-Mail: sandra.doehler.01@uni-erfurt.de