"Ich empfehle jedem, möglichst viel Kontakt zu Einheimischen zu suchen."

International
Katja in Seoul

Ein Auslandsaufenthalt ist eine feine Sache. Man kann eine fremde Sprache vertiefen, bekommt Einblicke in eine andere Kultur, knüpft neue Kontakte, erweitert seinen Horizont und nebenbei macht es sich im Lebenslauf auch immer gut. Mehr als 100 Studierende der Uni Erfurt wagen diesen Schritt alljährlich. Wir haben Katja ein paar Fragen zu ihrem Auslandsaufenthalt in Seoul (Südkorea) gestellt.

Bei den Yon-Ko-Games in Yonsei

Wo bist du und für welchen Zeitraum wirst du dort sein?
Zurzeit bin ich an der Yonsei University direkt im Zentrum von Seoul in Südkorea. Ein Semester habe ich hier bereits absolviert und werde nun noch ein weiteres hier verbringen.

Wie begrüßt man sich dort?
Meistens begrüßt mach sich mit „안녕하세요?“ (Annyeonghasaeyo?) oder „안녕하십니까?“ (Annyeonghasimnikka?), je nachdem ob man mit hierarchisch niedriger und gleich oder höher gestellten Personen spricht. Es bedeutet so viel wie „Geht es dir gut?“ oder mehr wörtlich „Ist alles friedlich?“ Unter jungen Leuten wird zudem seltener auch einfach nur „Hi“ verwendet.

Warum hast du dich entschieden, nach Südkorea zu gehen?
Die ostasiatische Kultur und insbesondere Korea haben mich schon seit Jahren fasziniert und es war ein großer Wunsch von mir, Koreanisch zu lernen. Außerdem habe ich vor, meinen Schwerpunkt auf Ostasien zu legen, weshalb das bessere Verständnis der lokalen Kulturen für mich sehr wichtig ist. Schon zu Beginn meines Studiums hatte ich das Ziel, zwei Semester an einer unserer koreanischen Partnerunis zu verbringen. Am Ende habe ich mich dann für die Yonsei University entschieden, da sie eine der Top 3 Unis in Südkorea ist und einen speziellen Sprachkurs für Austauschstudierende anbietet. 

Welche Erwartungen hast du an deine Zeit im Ausland und werden sie bisher erfüllt?
Aufgebrochen nach Südkorea bin ich mit dem Ziel, möglichst viel über die koreanische Kultur zu erfahren und Koreanisch bis zu einem Level zu lernen, auf dem ich zumindest einfache Unterhaltungen führen kann. Dank meiner Mitgliedschaft in zwei „Afterschool Clubs“ und der Lage der Uni in nächster Nähe zum Stadtzentrum, hatte ich bisher die Möglichkeit viele alltägliche Situationen mitzuerleben. Zudem habe ich dank der Teilnahme an dem Intensiv-Sprachkurs bereits genug Koreanisch gelernt, um zumindest im alltäglichen Leben zurecht zu kommen.

Ist es einfach, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen?
Generell sind Südkoreaner sehr interessiert an Ausländern und fremden Kulturen. Allerdings gehört es nicht zu ihrer Kultur, einfach ein Gespräch mit irgendjemanden anzufangen und viele von ihnen schämen sich zudem für ihr Englisch. Deshalb ist es oft schwierig, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Der beste Weg Kontakte zu knüpfen, ist, wenn man durch gemeinsame Freunde vorgestellt wird oder indem man einem der unzähligen „Afterschool Clubs“ beitritt.

Wie sind die Lebenshaltungskosten an deinem Studienort? Und wie sieht es mit Wohnraum aus?
Die Lebenshaltungskosten stehen in einem leichten Kontrast zueinander. Auf der einen Seite sind Lebensmittel und andere alltägliche Produkte – mit Ausnahme von Obst und Gemüse – im Vergleich zu Deutschland etwas günstiger. Auf der anderen Seite sind die Preise für Wohnraum doch sehr hoch und definitiv vergleichbar mit Städten wie Hamburg und München, je nach Stadtteil sogar deutlich darüber. Dies lässt sich vor allem mit der begrenzten Menge an Wohnraum, insbesondere in der Nähe von Universitäten, erklären.

Gibt es etwas im Studium oder täglichen Leben, das sich grundlegend von deinem Alltag in Erfurt unterscheidet? Falls ja, was und hat es dich überrascht?
Etwas, was mich am Uni-Leben besonders überrascht hat, ist das Gefühl von Zugehörigkeit, dass unter Studenten sehr verbreitet ist. Auf dem Campus gibt es einen Laden, der alles von Pullovern und Jacken, über Federtaschen und Blöcke bis hin zu Handtüchern und Hüllen für Golfschläger mit dem Uni-Symbol oder -Namen verkauft. Dieses wird von den meisten Studenten dann auch regelmäßig im Alltag genutzt. Außerdem hat nahezu jedes Department und jeder „Afterschool Club“ ein eigenes Jacken- und Wintermantel-Design. Highlight eines jeden Jahres sind zudem die „Yon-Ko-Games“ bei denen Yonsei und Korea University in fünf Sportarten gegeneinander antreten. Für diesen Event lassen Professoren teilweise sogar ihre Vorlesungen ausfallen und die Studierenden tragen die Uni-Farben und feuern ihre Teams an.

Was würdest du anderen empfehlen, die sich für einen Auslandsaufenthalt entscheiden/vorbereiten?
Besonders für Südkorea und die Yonsei Universität kann ich nur empfehlen an dem „Korean Language Intensive“-Kurs teilzunehmen. Zwar findet dieser Montag bis Freitag für jeweils zwei Stunden täglich statt, aber bietet die Möglichkeit, innerhalb eines Semesters – selbst ohne jegliches Vorwissen – genug Koreanisch zu lernen, um alltägliche Situationen zu meistern. Außerdem empfehle ich jedem, der ins Ausland geht, möglichst viel Kontakt zu Einheimischen zu suchen. Speziell für Südkorea bietet sich dafür der Beitritt in mindestens einen „Afterschool Club“ an.

(Foto 1): Katja mit dem traditionellen koreanischen Kleidungsstück „Hanbok“ in einem der Paläste in Seoul
(Foto 2): Bei den Yon-Ko-Games: Yonsei in blau und Korea University in rot