Martha geht den großen Fragen unserer Zeit auf den Grund

Zwischen Mensa und Hörsaal
Kollage Zwischen Mensa und Hörsaal - Martha Porträtfoto gelockte braune Haare, runde goldene Brille, beige-weißer Pullover, Lächeln in Kamera, schräg zur Kamera gestellt, hellgrüner Hintergrund, Magister-Studiengang Katholische Theologie

Was haben Wirtschaftsethik, interreligiöser Dialog, Philosophie und alte Sprachen gemeinsam? Sie alle können Themen des Magister-Studiengangs Katholische Theologie sein. Eigentlich wollte Martha nach dem Abitur vor allem eines: hinaus in die Welt. Ein Freiwilligendienst in Riga wurde für sie zu einer prägenden Erfahrung. Heute studiert sie Katholische Theologie an der Uni Erfurt und hat festgestellt: Das Studium beschäftigt sich mit viel mehr als Glaubensfragen – vor allem aber auch mit den Fragen des Zusammenlebens in einer globalen Gesellschaft. Warum Martha gerade die Vielfalt des Studiengangs begeistert – und weshalb sie ihren ursprünglichen Wechselplan längst aufgegeben hat, erzählt sie in diesem Beitrag.

Als Martha im Jahr 2022 ihr Abitur machte, stand ihr nächster Schritt eigentlich schon fest. Sie wollte ins Ausland: „Ich wollte auf jeden Fall anderen Menschen begegnen, eine andere Kultur kennenlernen“, erzählt sie.

Doch die Corona-Pandemie schränkte viele Pläne ein. Ein ursprünglich angedachter Aufenthalt in Indien erschien unrealistisch, also suchte Martha nach Alternativen und wurde bei den Freiwilligendiensten des Bonifatiuswerks fündig. Ihre Reise führte sie schließlich nach Riga. Elf Monate lebte sie dort bei Dominikanerinnen. „Das waren nur drei Schwestern, also eine ganz kleine Gemeinschaft“, erinnert sie sich. In der Studentinnenwohnung des Ordens lebte sie mit Frauen aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammen – darunter zeitweise auch mit ukrainischen Geflüchteten. Eindrucksvolle Begegnungen. 

Auch ihre Einsatzstellen waren vielfältig: Martha unterstützte den Unterricht an einem katholischen Gymnasium, arbeitete in einem Kinder- und Jugendzentrum für Menschen mit Autismus, half in einer Kerzenwerkstatt für Menschen mit Behinderung und engagierte sich in einer Suppenküche. „Das war ein super Jahr“, sagt sie rückblickend. Vor allem das Zusammentreffen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft haben sie geprägt. Viele ihrer Freund*innen kommen heute aus verschiedenen Teilen der Welt. Die Erfahrungen in Lettland haben Marthas Interesse an kulturellen und religiösen Fragen noch einmal verstärkt: „Ich finde es unglaublich spannend, etwas über andere Kulturen und andere Religionen zu lernen“, erzählt sie. Besonders wichtig sei ihr dabei der Austausch: 

Zu versuchen, einander zu verstehen und zu merken: In manchen Punkten sind wir gar nicht so verschieden.“


Zurück in die Heimat
Nach ihrer Rückkehr absolvierte Martha zunächst ein Vorbereitungsjahr für das Theologiestudium in Münster. Dort erwarb sie die für das Fach wichtigen Sprachkenntnisse in Latein, Griechisch und Hebräisch.
Dass diese alten Sprachen zum Studium dazugehören, hat einen guten Grund: Viele biblische Texte und zentrale historische Quellen wurden ursprünglich in diesen Sprachen verfasst. Nach diesem Jahr zog es Martha zurück in ihre Heimatstadt Erfurt. Allerdings zunächst nur vorübergehend: „Ich habe gedacht: Na gut, dann kann ich erst mal mein Studium in Erfurt anfangen und dann schaue ich weiter.“ Ihr Plan sah damals vor, nach ein oder zwei Semestern erneut zu wechseln. Doch dazu kam es nicht. „Mir gefällt mein Studium hier jetzt so gut, dass ich gar nicht wechseln möchte“, strahlt die Magister-Studentin.

Viel mehr als Religion
Wer beim Studiengang Katholische Theologie nur an Glaubensfragen denkt, unterschätzt etwas Entscheidendes. „Ich glaube, die Vielfalt ist das Überraschendste“, sagt Martha. Tatsächlich verbindet das Studium zahlreiche Disziplinen miteinander: 

Wir beschäftigen uns mit Geschichte, Philosophie, Ethik, Religionswissenschaft, Bibelwissenschaften und gesellschaftlichen Fragestellungen.“

So geht es beispielsweise um die Entstehung biblischer Texte, um historische Entwicklungen des Christentums, um Fragen des Kirchenrechts oder um ethische Herausforderungen der Gegenwart.
Andere Seminare beschäftigen sich mit gesellschaftlichem Zusammenhalt, Fragen von Verantwortung, dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz oder dem interreligiösen Zusammenleben. Gerade diese Verbindung von Tradition und Gegenwart macht für Martha den großen Reiz des Studiums aus.

Jesus im Koran
Besonders fasziniert Martha das Thema Interreligiosität. Bereits ihre erste Hausarbeit widmete sie einer Frage, die viele überraschen dürfte: Die Rolle von Jesus im Koran. Bei ihrer Analyse entdeckte sie, welche wichtige Rolle Jesus auch im Islam spielt: „Jesus, der für das Christentum extrem wichtig ist, hat auch für muslimische Menschen eine hohe Relevanz.“

Diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Religionen interessieren Martha bis heute sehr. Sie sieht darin auch Chancen für Verständigung und Dialog. „Wie kann ich sprachfähig anderen Gläubigen oder auch Nicht-Gläubigen gegenüber sein?“, beschreibt sie eine der Fragen, die sie beschäftigen.

Forschung mit Blick auf die Weltkirche
Neben ihrem Studium arbeitet Martha als studentische Assistentin an der Professur für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät. Dort unterstützt sie wissenschaftliche Projekte, recherchiert kirchliche Dokumente und hilft bei Veröffentlichungen. Besonders spannend findet sie die internationale Perspektive ihrer Arbeit: Themen wie Reformen kirchlicher Strukturen, internationale Vernetzung oder gesellschaftliche Verantwortung spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch deshalb kann sie sich vorstellen, später in internationalen kirchlichen Organisationen oder im interreligiösen Dialog zu arbeiten.

Die schönsten Seminarräume der Universität
Was die Katholisch-Theologische Fakultät in Erfurt besonders macht? Martha fallen direkt die Räumlichkeiten ein: 

Die Fakultät hier in Erfurt befindet sich im Kreuzgang des Doms. Das heißt, wir haben auf jeden Fall die schönsten Räume der ganzen Universität.“ 

3 Fotos aus der Domstraße bzw. dem Erfurter Dom und Kreuzgang, wo die Katholisch-Theologische Fakultät ihre Lehrräume hat

Mindestens genauso wichtig ist für sie die familiäre Atmosphäre. Die kleinen Studiengruppen sorgen dafür, dass man schnell miteinander ins Gespräch kommt – sowohl mit Kommiliton*innen als auch mit den Lehrenden: „Wenn ich eine Frage habe, gibt es immer Menschen im höheren Semester, die ich ansprechen kann.“ Auch in den Lehrveranstaltungen selbst sei der Austausch intensiver als in großen Studiengängen. „Man kommt immer dazu, eine Frage zu stellen oder nachzuhaken und sich einzubringen.“ Gerade darin sieht Martha einen großen Vorteil: „Ich glaube, man nimmt mehr mit, weil man sich selbst viel mehr einbringen kann und muss.“

Offen für die Welt – mitten in Erfurt
Auch außerhalb des Studiums nutzt Martha die internationalen Angebote der Uni Erfurt. Besonders das Internationale Café auf dem Campus empfiehlt sie allen Studierenden. Dort „kann man mit Leuten aus aller Welt sehr zwanglos zusammenkommen.“ Für sie passt das perfekt zu dem, was sie an ihrem Studium schätzt: Offenheit, Begegnung und die Bereitschaft, sich auf neue Perspektiven einzulassen.

Auch wenn Erfurt nur eine Zwischenstation sein sollte, ist Martha froh, geblieben zu sein. Denn hier hat sie genau das gefunden, wonach sie schon nach dem Abitur gesucht hat: die Möglichkeit, anderen Menschen zu begegnen, über den eigenen Horizont hinauszuschauen – und sich mit den großen Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen.