Vom Hörsaal in Erfurt in die „Top 30 unter 30“ des Wirtschaftsjournalismus

Alumni
Porträtbild von Jakob Arnold mit schwarzem Mantel und beigefarbenen Schal, lächelnd mit dunkelbraunem leicht lockigem Haar, schwarze Schrift auf teils petrolfarbenem Hintergrund: Alumnus Jakob, Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaft

Er gehört zu den spannendsten Stimmen der jungen Generation im Wirtschaftsjournalismus: Jakob Arnold, Absolvent der Internationalen Beziehungen und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Erfurt, wurde im Februar 2026 vom Magazin Wirtschaftsjournalist:in unter die „Top 30 unter 30“ der Wirtschaftsjournalist*innen gewählt. Eine Auszeichnung für Nachwuchstalente, die den Wirtschaftsjournalismus von morgen prägen. Im Interview spricht der heutige Redakteur der Frankfurter Allgemeine Zeitung über Opportunitätskosten im Alltag, Fragen zu sicherer und klimafreundlich erzeugter Energie aus dem Seminar – und darüber, warum praktische Erfahrungen durch nichts zu ersetzen sind.

Warum haben Sie sich in Ihrem Bachelor-Studium für die Kombination aus Internationalen Beziehungen und Wirtschaftswissenschaften entschieden?
Den Internationalen Beziehungen bin ich direkt verfallen, weil ich es als idealen Studiengang betrachtet habe, um meine Leidenschaft für Politik und Sprachen miteinander zu verbinden. Und Wirtschaft gleich noch mit dazu.

Und aus welchen Gründen haben Sie sich damals überhaupt für ein Studium an der Universität Erfurt entschieden?
Ehrlich gesagt hauptsächlich, weil es den Bachelor für Internationale Beziehungen sonst fast nirgends gibt.

Was unterscheidet aus Ihrer Sicht die politikwissenschaftliche Ausbildung in Erfurt von anderen Standorten?
Das kann ich nur mit meinem Master an der Universität Köln vergleichen. Zumindest dort war die Ausbildung formalisierter und stärker.

Inwiefern hat die interdisziplinäre Ausrichtung Ihres Studiums Ihren Blick auf wirtschaftliche Themen geprägt?
Mir hat vor allem die – natürlich nur grundlegende – rechtswissenschaftliche Ausbildung geholfen, Themen noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Jetzt weiß ich zumindest, das „zulässig“ nicht das heißt, was man alltäglich damit verbinden würde.

Welche theoretischen Konzepte aus Ihrem Studium helfen Ihnen ggf. noch heute bei der Analyse wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen?
Seit dem Studium der Wirtschaftswissenschaften denke ich die Welt in Opportunitätskosten. (Anm. d. Red.: Für alle, die keine Wirtschaftswissenschaft studiert haben – mit Opportunitätskosten sind in der Betriebswirtschaftslehre keine echten Kosten gemeint, sondern meinen den entgangenen Gewinn bzw. Nutzen, der bei der Entscheidung für eine von mehreren Alternativen ausbleibt oder nur gemindert entsteht.)

Wie wichtig ist wissenschaftliches Arbeiten (Quellenkritik, Methodik, Statistik) für Ihren heutigen journalistischen Alltag?
Ich gebe mir zumindest Mühe, nicht nur Quellen herauszusuchen, die meine Intuition bestätigen.

Gibt es Themen einer Lehrveranstaltung oder Fragen einer Ihrer Hausarbeiten, die Sie noch heute beschäftigen?
Die Frage, wie Energie sicher, kostengünstig und klimafreundlich zur Verfügung gestellt werden kann, um die es häufig in einem Seminar mit Professor Gerhard Wegner ging, beschäftigt mich heute noch.

Rückblickend: Was war besonders wertvoll für Sie in Ihrem Studium in Erfurt?
Zweifelsfrei der Austausch mit den Kommiliton*innen. Ich freue mich, dass einer von ihnen bald sogar bei meiner Hochzeitsfeier dabei ist.

Inwiefern war Ihnen schon im oder gar vor dem Bachelor-Studium klar, dass Sie in Richtung Journalismus gehen wollen? Sie haben ja direkt nach dem Bachelor-Abschluss und zu Beginn Ihres Master-Studiums an der Universität Köln zusätzlich eine Ausbildung an einer Journalistenschule absolviert. Wie haben Sie das alles unter einen Hut gebracht und wie sehr haben sich die Arbeitsweisen voneinander unterschieden?
Das wurde mir erst so richtig klar während des Studiums. Die Aussicht, in einer Behörde oder in einem Großkonzern zu arbeiten und meine Freunde und Familie wissen gar nicht, was ich da eigentlich genau mache … und ich womöglich auch nicht. Das erschien mir nicht reizvoll. Zur Arbeitsweise: Die journalistische Arbeit ist von Anfang praktischer veranlagt. Mir liegt das mehr.

Was hat Ihnen die Journalistenschule zusätzlich gegeben, was das Studium nicht leisten konnte?
Die Kontakte in die Redaktionen.

Würden Sie anderen auch diese Reihenfolge empfehlen: Erst Fachstudium, dann Journalistenschule …? Oder andres gefragt: Was würden Sie Studierenden raten, die ein ähnliches Profil anstreben? Sie haben bspw. viele journalistische Praktika gemacht …
Ich würde eher raten, von Anfang das zu machen, was man beruflich anstrebt. Also wer Videos produzieren will, sollte sich mal selbst auf YouTube ausprobieren. Praktische Erfahrungen werden immer gewürdigt.

Sie waren Praktikant bei renommierten Zeitungs- bzw. Medienverlagen: der Süddeutschen Zeitung, der ZEIT Verlagsgruppe, bei Table.Media, dem Tagesspiegel und der FAZ, für die Sie heute arbeiten – was haben Sie aus diesen unterschiedlichen Redaktionskulturen mitgenommen?
Alle kochen auch nur mit Wasser.

Gab es Herausforderungen auf Ihrem Weg in eine feste Redakteursstelle bei der FAZ? 
Da hatte ich einfach Glück. Bei der FAZ gab es eine Vakanz und ich habe mich anscheinend im Praktikum vorher nicht ganz dumm angestellt.

Welche Kompetenzen sind aus Ihrer Sicht essenziell, um wirtschaftliche Themen verständlich für Ihr Leserpublikum aufzubereiten?
Es hilft, wenn man sich in Verwandte hineinversetzt, die interessiert am Thema sind, aber den Tag über auch noch einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen müssen.

Wie finden Sie Ihre Geschichten – durch Recherchen, per Redaktionsauftrag, über Kontakte oder durch aktuelle Anlässe?
Überall. Im Supermarkt, im Gespräch mit Bekannten und Kolleg*innen, manchmal auch unter der Dusche.

Wenn Sie sich zum Zweck dieses Alumnus-Porträts Fragen hätten überlegen müssen, welche Frage würden Sie sich selbst stellen? Natürlich hoffen wir auf eine, die wir Ihnen noch nicht gestellt haben.
Was hat Ihnen an der Universität Erfurt nicht gefallen? Gut, dass ich damit davonkomme.