Was will man Me(e/h)r?

International
Featurebild: Ich bin dann mal weg: Lucie in Bilbao

Sechs Wochen hat Lucie in Nordspanien verbracht. Ein Praktikum im Rahmen des Projekts ELsA (Erfurter Lehramtsstudierende im Ausland) der Universität Erfurt führte sie an die Deutsche Schule in Bilbao. Für unseren Campus-Blog berichtet sie hier von ihren Erfahrungen…

Als Lehramtsstudentin in den Fächern Primarpädagogik und Technik frage ich mich regelmäßig, wie ich meine Freude am Reisen mit meinen Univerpflichtungen vereinbaren kann. Dabei liegt die Lösung hierfür ganz nah: Ich absolviere meine Praktika einfach im Ausland. So bekomme ich viele neue Einblicke in das Schulsystem, Bildungsmethoden und das Lernen in anderen Kulturen. Gleichzeitig kann ich neue Orte erkunden, neue Menschen kennen lernen und meine vorlesungsfreie Zeit trotzdem fürs Reisen nutzen. Und so kam ich für mein Praktikum im Modul "Schulpraktische Studien" nach Bilbao. Für sechs Wochen durfte ich hier in der Deutschen Schule hospitieren und sogar selber eine Unterrichtsstunde halten.

Guggenheim-Museum in Bilbao (Foto: Lucie Schulze)

Bilbao ist eine wunderschöne, aufgeweckte (aber auch verregnete) Stadt mit ca. 350.000 Einwohner*innen, an der Nordküste Spaniens im sogenannten Baskenland. Besonders bekannt ist es für das Guggenheim-Museum, ein modernes Kunstmuseum mit sehr spektakulärer Architektur. Aber auch ein Teil des Camino de Norte (Jakobsweg) verläuft durch die Stadt. Eine weitere Besonderheit ist die Metro, die hier bis ans Meer fährt. Sehr beliebt sind Pintxos, kleine Häppchen auf Brotscheiben, die in fast jeder Bar angeboten werden, und oft am späten Nachmittag oder am Abend zu einem Getränk verzehrt werden. Viele Cafés, kleine Boutiquen und Parks lassen das Erkunden der Stadt nicht langweilig werden! 

Ein Tag an der Deutschen Schule beginnt hier um 8.45 Uhr und endet für die Grundschüler*innen um kurz nach 14 Uhr. Danach finden sämtliche Nachmittagsbeschäftigungen von Sportangeboten über kreative Arbeitsgemeinschaften bis hin zu Sprachkursen statt. Insgesamt liegt der Fokus der Schule auf der Sprachbildung, da diese für die globale Integration der Schülerinnen und Schüler notwendig ist. So beginnen die Erstklässler mit Spanisch, Deutsch und Baskisch (eine der ältesten europäischen Sprachen, deren Ursprung nicht wirklich bekannt ist). Unterrichtet wird durchgehend auf Deutsch und dadurch, dass sich alle gegenseitig mit Vornamen ansprechen, entsteht ein sehr familiäres Klima.

Selfie am Strand in Bilbao (Foto: Lucie Schulze)

Durch das spanische Temperament, das automatisch Einfluss auf den Unterricht nimmt, wirkt dieser vielleicht auf den ersten Blick ein wenig chaotischer, als man es aus Deutschland kennt. Jedoch gewöhnt man sich einerseits schnell daran, und man lernt dadurch viel über verschiedene Methoden, die Klasse “ruhig zu bekommen”. In einigen Fächern wird extra Forder- und Förderunterricht angeboten, unter anderem in Deutsch. Der größte Teil der Schüler*innen sind Muttersprachler in Spanisch und brauchen somit mehr Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache. Genauso gibt es aber auch deutscher Muttersprachler*innen, die im Extra-Unterricht für Deutsch als Muttersprache auf höherem Niveau arbeiten.

Praktikant*innen werden hier mit offenen Armen empfangen. Einige sind für ein ganzes Halbjahr da, andere nur für ein paar Wochen. Dadurch, dass immer acht bis zwölf Praktikant*innen vor Ort sind, fühlt man sich überhaupt nicht allein und kann schnell neue Freundschaften schließen. (Soweit ich informiert bin, sind nur an wenigen Schulen so viele Praktikant*innen gleichzeitig wie hier.) Alle Praktikant*innen sind jeweils einer Klasse und einem Klassenlehrer bzw. einer Klassenlehrerin zugeteilt, der bzw. die als Mentor*in fungiert. In dieser Klasse ist man hauptsächlich in den Unterrichtsstunden mit dabei, jedoch kann man auch andere Wünsche hinsichtlich seiner Studienfächer und Interessen absprechen.

Blick aus dem Klassenzimmer (Foto: Lucie Schulze)

Für den Unterricht meiner Mentorin durfte ich einiges an Material vorbereiten und ihr bei organisatorischen Dingen helfen. Darüber hinaus habe ich oft die Hausaufgabenkontrolle übernommen und ab und zu Tests korrigiert. In Deutsch-Stunden habe ich oft mit einer kleineren Schülergruppe an deren Wortschatz gearbeitet. Ansonsten habe ich natürlich auch viel hospitiert und während des Unterrichts Hilfestellungen gegeben, wenn sie benötigt wurden. Insgesamt durfte ich sehr viele Erfahrungen machen, die mich definitiv weiterbringen.

Nachmittags sind wir Praktikant*innen häufig durch die Stadt geschlendert, haben Cafés getestet, und bei besonders gutem Wetter sind wir auch direkt nach der Schule an den Strand gefahren. Bis zum Sonnenuntergang haben wir gequatscht und gespielt und einfach die wundervolle Möglichkeit genossen, dieses Praktikum im Ausland gemeinsam erleben zu dürfen.

Abschließend möchte ich euch noch raten, ein Auslandspraktikum frühzeitig zu planen. Ich selbst hatte mich erst drei Monate vorher beworben und somit großes Glück, in Bilbao noch genommen zu werden. An allen anderen Auslandsschulen war ich mit meiner Bewerbung bereits zu spät dran. Meist sind bis zu sechs Monate vorher schon alle Plätze vergeben. Außerdem ist die Bewerbung um eine Erasmus-Förderung ebenfalls empfehlenswert, da man eine gute finanzielle Unterstützung zur Verfügung gestellt bekommt und auch exklusive Veranstaltungen und Ausflüge vor Ort buchen kann. 

(Text: Lucie Schulze)

Interesse an einem Auslandssemester?
  • Sie sind an der Universität Erfurt eingeschrieben und möchten an einer ausländischen Universität studieren oder ein Praktikum im Ausland machen?
  • Sie sind auf der Suche nach Informationen zu Planung und Finanzierung? 
  • Vielleicht sind Sie auch unsicher, ob Sie sich für einen Auslandsaufenthalt im Studium entscheiden sollen und haben grundsätzliche Fragen?

Das Team des Internationalen Büros berät Sie gern!

Website des Internationalen Büros